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Pegida
Mit Pegida wächst aus Dresden heraus eine Bewegung aus Nazis und Wutbürgern.

03. März 2015

Pegida: Zweifelhafter Zuwachs für Pegida

 Von Carsten Meyer und Joachim F. Tornau
Marco Probach (re., weiße Tarnjacke) steigt in die bundesweite Führung der Islamfeinde auf.  Foto: imago/Reichwein

Lutz Bachmann hat vor kurzem neue Kameraden vorgestellt: Zwei Männer mit Verbindungen ins Milieu rund um die Rockerbanden Hells Angels und Bandidos steigen in die Bundesspitze der Islamfeinde auf.

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Angela Merkel wollte er steinigen. Israelis beschimpfte er als „Judenpack“. Wegen Volksverhetzung wird gegen ihn ermittelt. Und bei seinen Demonstrationen trugen immer wieder Neonazis die Ordnerbinde. Michael Viehmann, Chef der Kasseler Pegida-Filiale, hat deswegen schon seinen Abschied von der AfD nehmen müssen. Bei den Islamfeinden von Pegida aber kann der 46-Jährige trotz Facebook-Hetze und Nähe zu Rechtsextremen Karriere machen: Viehmann ist jetzt in die bundesweite Führung der selbsternannten Abendlandretter aufgestiegen.

Kürzlich stellte ihn Pegida-Vorsitzender Lutz Bachmann im Internet als neues Mitglied der „Deutschland-Orga“ vor, verantwortlich „für unsere Gida-Ableger im Westen Deutschlands“. Einen Tag später präsentierte er mit dem Dortmunder Marco Probach auch noch einen eigenen Verantwortlichen für Nordrhein-Westfalen. Was Bachmann bei der Vorstellung nicht erwähnte: Beide Männer haben eine Vergangenheit in Rocker-Organisationen, die mit Rotlicht und organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht werden.

Dass es bei Pegida auch in dieser Hinsicht wenig Berührungsängste gibt, hatte bereits die Wahl von Siegfried Daebritz zu Bachmanns Stellvertreter Ende Februar angedeutet: Der Inhaber einer Sicherheitsfirma im sächsischen Meißen soll nach Recherchen der bekannten Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke, veröffentlicht in der Zeitschrift „Blick nach rechts“, vielfältige Kontakte ins Rockermilieu unterhalten. In der Pegida-Spitze wäre er damit nun nicht mehr allein.

Pegida-Shop in Planung

Marco Probach hat bereits öffentlich eingeräumt, einem Supporterclub der berüchtigten Bandidos angehört zu haben. Nur wann er ausgestiegen sein will, weiß der 49-Jährige anscheinend nicht mehr so genau: Mal war es vor drei Jahren, mal erst vor anderthalb. Michael Viehmann hingegen war auf der Gegenseite aktiv, bei den Red Devils, dem bedeutendsten Unterstützerclub der mit den Bandidos verfeindeten Hells Angels.

Wie aus Sicherheitskreisen bestätigt wird, war er Prospect, also Anwärter auf eine Vollmitgliedschaft, beim Chapter in Paderborn und organisierte Partys der Rocker. Als sich der dortige Club 2012 selbst auflöste, suchte Viehmann Anschluss in Kassel, wurde aber als „unerwünscht“ abgelehnt.

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Ein Foto, das der FR vorliegt, zeigt den heutigen Pegida-Aktivisten in der Kutte des Rockerclubs. Als Aufnäher trägt er unter anderem eine Raute mit dem Zahlencode „18 4“, für RD: Red Devils. Ein Symbol, das seine Eingebundenheit in die Organisation unterstreicht, erläutert Dirk Wilking vom Brandenburgischen Institut für Gemeinwesenberatung, ein ausgewiesener Kenner der Rockerszene: „Das ist ein Zeichen für die Bereitschaft, die Clubinteressen auch gewalttätig durchzusetzen.“


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Von strafrechtlich relevanten Vorfällen ist der Polizei jedoch nichts bekannt. Ohnehin sei es um die Rockerszene in Nordhessen, die Red Devils eingeschlossen, „sehr ruhig“ geworden, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch in Kassel. Das Landesamt für Verfassungsschutz dagegen hält die hessischen Chapter der Red Devils für gefährlich. „Sie werden“, teilt das Amt in Wiesbaden mit, „wie andere kriminelle Rockergruppen und deren Supporterclubs dem Spektrum der Organisierten Kriminalität zugeordnet.“. Und stünden deshalb unter Beobachtung.

Michael Viehmann will sich auf Anfrage der FR nicht zu seinen Rocker-Aktivitäten äußern. Bei Pegida kümmert er sich nun nicht nur um die Splittergruppen in Westdeutschland, sondern auch ums Merchandising. Er hat die Internetseite für den entstehenden „offiziellen Pegida-Shop“ angemeldet.

Dabei ist er als Unternehmer nicht eben vom Erfolg verwöhnt: Seine Eventagentur hat er dicht gemacht. Als er vor einigen Jahren eine Kasseler Diskothek übernehmen wollte, verweigerte ihm die Stadt die Konzession – wegen Steuerschulden. Zuletzt jobbte Viehmann nur noch im Supermarkt seines Bruders. Bis Antifa-Flugblätter auf ihn aufmerksam machten und er auch diese Arbeit lieber wieder aufgab.

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