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Pflanzen & Tiere

25. August 2011

Garten im Herbst: "Ein Männlein steht im Walde"

 Von Niels Böhling
Foto: dpa-tmn

Rote oder schwarze Fruchtkörper und ein verrückter Hut: Kinder haben früher das ganze Jahr auf das Erscheinen der Hagebutten an den Rosenstauden gewartet. Denn daraus kann man Juckpulver machen. Erwachsene erfreuen sich an ihnen eher als Schmuck an den kahlen Ästen.

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Es ist ein altes Kinderlied: "Ein Männlein steht im Walde" und des Rätsels Lösung zeigt sich bald wieder an den Rosenstauden. August Heinrich Hoffmann von Fallerslebens widmete die Zeilen im Jahr 1843 der Hagebutte - und nicht wie oft vermutet, dem Fliegenpilz.
Die Hagebutte ist die sogenannten Schein-Frucht oder Sammelnussfrucht der Wildrosen und wenig gefüllten Rosensorten. Deren eigentliche Früchte sind kleine, behaarte Nüsse, die sich im inneren der fleischigen Hülle verstecken. Diese Hülle entwickelt sich aus dem hochgewachsenen Blütenboden, der Stempel und Staubblätter beinhaltet. Form, Farbe, Behaarung, Größe und Zahl der Hagebutten variiert stark. Manche stehen aufrecht wie die „Männlein“, andere hängen herab.
Zur reizvollen Erscheinung der Gewächse tragen auch die fünf großen Kelchblätter an der Spitze der Hagebutte bei. Diese sind mal herabgeschlagen und angepresst, mal stehen sie unregelmäßig ab, mal sind sie steif nach vorn gestreckt. Sie unterscheiden sich auch an einer einzigen Frucht: Zwei davon sind fiedrig geteilt, zwei ungeteilt, eines ist auf einer Seite fiedrig, auf der anderen ganzrandig.
Die Hagebutten bilden sich nur, wenn die welken Blüten stehen gelassen werden. Wer den Herbstschmuck haben will, sollte daher auf den Rückschnitt ganz verzichten oder Verblühtes nur an ausgewählten Stellen abschneiden - dann kann die Pflanze einen Teil ihrer Kraft in neue Triebe stecken.
Grundsätzlich können alle Rosen Hagebutten bilden - bei Gartenrosen ist dies allerdings selten der Fall, da die Bienen und Hummeln oftmals nicht an die Staubgefäße der herrlich blühenden, dicht gefüllten Sorten kommen.
Unzählige hellrote Hagebutten sieht man im Herbst an den blattlosen Zweigen der Hundsrose (Rosa canina). Reinhard Witt, Rosenspezialist und Buchautor aus Ottenhofen, rät Gartenbesitzern besonders zu den Moschus-Rosen-Sorten 'Puccini', 'Richard Strauss' oder 'Wilhelm'. Ab September bildeten diese kleine, aber lange haltbare, nicht verschrumpelnde, rote Hagebutten. Zwischen 300 und 3000 Früchte können einen einzigen Strauch schmücken.
Besonders große, bis fünf Zentimeter lange Hagebutten bilden die Mandarin-Rosen (Rosa moyesii). Witt hebt die Sorten 'Geranium' und 'Eddies Juwel' hervor. Ebenfalls große Hagebutten, die flach-kugelig sind, bekommen die Kartoffelrosen (Rosa rugosa). Die Sorten 'Wild Sea' und 'Montblanc' duften sehr stark und eignen sich gut für die Ernte. Drüsig-stachelige Hagebutten hat die Apfelrose (Rosa villosa).
Groß, orangefarben und rundlich sind die Hagebutten der Bibernell-Rose (Rora pimpinellifolia) 'Fenja'. Die Sorte 'Aicha' bildet hingegen schwarze Früchte. Von den Damascena-Rosen empfiehlt Witt 'St. Nicholas' mit sehr früh reifen und lange haltenden Scheinfrüchten in Orange. Die Bauernrosen Alba blühen im Frühjahr und Sommer weiß, danach bilden sie ebenfalls den Herbstschmuck - die bekannteste Sorte 'Suaveolens' hat längliche Hagebutten.
Große Rosensträucher passen nicht überall hin - die schöne Herbstzier tragen aber auch Kleinstrauchrosen. Witt empfiehlt etwa die Sorten 'Juanito' sowie 'Snow Star'. 'Robe Fleurie' und 'Red Ballerina' blühten durchgehend von Juni bis zum Frost. Die Sorte 'Lupo' mache sich besonders gut auf Balkonen.
Neben ihrem zierenden Effekt im herbstlichen Garten haben Hagebutten einen besonderen Reiz für Kinder. Aus ihnen lässt sich Juckpulver für Streiche herstellen. Auch kann man aus ihnen hübsche Ketten machen oder in Kombination mit Kastanien Männchen basteln. Haltbar werden die Früchte, wenn man sie bei schwacher Hitze ein paar Stunden im Ofen trocknet.

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