Marina Weisband gehört zu den klügsten Köpfen in den Reihen der Piratenpartei. Die 25-jährige Münsteranerin ist ein politisches Talent. Sie versteht nicht nur, sich und ihre Inhalte in Szene zu setzen, sondern macht sich auch kluge Gedanken über die Inhalte der Parteiarbeit. Gerade steckt sie in einer Auseinandersetzung mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel, die zeigt, wie die Piraten anderen Parteien allmählich ähnlicher werden.
Vor Kurzem fragte Weisband im Kurznachrichtendienst Twitter, wie sich ihre Parteifreunde auf den nahenden Parteitag in Bochum vorbereiten. Immerhin gilt es mehr als 500 Anträge zu studieren, zu sortieren und auszuwerten. Eine Frage von Gewicht, schließlich darf anders als bei den etablierten Parteien jedes Mitglied am Parteitag mitdiskutieren. Für eine sinnvolle Debatte ist es unabdingbar, sich einen Überblick über die Anträge zu verschaffen und Wichtiges von weniger Wichtigem zu trennen.
Viele Antworten auf ihren Tweet hat Weisband, bis April politische Geschäftsführerin der Piraten, nicht erhalten. Stattdessen beschäftigt sich ihre Partei einmal mehr mit Köpfen, in diesem Fall mit Weisbands Kopf. Denn Der Spiegel hatte in dem Artikel „Die gute Fee“ berichtet, dass die Rufe nach einer Rückkehr der 25-Jährigen in den Vorstand lauter werden. Das Magazin zitierte zwei Landesvorsitzende mit dieser Forderung. Weisband selbst sagte demnach, es wäre für die Partei wohl das Beste, wenn sie wieder antreten würde, auch wenn sie selbst zögere.
So viel Machtbewusstsein ist selten in der Partei. Sofort ging das Gezwitscher los. Einige Piraten jubelten und trugen Weisband an, auf Listenplatz 1 in Nordrhein-Westfalen zur Bundestagswahl anzutreten, „weil du es kannst“. Andere fragten, ob sie sich tatsächlich erneut an die Spitze der Bekloppten stellen wolle. Wieder andere reagierten genervt, dass sich da ein Kopf in den Vordergrund dränge. „Marina Weinbrand“, twitterte der Berliner Pirat Christopher Lauer − ein Beleg, wie sehr sich die Piraten im Umgang den etablierten Parteien nähern.
Weisband indes reagierte ungewöhnlich deutlich. Sie warf der Spiegel-Redakteurin öffentlich vor, ihre Zitate „zerstückelt und zusammengefügt“ zu haben. Solche Artikel seien genau der Grund, warum sie mit der Politik aufhören wolle. Sie habe in dem Gespräch mit der Journalistin erklärt, dass sie gerade nicht zurückwolle in die Politik.
Viele Piraten solidarisierten sich daraufhin sofort mit Weisband. Schließlich fühlen sich inzwischen sehr viele schlecht behandelt von den Medien, von denen sie einst so bejubelt wurden − da geht es den Piraten nicht anders als Union, FDP, SPD, Grünen und Linken.
Dass die Spiegel-Kollegin Weisbands Behauptungen widersprach, gilt ihnen nur als weiterer Beleg für diesen Eindruck. Weisband möge sich bitte, bitte nicht von diesen Erfahrungen abschrecken lassen, twitterten einige. Sie solle antreten. Das, so schreibt ein anderer User amüsiert, „war ja ziemlich offensichtlich ihr ursprüngliches Ziel“
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