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Pegida
Mit Pegida wächst aus Dresden heraus eine Bewegung aus Nazis und Wutbürgern.

10. Dezember 2014

Neue Bündnisse: In Wut vereint

 Von 
Verengter Blick auf die Welt: Eine Demonstration der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden am 8. Dezember 2014.  Foto: rtr

Pegida, Hogesa, NPD, AfD, Verschwörungstheoretiker - und mittendrin die Friedensbewegung: In Deutschland bilden sich derzeit erstaunliche Bündnisse. Links und rechts tun sich zusammen.

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Berlin –  

Es war eine seltsame Runde, die da im September in Berlin zusammenkam – und deren Tatendrang an diesem Samstag in einer Demonstration vor dem Amtssitz des Bundespräsidenten gipfeln wird: Der Liedermacher Konstantin Wecker saß da, der Attac- und Friedensaktivist Pedram Shahyar, dazu der Publizist Albrecht Müller, der sich als linker Kritiker der Agenda-Politik von Gerhard Schröder profiliert hat, und schließlich Ken Jebsen, der als Radiomoderator vom RBB im Streit um antisemitische Äußerungen gefeuert wurde und dann zum Gesicht der montäglichen „Mahnwachen“ avancierte.

Unterzeichnet haben den Demo-Aufruf unter anderem die Publizistin Daniela Dahn, viele Politiker der Linken und Liedermacher wie Wecker und Reinhard Mey. Man sei besorgt, weil Bundespräsident, Regierung und „Teile der Opposition“ immer stärker auf militärisches Engagement setzten und „die Politik der Konfrontation gegen Russland weiter vorantreiben“ – „begleitet von einer Mehrheit der Medien“. Das Bündnis fordert Abrüstung sowie „die Auflösung der Militärblöcke, besonders der Nato!“ Unterstützer dafür hatten nicht zuletzt Müller, Wecker, Shahyar und Jebsen gesammelt, und die Vorbereitungen zum „Friedenswinter“ mit etlichen solcher Demos besorgten alte und neue Friedensbewegung zusammen.

Dabei war die „neue“ Friedensbewegung zuletzt ins Gerede gekommen. Auch bei ihren „Mahnwachen“ in ganz Deutschland ging es zwar bereits um Frieden – allerdings verbunden mit Erwägungen Ken Jebsens, dass die Demokratie nicht beste Staatsform sei, und der Theorie, die US-Zentralbank sei schuld an der Eskalation der Ukraine-Krise. Dafür applaudierten im Publikum linke Friedensaktivisten ebenso wie NPD-Kader. Redner aus dem neu-rechten und verschwörungstheoretischen Spektrum wie Jürgen Elsässer redeten eine „Querfront“ zwischen rechts und links herbei – gegen die „Kriegstreiber“ in Altparteien und Medien.

Erstaunlich ist nun, dass namhafte Teile der 80er-Jahre-Friedensbewegung und der Linkspartei sich mit den Mahnwache-Aktivisten verbünden – obwohl deren Köpfe wie Ken Jebsen und Lars Mährholz antisemitischen und antiamerikanischen Verschwörungstheorien nachhängen.

Antisemitische und antiamerikanische Verschwörungstheorien: Ken Jebsen, einer der Köpfe der „Mahnwachen“.  Foto: Imago

„Damit hat unser Aufruf nichts zu tun“, sagte Publizist Müller der Frankfurter Rundschau. „Aber nur weil man nicht bei jedem Thema einer Meinung mit allen Beteiligten ist, darf sich die Friedensbewegung doch nicht auseinanderdividieren lassen.“ Die großen Medien liebten eben die Schwarz-Weiß-Malerei, so Müller – aber dem verweigerten sich immer mehr Menschen.

Tatsächlich mag das eine der vielen Erklärungen sein, nach denen der Normalbürger dieser Tage sucht, wenn er auf die Straßen blickt: zuerst Tausende Demonstranten bei den montäglichen Mahnwachen, dann mehr als 3000 bei Hogesa in Köln, rund 10.000 bei Pegida in Dresden – und nun neue Friedensdemos. Der vorläufige Gipfel der Verwirrung war am Mittwoch erreicht, als auch die NPD sich dem Appell diverser Künstler und Altpolitiker für eine Entspannungspolitik gegenüber Russland anschloss.

Doch so unterschiedlich die Gruppierungen sind, was alle eint, ist die Wut auf Staat und Medien – von denen sie sich bevormundet und vernachlässigt zugleich fühlen. Die Teilnehmer von Massendemonstrationen wie die der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) sind keine Extremisten. Doch so wie die vermeintlichen Friedensfreunde starke antiamerikanische Tendenzen einen, die keine Grautöne im Russland-Bild mehr zulassen, so eint auch die Demonstranten gegen die „Islamisierung“ der verengte Blick auf die Welt: Politiker und Medien lügen. Alle.

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