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Deutsch-Russisches Wissenschaftsjahr: Partnerschaft der Ideen

Die Länder planen gemeinsame Institute und eine Junge Akademie. Bei Moskau entsteht mit deutscher Hilfe ein moderner Wissenschaftspark. Forschungsministerin Annette Schavan und Andrei Fursenko, Minister für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation erklären die Geschichte der Zusammenarbeit der beiden Länder.

Mobile Technik: Russische Sojus-Raketen wie diese sollen ab Oktober auch vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Südamerika starten – mit deutscher Beteiligung. Foto: dpa

Deutschland und Russland stehen in einer langen Tradition des wissenschaftlichen Austausches und der Zusammenarbeit. Diese Geschichte beginnt im frühen 18. Jahrhundert mit der Gründung der Petersburger Akademie der Wissenschaften, in die Zar Peter zahlreiche deutsche Gelehrte berief. Und sie ist untrennbar verbunden mit dem russischen Universalgelehrten Michail Lomonossow, dem Namensgeber der Moskauer Universität, der ab 1736 in Marburg und Freiberg studierte – und mit einer Deutschen verheiratet war.
Im Vergleich zum 18. Jahrhundert leben wir heute in einer globalisierten und sich ständig verändernden Welt. Um den langfristigen Wohlstand ihrer Bürger zu garantieren, müssen Staaten bereit sein, ihre Wirtschaft laufend zu modernisieren. Unter diesen Bedingungen sind nicht nur Wissenschaft und Innovationen, sondern auch internationale Zusammenarbeit wichtiger denn je.
In dem Bewusstsein von gegenwärtigen Herausforderungen und unter Berücksichtigung positiver Erfahrungen der existierenden Partnerschaft haben wir kürzlich in Moskau das Deutsch-Russische Jahr der Bildung, Wissenschaft und Innovation feierlich eröffnet.
Diese gemeinsame Initiative wird sich aber nicht in der Rückschau auf bisher Erreichtes erschöpfen. Wir blicken nach vorne. Unser gemeinsames Ziel in diesem Jahr ist der Aufbau von etwas Neuem. Wir glauben, dass dieses gemeinsame Wissenschaftsjahr eine gute Möglichkeit bietet, die 2005 beschlossene Strategische Partnerschaft in Bildung, Forschung und Innovation sowie die im Jahre 2008 gestartete deutsch-russische Modernisierungspartnerschaft mit neuem Leben zu erfüllen.
Im Laufe dieses Jahres werden wir eine Reihe von Projekten anstoßen, die die Partnerschaft zwischen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in unseren Ländern stärken werden. Das Dreieck „Bildung, Wissenschaft und Innovation“ ist für die Zukunft unserer beiden Länder entscheidend. Für Russland wie für Deutschland gilt: Eine Politik, die wirtschaftlichen Wohlstand sichern will, muss im 21. Jahrhundert im Wesentlichen Innovationspolitik sein.
Und die Voraussetzung für Innovationen sind ein funktionierendes Bildungs- und Wissenschaftssystem sowie ein kontinuierlicher Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. „Partnerschaft der Ideen“ lautet daher das Motto des Wissenschaftsjahres. Genau deswegen ist das Motto des Bildungsjahres „Partnerschaft der Ideen“.
Unsere Partnerschaft ist in erster Linie auf die Lösung einer globalen Herausforderung gerichtet: der grundlegenden Modernisierung von Wissenschaft und Bildung und deren enge Verzahnung mit der wirtschaftlichen Entwicklung.
Heutzutage ist das Erwerben neuer Kenntnisse kein Selbstzweck mehr. Im Zeitalter des Informationsüberflusses und ständiger Veränderung unserer Lebensweise können neue Erfindungen nur dann wirksam werden, wenn sie umgesetzt und von Menschen in ihrem Alltag genutzt werden. Andernfalls bleibt das Potenzial innovativer Ideen unerschlossen und sie verschwinden, ohne die Menschen erreicht zu haben.
