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Mordprozess Brunner: Zu viel Stress fürs Herz

19 Fausthiebe und drei Fußtritte haben die beiden Angeklagten Dominik Brunner zugefügt. Brunners Tod sei eine Folge der Schläge gewesen.

Sebastian L. ist wegen Mordes an Dominik Brunner angeklagt.
Sebastian L. ist wegen Mordes an Dominik Brunner angeklagt.
Foto: ddp

Die beiden Angeklagten im Mordprozess an Dominik Brunner haben ihrem Opfer nachweislich 19 Fausthiebe und drei Fußtritte zugefügt. Die Verletzungen seien „lebensgefährlich“ gewesen, sagte der Rechtsmediziner Wolfgang Keil am Donnerstag vor dem Landgericht München I. Letztendlich sei der Brunner aber nicht unmittelbar an den Folgen der Hiebe und Tritte gestorben, sondern ohne jeden Zweifel an Herzversagen. „Der 50 Jahre alte Herr Brunner war schon lange Zeit herzkrank“, so Keil. Ohne diese Krankheit „hätte er wie durch ein Wunder überlebt“.

Keil hatte Brunner am 13. September 2009, einen Tag nach dessen Tod, obduziert und dabei eine „Vielzahl von Verletzungen durch stumpfe Gewalt“ festgestellt. Darunter ein Fußtritt an die rechte Schläfe, zwei weitere auf Oberarm und Bauch sowie etliche Faustschläge ins Gesicht. Hinweise von Zeugen, wonach die Angeklagten Markus S. und Sebastian L. „zig Mal“ auf Brunners Kopf getreten haben sollen, hätten sich in seiner Untersuchung nicht bestätigt.

Brunner erlitt bei der Schlägerei am Münchner S-Bahnhof Solln nach Keils Angaben auch keine Knochenbrüche. Zwar seien bei der Obduktion Frakturen von Brustbein und Rippen festgestellt worden, diese stammten aber ganz sicher von den Reanimationsversuchen durch die Rettungssanitäter. „Wie durch ein Wunder“ habe der niederbayerische Geschäftsmann auch keinerlei inneren Kopfverletzungen erlitten. „Weder war der Schädelknochen gebrochen noch gab es Blutungen der Hirnhaut, und auch keine Hirnprellung.“ Die einzige Blutung habe er an der Innenseite von Brunners Lippen feststellen können. Dies lasse auch Rückschlüsse auf den Verdacht zu, Markus S. habe sich einen Schlüssel zwischen die Finger seiner geballten Faust gesteckt, um Brunner schwer zu verletzen, so Keil. „Es gibt nur eine geringgradige Verletzung an der Oberlippe links, die mit einem Werkzeug gesetzt worden sein könnte.“

Die Blutspuren am Tatort stammen überwiegend von dem Angeklagten Markus S.

Keils Obduktionsbericht deckt sich damit mit der Auswertung von DNA-Spuren, die ebenfalls am neunten Prozesstag präsentiert wurde. Eine Sachverständige des Landeskriminalamtes betonte am Mittwoch, an S.’ Schlüssel sei lediglich eine „schwach positive“ Blutspur entdeckt worden, die sich aber niemandem zweifelsfrei zuordnen lasse. Am gesamten Tatort seien sehr viele Blutspuren gefunden worden, „die von Herrn S. stammen“, vergleichsweise wenige von Dominik Brunner. Dieser hatte, bevor er von S. und L. misshandelt wurde, dem älteren der beiden Angeklagten mit einem Fausthieb eine blutende Verletzung zugefügt.

Keil betonte vor der Jugendkammer, Brunners Herz habe 538 Gramm gewogen, was „jenseits des kritischen Herzgewichts“ liege. Ein derart vergrößertes Herz könne sich „in Belastungssituationen“ nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgen. Dazu komme, dass der Körper bei Stress große Mengen Adrenalin ausstoße, das bei einer derartigen Krankheit zusätzliche Herzschläge auslöse. Dies könne, wie bei Brunner, zu Herzkammerflimmern und letztlich zum Tod führen. Keil ist sicher, dass Brunner mit diesem Herzen „noch lange hätte weiterleben können“, wenn es am 12. September nicht erheblichem physischen wie psychischen Stress ausgesetzt gewesen wäre. Insofern bestehe ein kausaler Zusammenhang zwischen der Prügelei und Brunners Tod.

Keil attestierte dem mutmaßlichen Haupttäter Markus S., er sei am Tattag durch starken Alkoholkonsum „enthemmt“ gewesen. Gleichwohl ging er nicht von einer verminderten Steuerungsfähigkeit aus. S., der nach eigenen Angaben eine halbe Flasche Wodka und etliche Bier getrunken hatte, bevor er auf Brunner traf, habe zum Tatzeitpunkt etwa zwei Promille Alkohol im Blut gehabt. Außerdem stand er unter dem Einfluss von Haschisch. Sein Mittäter L. war dagegen nüchtern. Er soll es gewesen sein, der S. letztlich vom hilflos am Boden liegenden Brunner wegzog. Der Prozess wird in der kommenden Woche mit den psychischen Gutachten über die beiden Täter fortgesetzt.

Autor:  Jörg Schindler
Datum:  29 | 7 | 2010
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