Piraten-Partei
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22. August 2012

Johannes Ponader: Ober-Pirat auf Spendenbasis

 Von Thorsten Knuf
Johannes Ponader,Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei  

Bis vor Kurzem lebte der Politische Geschäftsführer der Piraten Johannes Ponader von Hartz IV. Jetzt rufen einige seiner Kollegen zu Spenden auf, das gefällt aber nicht allen bei den Piraten.

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Bis vor Kurzem lebte der Politische Geschäftsführer der Piraten Johannes Ponader von Hartz IV. Jetzt rufen einige seiner Kollegen zu Spenden auf, das gefällt aber nicht allen bei den Piraten.

Johannes Ponader ist ein vielseitiger Mensch. Von Beruf ist der 35-Jährige nach eigenem Bekunden Autor, Regisseur, freier Schauspieler, Spielpädagoge sowie Dozent in den Bereichen Schauspieltraining und Selbsterfahrung. Er lebe „polyamant und vegan“, sagt Ponader, also in wechselnden Beziehungen und unter Verzicht auf tierische Produkte.

Ponader hat auch ein Ehrenamt inne, und zwar kein geringes: Er fungiert als Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei. 60 bis 70 Stunden wendet er dafür pro Woche auf. Ohne Bezahlung, alles für die gute Sache. Bis vor kurzem lebte er von Hartz IV.

Es geht ums Prinzip

Nun ist in der Partei eine heftige Debatte über den Geschäftsführer entbrannt. Es geht ums Geld, aber auch ums Prinzip. Mehrere Piraten rufen zu Spenden auf, damit Ponader seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Das gefällt nicht allen in der Partei.

Ponaders Unterstützer wollen dem Geschäftsführer ein monatliches Grundeinkommen von 1000 Euro zur Verfügung stellen. Das ist der Betrag, den er zuletzt vom Jobcenter erhielt. Ponader will aber kein Geld mehr vom Staat annehmen, weil er sich gegängelt fühlt. Im Juli lieferte er sich eine offene Auseinandersetzung mit der Bundesagentur für Arbeit und deren Vorstandsmitglied Heinrich Alt.

Nichts für Lebenskünstler

Der sagte damals, dass Sozialleistungen für Bedürftige gedacht seien und „nicht für junge Lebenskünstler mit 1,0-Abitur und Studium“. Wenn alle so dächten wie Ponader, dann „würde das unser Sozialsystem in den Ruin treiben“.

Also wollen nun andere Piraten einspringen. Bis Dienstagnachmittag gab es Spendenzusagen in Höhe von 563,37 Euro. Die Unterstützer Ponaders begründen ihr Vorgehen damit, dass in Presse und Talkshows derzeit mehr die persönlichen Lebensumstände des Geschäftsführers Beachtung fänden als die Themen, die die Piraten bewegen.

„Wir wollen Johannes hören, wenn er gewohnt locker, sachlich und ruhig piratige Positionen zu Grundeinkommen, Urheberrecht und Demokratieverständnis vertritt“, heißt es. Ponader findet die Aktion gut. Er verspricht, auch weiterhin außerhalb der Partei Gelegenheitsjobs nachzugehen und das neue Sockel-Einkommen so wenig wie möglich in Anspruch zu nehmen.

"Kein Ponader-Hilfs-Verein"

Viele in der Partei jedoch sind entsetzt und dreschen im Internet auf Ponader und seine Unterstützer ein. Man sei „kein Ponader-Hilfs-Verein“, echauffiert sich ein Diskutant. Die beiden Vorsitzenden der Jungen Piraten sprechen sogar von einem „untragbaren Verhalten“ und einem Privileg, in dessen Genuss Ponader nun komme. Das habe nichts mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zu tun, für das die Partei eintrete.

Weiter heißt es, die interne Diskussion über die Bezahlung von Vorständen erscheine jetzt in einem ganz neuen Licht. Bislang arbeitet das Führungspersonal der Piratenpartei ohne Vergütung. Ein anderer Kritiker hat für Ponader einen Tipp parat, wie er die ganze Diskussion beenden kann: „Arbeite doch bei McDonald’s, du erwürgst die Partei mit deinem Quatsch.“

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