Aktuell: Brexit | HIV und Aids | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Pegida
Mit Pegida wächst aus Dresden heraus eine Bewegung aus Nazis und Wutbürgern.

05. Januar 2015

Proteste gegen Pegida: Tausende protestieren gegen Pegida

Kreativer Protest: Die Regenschirme der Gegendemonstranten in Berlin zeigen, was sie von Pegida und dem Berliner Ableger Bärgida halten.  Foto: REUTERS

Die Anhänger der "Pegida"-Bewegung treffen bei ihren Kundgebungen auf Gegenwind. Tausende Gegendemonstranten in mehreren Städten setzen ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit.

Drucken per Mail

Gegenwind für «Pegida»: Tausende Menschen haben am Montagabend unter anderem in Berlin, Köln und München gegen Kundgebungen der islam- und fremdenfeindlichen Bewegung demonstriert. In Dresden übertraf die Zahl der «Pegida»-Anhänger die Zahl der Gegendemonstranten allerdings bei weitem. In der sächsischen Landeshauptstadt versammelten sich nach erster grober Schätzung der Polizei rund 10.000 Menschen, um gegen eine angeblich drohende Islamisierung des Abendlandes zu protestieren.

In der «Pegida»-Hochburg Dresden gingen nach 14-tägiger Pause am Montagabend erneut Tausende Anhänger der Bewegung auf die Straße. Dort hatte das Bündnis «Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» zuletzt zwei Tage vor Heiligabend zum «Weihnachtslieder-Singen» aufgerufen. Daran beteiligten sich damals rund 17.500 Anhänger der Bewegung.

Das «Pegida»-Bündnis wendet sich unter anderem gegen eine angebliche «Überfremdung» des Landes und will ein schärferes Asylgesetz. Die Dresdner Gegendemonstranten machten den «Pegida»-Teilnehmern am Montag erstmals konkrete Gesprächsangebote.

Kölner Dom bleibt dunkel

In Köln demonstrierten nach Veranstalterangaben am Abend mindestens 2.000 Menschen gegen die erste «Kögida»-Kundgebung in der Domstadt. Das Altstadtpanorama blieb während der Demonstration dunkel und sollte erst nach Abschluss des «Kögida»-Umzugs wieder leuchten. Unter dem Motto «Licht aus für Rassisten» wurde am Kölner Dom und anderen Kirchen sowie an mehrere Museen und dem Rathaus die Außenbeleuchtungen abgeschaltet.

Plakate auf der Gegendemonstration in Köln.  Foto: dpa

An der Gegendemonstration in Köln beteiligten sich auch Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) und der Kölner CDU-Vorsitzende Bernd Petelkau. Nach den Worten von OB Roters wollten die Kölner ein «deutliches Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Ausgrenzung» setzen. Die «Kögida»-Veranstalter hatten mit 500 Teilnehmern gerechnet, zum Start der Demonstration waren offenbar deutlich weniger da.

Angesichts tausender Gegendemonstranten wurde die Kundgebung in Köln nach kurzer Zeit abgebrochen. Der geplante Gang über die Rheinbrücke zum Dom sei abgesagt worden, berichtete ein Sprecher der Polizei am Rande der Kundgebung. Unter den Gegendemonstranten brach Jubel aus. Es war ihr ausdrückliches Ziel gewesen, eine Demonstration von Kögida zu verhindern.

In Berlin demonstrierten auf mehreren Kundgebungen mehrere Tausend Menschen gegen den «Pegida»-Ableger «Bärgida». Auf der Kundgebung der Türkischen Gemeinde am Brandenburger Tor sprachen unter anderem die Linken-Bundestagsabgeordnete Petra Pau und der frühere Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer. An der Demonstration am Brandenburger Tor nahm auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) teil.

Bei der größten von mehreren Gegendemonstrationen in Berlin zählte die Polizei nach Angaben eines Sprechers rund 5.000 Teilnehmer. An dem von Gegendemonstranten gestoppten Marsch der Islamkritiker von «Bärgida» nahmen etwa 300 Menschen teil. Berlins Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) nannte das Bündnis gegen eine vermeintliche Islamisierung des Abendlandes «einen Angriff auf das Zusammenleben in unserer Gesellschaft».

In Dresden sind wieder Pegida-Anhänger zur Demonstration zusammengekommen.  Foto: REUTERS

Auch in Würzburg und München protestierten mehr als 2.000 Menschen friedlich gegen Aufmärsche der «Pegida»-Anhänger. Am Hauptbahnhof Würzburg kamen nach Angaben der Polizei bis 17.30 Uhr mindestens 1.000 Menschen dem Aufruf der Initiative «Würzburg lebt Respekt» nach. In München versammelten sich ab 18 Uhr rund 1.000 Menschen vor dem Sendlinger Tor zu einer Anti-«Pegida»-Demo. Auch in der hessischen Universitätsstadt Marburg beteiligten sich mehr als 1.500 Menschen an einer Demonstration gegen «Pegida».

Mehr dazu

Kirchenvertreter hatten vor den erneuten Pegida«-Demonstrationen deutliche Kritik an der Bewegung bekundet. »Von der Zielsetzung her ist 'Pegida' unchristlich«, sagte Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Düsseldorfer »Rheinischen Post" (Montagsausgabe). Man könne nicht das Abendland verteidigen, indem man den Islam zum Feind ausrufe. Der Kölner Dompropst Norbert Feldhoff sagte im Deutschlandradio Kultur, die Religionsfreiheit in Deutschland müsse umfassend sein und auch für den Islam gelten.

Nach Ansicht von Wissenschaftlern weisen die islam- und fremdenfeindlichen Proteste auf einen Riss in der Gesellschaft hin. Auf der einen Seite stünden diejenigen, die Vielfalt wollten und Flüchtlinge willkommen hießen, sagte der Vorsitzende des Rats für Migration, Werner Schiffauer, am Montag in Berlin. Auf der anderen Seiten gebe es diejenigen, die Zuwanderung ablehnten, selbst aber kaum damit konfrontiert seien. (epd/dpa)

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Pegida

Der Verlust der Mitte

Von  |
"Wir sind das Volk" behaupten die "Pediga"-Anhänger auf ihren Protesten.

Pegida ist eine Absage an die konsensorientierte Politik der großen Koalition. Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass sich die neuen Protestler mit ein wenig gutem Zureden zur gesellschaftlichen Teilhabe bewegen lassen. Der Leitartikel. Mehr...

Hintergrund

Rund um die Demonstrationen der Anti-Islam-Bewegung Pegida in Sachsen tauchen viele schneidige Parolen auf. Von einer vermeintlichen Überfremdung Deutschlands ist ebenso die Rede wie von angeblicher Überforderung durch die wachsende Zahl an Asylbewerbern sowie einer "Islamisierung des Abendlandes". Sind das berechtigte Sorgen oder Vorbehalte ohne echte Substanz? Der Faktencheck.

Kolumne

Briefe des Philosophen Markus Tiedemann richten sich an Menschen extremer Glaubensüberzeugungen. Tiedemann ist Professor am Institut für vergleichende Ethik an der FU Berlin sowie Vorsitzender des Forums Fachdidaktik in der Deutschen Gesellschaft für Philosophie.

Hintergrund

Sachsens Hauptstadt erlebt das Bündnis "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) regen Zulauf. Die Dresdner Aktivitäten haben sich bundesweit viele Gruppierungen zum Vorbild genommen. Ein Überblick.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Videonachrichten Politik
Meinung