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Pegida
Mit Pegida wächst aus Dresden heraus eine Bewegung aus Nazis und Wutbürgern.

26. Januar 2016

Pegida in Dresden: Brennende Autos und Schlägereien

Autos brennen am Rande von Pegida.  Foto: dpa

Am Montag marschieren wieder mehrere Tausend "Pegida"-Anhänger durch Dresden. Zahlreiche Gegendemonstranten versuchen, den Zug mit Rauchbomben zu attackieren, auch gehen Autos in Flammen auf.

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Am Rande der allwöchentlichen Demonstration der islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung sind am Montagabend in Dresden mehrere Autos in Flammen aufgegangen. Das bestätigte die Polizei. Es wird Brandstiftung vermutet. Die Autos standen auf einem Parkplatz unter der Marienbrücke, wo in der Regel viele Pegida-Anhänger ihre Wagen abstellen.

Erneut waren in Dresden Tausende Demonstranten versammelt. Zugleich protestierten in der Innenstadt nach Angaben der Studenteninitiative "Durchgezählt" 250 bis 350 Menschen gegen den Aufzug der Asylfeinde. Die "Pegida"-Teilnehmerzahl wurde auf 3.000 bis 4.000 beziffert.

Gegendemonstranten gelang es vorübergehend, den "Pegida"-Aufzug mit Rauchbomben zu attackieren. Die Polizei brachte die Lage allerdings wieder schnell unter Kontrolle.

Sechs Personen festgenommen

Am späteren Abend kam es zudem zu einer Schlägerei zwischen deutschen und ausländischen Personen. Die Polizei stellte sechs beteiligte Deutsche im Alter zwischen 31 und 53 Jahren fest. Die Migranten seien nicht mehr angetroffen worden, hieß es. Was sich genau ereignet habe, werde ermittelt.

Die Anhänger der fremden- und islamfeindlichen Pegida: Nichts Neues in Dresden.  Foto: dpa

Bei der zuvor stattgefundenen Kundgebung auf dem Theaterplatz vor der Dresdner Semperoper beschwor Frontfrau Tatjana Festerling unter den üblichen Parolen wie "Merkel muss weg" und "Widerstand" die Internationalität der Bewegung und berichtete von einem Vernetzungstreffen der "Patrioten Europas" vergangenes Wochenende in Prag. Dabei hätten Vertreter aus 14 Ländern unter dem Motto "Festung Europa" eine sogenannte Prager Deklaration verabschiedet. Darin heiße es unter anderem, es gebe ein "heiliges Recht" der Europäer, sich zu verteidigen.

"Pegida" plant für den 6. Februar eine europaweite Demonstrationen. Außer in Dresden sollen Demonstrationen auch in Warschau, Tallin, Prag, Bratislava, Amsterdam und Birmingham stattfinden. Bei der Kundgebung in Warschau soll Festerling, die sich am Montag gemäßigt gab, als Rednerin auftreten.


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"Opern ohne Grenzen" geplant

Deutlich hetzerische Töne schlug dagegen eine Gastrednerin aus Dänemark an. Sie sprach von "gewählten Volksverrätern" und von einer "Flutwelle zumeist gut genährter Migranten, voller Gier auf unsere Länder, unseren Wohlstand und unsere Frauen". Zugleich wurde Dresden als "Hauptstadt des deutschen Widerstands" gewürdigt.

Gegen Festerling prüfen derzeit die Staatsanwaltschaften in Dresden und Leipzig mehrere Anzeigen wegen Volksverhetzung. Unter anderem hatte der Deutsche Journalisten-Verband Festerling wegen Äußerungen bei einer "Legida"-Kundgebung am 11. Januar in Leipzig angezeigt.

Mehrere große Opernhäuser in Deutschland haben am Montag angekündigt, ein Zeichen für Weltoffenheit setzen zu wollen. Sie starten dazu gemeinsam die Konzertreihe "Oper ohne Grenzen - Konzert für eine offene Kultur", wie die Deutschsprachige Opernkonferenz in Dresden mitteilte. Den Auftakt bildet am 12. Februar eine Aufführung an der Dresdner Semperoper. Die Semperoper mit ihrer langen Tradition dürfe nicht als Kulisse für «fremdenfeindliche Agitation» missbraucht werden, hieß es. (ktho/epd)
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