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Pegida
Mit Pegida wächst aus Dresden heraus eine Bewegung aus Nazis und Wutbürgern.

02. Februar 2016

Rechte Demo in Breslau: Pegida expandiert nach Polen

 Von Jan Opielka
Robert Winnicki, Chef der rechtsradikalen Partei Ruch Narodowy, in Warschau.  Foto: REUTERS

Offenbar gewinnt die antiislamische Organisation Pegida auch in Polen Anhänger. Ein Ableger der Bewegung organisiert eine Demonstration in Breslau - und kooperiert mit der rechtsradikalen Partei Ruch Narodowy.

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Offenbar gewinnt die antiislamische Organisation Pegida nun auch im Osten der Europäischen Union Anhänger. Für den kommenden Samstag, 6. Februar, ist im westpolnischen Wroclaw (Breslau), der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt, eine Demo für einen „Stopp illegaler Einwanderung“ geplant. Angemeldet wurde die Demo von einer Person der „Gesellschaft Pegida Polen“, wie Malgorzata Szafran, Sprecherin im Krisenzentrum der Stadt, berichtet.

Am gleichen Tag soll es ähnliche Proteste in insgesamt 14 europäischen Städten geben. Eine entsprechende Vereinbarung hatten Pegida-Vertreter am vergangenen Samstag mit antiislamischen Organisationen verschiedener EU-Länder, darunter den Niederlanden, Österreich und Tschechien, getroffen. „Der Kampf gegen die Islamisierung Europas ist unser gemeinsames Ziel“, hatte Pegida-Vertreterin Tatjana Festerling nach dem Treffen im tschechischen Roztoky gesagt.

In Polen kooperiert Pegida dabei mit der rechtsradikalen Partei Ruch Narodowy (RN, Nationalbewegung). RN-Politiker sind seit Oktober 2015 im nationalen Parlament (Sejm) in Warschau vertreten, sie gelangten dorthin über Listen der gemäßigt rechtspopulistischen Gruppierung Kukiz’15. Während die RN ebenfalls am 6. Februar eine Demonstration in Warschau plant und für diese wirbt, bleiben die Organisatoren der Pegida in Breslau anonym.

„Pegida Polen ist eine Gruppe, die beschlossen hat, nach dem Franchise-Prinzip zu wirken, und dabei den zuletzt starken Namen der deutschen Organisation zu nutzen“, sagte eine Person aus der rechten Szene Breslau anonym gegenüber der Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“. Tatsächlich existiert bereits eine Facebook-Seite von Pegida in Polen, die von mehr als 15 000 Personen unterstützt wird. Ansprechpersonen gibt es keine. Laut Stadtsprecherin Szafran werden Angaben der Organisatoren auf dem zentralen Breslauer Marktplatz 200 Demonstranten erwartet.

Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling.  Foto: imago/Paul Sander

Doch es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Zahl der Teilnehmer deutlich höher werden könnte – und Breslau nicht zufällig Protestort ist. Die Stadt gilt bereits länger als eine Hochburg der rechten Szene in Polen und war in den vergangenen Monaten Ort von Kundgebungen gegen Flüchtlinge und Muslime.

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In Breslau ist etwa die Gruppierung Nationale Wiedergeburt Polens (NOP), von Skinheads dominiert und neonazistisch geprägt, so stark wie in kaum einer anderen Stadt des Landes. Auch das National-Radikale Lager (ONR) ist in der wirtschaftsstarken, 640.000 Einwohner zählenden Stadt aktiv. Bei einer ONR-Demo auf Breslaus zentralem Marktplatz gegen Flüchtlinge im November, verbrannten Teilnehmer eine Menschenpuppe, die einen Juden repräsentieren sollte.

Und auch wichtige Kader der RN-Partei stammen aus der Region, etwa Robert Winnicki, Parteichef und Abgeordneter in Warschau. „Wir spötteln manchmal, dass es bei uns niemand zu etwas bringt, der nicht durch Breslau geht“, sagt Karol Wilk, Winnickis Büroleiter vor Ort. Über die Rolle der RN bei der Organisation der Breslauer Demonstration weiß Wilk nach eigener Aussage nichts. Seine Partei indes kündigt auf ihren Seiten nur den Protest in Warschau an – Breslau ist offenbar bei der polnischen Pegida gut aufgehoben.

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