Die Suche nach Lösungen für diese Problematik ist für die ganze Welt von Bedeutung. Die Partnerschaft zwischen Russland und Deutschland ist in der Lage, eine Antwort auf diese Herausforderung zu liefern. Dazu müssen wir Neues lernen, uns ergänzen und Synergieeffekte aus unserer Partnerschaft nutzen. Dadurch erwächst den neuen Anstrengungen eine besondere Qualität. Genau darauf sind auch unsere größeren gemeinsamen Projekte gerichtet.
Heute sind es nicht mehr einzelne Forscher oder geschlossene Forschergruppen, die alleine große Erkenntnisfortschritte schaffen. In der immer weiter spezialisierten Spitzenforschung kommt es mehr denn je zuvor auf internationale Zusammenarbeit an.
Die deutsche und die russische Regierung ziehen bei internationalen Forschungsgroßprojekten, zum Beispiel dem Röntgenlaser XFEL und dem Beschleunigerzentrum Fair, schon jetzt an einem Strang. Zahlreiche renommierte Wissenschaftler und innovative Unternehmen nehmen zudem aktiv am Aufbau des Skolkowo-Parks bei Moskau teil, der sich zu einem international führenden Zentrum für Innovationen entwickeln soll.
Im Rahmen des Deutsch-Russischen Wissenschaftsjahres werden wir auch weitere bilaterale institutionelle Verbindungen schaffen und gemeinsame Institute gründen. Das ist eine neue Qualität in den Wissenschaftsbeziehungen unserer Länder. Das ist das eigentlich Neue, Zukunftsweisende – eine gemeinsame Trägerschaft von Forschungsinstitutionen.
Ein Projekt des Deutsch-Russischen Wissenschaftsjahres ist uns beiden ein ganz besonderes Herzensanliegen: die Gründung einer deutsch-russischen Jungen Akademie. Wir sind überzeugt, dass die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unserer beiden Länder eine Hauptrolle spielen sollen in diesem Deutsch-Russischen Jahr. Wir wollen daher einen dauerhaften Ort schaffen, an dem sich talentierte junge Forscher aus beiden Nationen begegnen und sich gegenseitig inspirieren. Wir freuen uns darauf, dass wir im Mai 2012, wenn wir dieses Wissenschaftsjahr gemeinsam beenden, einige junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei haben werden, die von ihren ersten gemeinsamen Erfahrungen mit dieser Jungen Akademie berichten werden.
Mit Blick auf die junge Generation soll auch die berufliche Bildung ein Schwerpunkt des gemeinsamen Wissenschaftsjahrs sein. Das Zusammenwirken von Unternehmen und staatlichen Bildungsinstitutionen hat sich im deutschen System der Berufsbildung besonders bewährt. Wir werden im Laufe der nächsten Monate Vereinbarungen unterzeichnen, die auch in Russland solche staatlich-privatwirtschaftlichen Partnerschaften in der beruflichen Bildung verstärken und dadurch die Zukunftschancen der jungen Generation in Russland verbessern.
Das ist der Leitgedanke unseres deutsch-russischen Wissenschaftsjahres: Was wir heute tun, muss stimmig sein für die Jugend und für künftige Generationen. Wir wollen jetzt für junge Menschen in unseren beiden Ländern die Möglichkeit schaffen, in der langen Tradition russisch-deutscher Wissenschaftsbeziehungen das nächste Kapitel schreiben zu können.

Forschungsgemeinschaft
 Abkommen mit Unterschrift: Schavan und Fursenko.

Andrei Fursenko (62) ist seit 2004 Minister für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation. Der promovierte Physiker hat in St. Petersburg (ehemals Leningrad) studiert und forschte viele Jahre am Ioffe-Institut der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften. 1994 wechselte Fursenko in die Politik und trat der damaligen Regierungspartei Unser Haus Russland bei.

Annette Schavan (56) ist seit 2005 Bundesministerin für Bildung und Forschung. Die CDU-Politikerin studierte Erziehungswissenschaft, Philosophie und Katholische Theologie und promovierte im Fach Philosophie.

Infos über Deutsch-Russische Projekte: www.deutsch-russisches-wissenschaftsjahr.de

Autor:  Annette Schavan und Andrei Fursenko
Datum:  10 | 8 | 2011
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