Wer noch nie über einen Luxusschlitten geflucht hat, der den Fahrradweg oder den Gehsteig blockiert oder sonst im Weg steht, möge der Erste sein, der die eingemächtige Aktion von Arturas Zuokas verurteilt: Zuokas, 43 Jahre alt, ist ein populär-populistischer Bürgermeister in der litauischen Hauptstadt Vilnius und außerdem ein passionierter Fahrradfahrer.
Die steigende Zahl von Edelkarossen, die von ihren Eignern in der Innenstadt abgestellt werden, ganz so, wie es ihnen passt und nicht nach den Verkehrsregeln, machte Zuokas seit einiger Zeit wütend. Die Strafen fürs falsche Parken zahlen sie mit dem Geld, das locker in ihrer Hosentasche klimpert. „Die scheinen zu glauben, sie stünden über dem Gesetz“, schnaubte der Politiker und zürnte weiter: „Überall stehen ihre Rolls Royces, Porsche und Mercedes im Weg. Ich habe die Nase voll von diesen Autofahrern!“
Auch die Bevölkerung richtete dringliche Appelle ans Rathaus, doch endlich etwas gegen die Unsitte zu unternehmen. Schließlich würden Durchfahrten ebenso behindert wie Fußgängerübergänge und Schulwege. Zuokas erhörte nun das Flehen. Er stieg in einen ausrangierten Panzer aus Restbeständen der Sowjetarmee, steuerte auf einen illegal auf dem Radweg geparkten Mercedes zu und überrollte ihn. Die zerquetschten Reste des Wagens ließ er von der Müllabfuhr beseitigen, die Glassplitter fegte er eigenhändig in den Rinnstein. Anschließend eilte ein mutmaßlicher „Besitzer“ mit goldener Halskette auf die Straße, und Zuokas erklärte dem entgeisterten Mann: „Das nächste Mal parkst du besser legal.“
Die Geschichte ist schön - vielleicht zu schön, um wahr zu sein. Eine Fernsehkamera hielt die Aktion fest. Man darf also durchaus darüber spekulieren, ob es sich bei dem Spektakel um eine PR-Kampagne für einen durchsetzungsstarken Politiker oder um eine spektakuläre Warnung an Autofahrer handelt. Doch was ist, wenn der Bürgermeister tatsächlich spontan gehandelt und mit Panzer gegen Verkehrssünder vorgegangen ist? Dann dürften die Fahrer von Luxuskarossen sich ab jetzt genau überlegen, wo sie ihr Gefährt in Vilnius abstellen.
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