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Pegida
Mit Pegida wächst aus Dresden heraus eine Bewegung aus Nazis und Wutbürgern.

01. Dezember 2014

Neonazis: Rechte Retter des Abendlandes

 Von Joachim F. Tornau und Carsten Meyer
In Köln übten im Oktober 4000 Neonazis und Hooligans den rassistischen Schulterschluss.  Foto: dpa

Ein Kasseler HoGeSa-Aktivist ruft in seiner Heimatstadt zur Demo gegen die Islamisierung auf. Dabei gibt er sich ganz bürgerlich. Sein Vorbild sind die rechten Aufmärsche in Dresden.

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Michael V. war beglückt. „Köln“, jubelte der 46-Jährige auf seiner Facebook-Seite, nachdem er von den Krawallen der „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) in der Domstadt zurückgekehrt war, „war erst der Anfang!“ Und das sollten keine leeren Worte bleiben: Für den heutigen Montagabend hat der Kasseler in seiner Heimatstadt eine Demonstration angemeldet: „Gewaltfrei & vereint gegen Glaubenskriege auf deutschem Boden“ lautet das Motto.

Die Organisatoren nennen sich „Kagida“, es ist die Abkürzung für „Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Denn offiziell zum Vorbild erhoben wurde nicht Köln, wo Ende Oktober rund 4000 Neonazis und Hooligans den rassistischen Schulterschluss übten und sich eine Straßenschlacht mit der Polizei lieferten, sondern Dresden. In der sächsischen Landeshauptstadt mobilisieren die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz: Pegida, seit sechs Wochen zu allmontäglichen Aufmärschen. Und die Zahl der Teilnehmer steigt Woche für Woche: Zuletzt waren es bereits 5500.

Beklagt wird die „fanatische, radikalreligiöse Unterwanderung“ Deutschlands durch den Islam, doch das ist vor allem ein Vehikel, um gegen Flüchtlinge zu agitieren. „Wir Deutschen und Europäer [können] nicht das Auffanglager der Welt sein“, heißt es im Aufruf von Pegida, den Michael V. für Kassel wörtlich übernommen hat. „Wer unsere Gastfreundschaft und unser Sozialgefüge missbraucht, muss ausgewiesen werden. Die Gebräuche und die Lebensweise unseres Volkes sind zu achten.“

Das klingt bei Hogesa kaum anders. In Abgrenzung zu den gewaltbereiten Hooligans sind die selbsternannten Retter des Abendlandes, die mittlerweile überall im Bundesgebiet, nicht nur in Kassel, Ableger gründen, jedoch um ein bürgerliches Auftreten bemüht. Neonaziparolen oder Aufrufe zur Gewalt sind sowohl auf den Demonstrationen als auch bei Diskussionen im Internet unerwünscht. Was in erster Linie taktisch zu verstehen ist: Gegen die, die so denken, hat man nämlich keineswegs etwas. In Dresden marschieren nationalkonservative Bürger und AfD-Parteigänger ganz selbstverständlich neben bekannten NPD-Aktivisten und Fußballschlägern.

„Gegen das Judenpack“

Auch der Kasseler Michael V. hat Kreide gefressen, wenn er in der Selbstdarstellung seiner „Bürgerinitiative“ staatstragend-besorgt über die „Gewalt auf unseren Straßen“ klagt und beteuert, dass bei Kagida „jeder Mensch, gleich welcher Nationalität oder Religion“, willkommen sei. Wie der ehemalige Eventmanager wirklich tickt, zeigen Facebook-Einträge, die er indessen lieber gelöscht hat. Als Angela Merkel im jüngsten Gaza-Krieg das Selbstverteidigungsrecht Israels unterstrich, erging sich Michael V. in antisemitischen Ausfällen gegen das „Judenpack“ und schäumte in Richtung der Bundeskanzlerin: „Man sollte dich steinigen, du Vieh. […] Ich schäme mich für unsere Regierung und hoffe, dass hier bald eine Revolution ausbricht und dem ganzen deutschen Politpack der Schädel eingeschlagen wird.“ Ein anderes Posting eröffnete er sogar mit der NS-Parole „Deutschland erwache“.

Bei der Hogesa-Demo in Köln organisierte er die Anreise aus Nordhessen – und zeigte, dass ihm Berührungsängste gegenüber Rechtsaußen fremd sind: Zu seiner Reisegruppe gehörten gleich mehrere Rechtsextreme aus der Region, darunter der ehemalige nordhessische NPD-Vize David G. sowie ein 21-jähriger NPD-Anhänger, der nach eigenen Angaben als Azubi beim Landkreis Kassel arbeitet und der nicht müde wird, via Facebook gegen Flüchtlinge zu hetzen: „Weg mit dem Dreck.“ Beide haben angekündigt, auch zur heutigen Kagida-Demonstration zu kommen.
Das Kasseler Bündnis gegen Rechts hat eine Gegenkundgebung in Sicht- und Hörweite angemeldet.

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