. Ehe sich Hans-Jürgen Boysen in den sonntäglichen Feierabend verabschiedete, ist der Trainer des FSV Frankfurt tatsächlich gefragt worden, ob er Sascha Mölders jetzt noch mehr vermisse als vorher. Mölders, inzwischen eine Klasse höher in Augsburg auf anfangs sehr, zuletzt weniger erfolgreichen Torejagd, saß beim 1:1 (0:0) seines alten Klubs aus Frankfurt gegen Erzgebirge Aue als interessierter Zuschauer auf der Tribüne, und unten auf dem Feld mühten sich seine Nachfolger vergebens und verzweifelt darum, zumindest mal ein Tor mehr zu erzielen als der Gast aus Aue. Möglichkeiten gab es zuhauf, doch gelingen sollte es, wie sich am Ergebnis trefflich ablesen lässt, nicht.
Doch Boysen ließ den Fragesteller achselzuckend abblitzen: „Eigentlich müssten wir vier Punkte und sechs Tore mehr haben, dann würde kein Hahn mehr danach krähen.“ Nicht nach Mölders oder den ebenfalls anwesenden Jürgen Gjasula oder sonst irgendeinen Ex-Schwarzblauen. Nur das Wörtchen eigentlich störte doch sehr.
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Der stark aufspielende FSV, da gab es keine zwei Meinungen, hat an diesem schwülwarmen Nachmittag vor 3631 Zuschauern am Bornheimer Hang nicht einen Punkt gewonnen, sondern zwei verloren. Allein die statistischen Erhebungen zu dieser rassigen und unterhaltsamen Zweitligabegegnung sprechen eine klare Sprache, die keinen Raum für Interpretationen lässt: Demnach hatte der FSV eine Ballbesitzquote von fast schon unglaublichen 70 Prozent, er gab 27 Schüsse ab und konnte 88 Prozent seiner Pässe zum eigenen Mann bringen. Das sind beeindruckende Zahlen. „Das war eine harmonische und abgestimmte Leistung“, sagte Boysen. „Sonst kommt eine solche Statistik nicht zustande.“
Nur die Chancenverwertung war mal wieder mangelhaft, wie schon so oft in dieser Saison. Die Bornheimer schafften es dieses Mal sogar, viermal den Ball an Pfosten oder Latte zu jagen. „Wir hatten“, sollte Aues Trainer Rico Schmitt rekapitulieren, „das Aluminium auf unserer Seite.“ Und so ein bisschen vielleicht auch den Fußballgott. Boysen wollte seinem Ensemble am Sonntag gar keine großen Vorwürfe machen. „Wenn du viermal Aluminium triffst, ist das nicht Unvermögen, sondern Pech.“ Und doch weiß der 54-Jährige: „Wir müssen einfach mehr Kapital aus unseren Möglichkeiten schlagen.“ Die Fahrkarten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison.
„Wenn Marc Stollenschuhe angehabt hätte, hätten wir 1:0 gewonnen“,
Gegen das Team aus dem Erzgebirge ließen die lauf- und spielfreudigen Hessen gleich fünf, sechs hochkarätige Gelegenheiten aus, der starke Mario Fillinger (3.) und der nicht minder gute Yannick Stark (3., 13.) trafen das Gebälk, Fillinger (18.,20.) scheiterte zweimal frei stehend vor dem überragenden Gäste-Keeper Martin Männel, Karim Benyamina legte sich den Ball völlig alleine zu weit vor (39.) und schließlich zimmerte Spielmacher Zafer Yelen den Ball per Freistoß aus 17 Metern ausnahmsweise mal ans Lattenkreuz (82.).
Da stand es schon 1:1, weil Enrico Kern nach einem Fehlpass von Gledson und einem Ausrutscher von Marc Heitmeier aus heiterem Himmel die Auer Führung erzielte (48.) und Fillinger mit einem fulminanten Rechtsschuss ausglich (54.). Boysen kommentierte Heitmeiers Missgeschick süffisant: „Wenn er Stollenschuhe angehabt hätte, hätten wir 1:0 gewonnen.“ So konstatierte der Fußballlehrer leicht geknickt: „Unsere Punktausbeute schmeckt mir nicht.“ Elf Zähler (statt sieben) nach sieben Spielen wären für den FSV locker drin gewesen.
Das Positive für den FSV: Er war in sechs der sieben Begegnungen mindestens ebenbürtig (dummerweise nur in der prestigeträchtigen Begegnung gegen die Eintracht nicht), das Team wächst so langsam zusammen. Und die Mannschaft erarbeitet sich immer wieder gute Torchancen. „Es ist eine Frage der Zeit, bis wir uns belohnen“, sagte Mittelfeldabräumer Stark und verabschiedete sich trocken: „Na ja, was soll’s. Es geht weiter.“
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