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Umweltminister Sander: „Alternative Zwischenlager sollten wir prüfen“

Niedersachsens FDP-Umweltminister Hans-Heinrich Sander spricht im FR-Interview über die Lehren aus dem Castor-Transport. Er hält es für sinnvoll, alternative Zwischenlager für Castoren anstelle von Gorleben zu prüfen.

Hans-Heinrich Sander (FDP) ist seit 2003 niedersächsischer Umweltminister.
Hans-Heinrich Sander (FDP) ist seit 2003 niedersächsischer Umweltminister.
Foto: dapd

Herr Minister Sander, der bisher schwierigste Castor-Transport ist zu Ende. Was muss geschehen, damit dieser Großkonflikt entschärft wird?

Es gibt kein Patentrezept. Das Problem ist: Der Transport wurde ja auch genutzt, um gegen die Atomkraft an sich zu demonstrieren. Die hätte es selbst nach dem alten Atomkonsens noch mehr als zehn Jahre gegeben.

Greenpeace hat vorgeschlagen, die aus La Hague und Sellafield kommenden Castor-Behälter künftig an den vorhandenen Zwischenlagern in süddeutschen AKW-Standorten unterzubringen. Ein Weg zur Deeskalation?

Zwar wäre das eine Möglichkeit, die man durchaus prüfen sollte. Der Protest wäre bestimmt weit geringer. Das würde Niedersachsen entlasten, das mit den Castor-Spektakeln eine ungeheure Last zu tragen hat. Allerdings muss klar sein: Eine dauerhafte Lösung für das Atommüll-Problem wäre das aber nicht. Wir müssen mit Hochdruck klären, ob der Gorleben-Salzstock für das Endlager geeignet ist oder nicht.

Gorleben ist doch praktisch ein „verbrannter“ Standort. Müssten nicht doch Alternativen gesucht werden?

Zur Person

Hans-Heinrich Sander (FDP) ist seit 2003 niedersächsischer Umweltminister. Der Befürworter der AKW-Laufzeitverlängerung war früher Lehrer und Schul-Rektor.

Er ist Mitglied im Naturschutzbund (Nabu) und im Niedersächsischen Landvolk.

Er scheut sich nicht vor spektakulären Aktionen: So sägte er 2006 Bäume im Biosphärenreservat „Niedersächsische Elbtalaue“ ab. (fr)

Nein, erst brauchen wir Klarheit über Gorleben. Der dortige Salzstock ist nun schon 30 Jahre lang intensiv und für rund 1,6 Milliarden Euro erforscht worden. Es macht daher keinen Sinn, in eine zweite Standortsuche einzutreten. Ein langes Hin und Her ist unseren Bürgern nicht mehr zuzumuten. Wir brauchen zügig Gewissheit, ob Gorleben etwas taugt oder nicht. Die Erkundung kann in sieben Jahren abgeschlossen sein, die Schlussbewertung braucht weitere drei. Etwa 2020 wissen wir Bescheid.

Wie wollen Sie denn erreichen, dass die weitere Erkundung in der Region akzeptiert wird?

Wir müssen aus den Fehlern der Vergangenheit bei der Erkundung des Endlager-Standorts lernen. Wir brauchen für die weiteren Schritte ein völlig transparentes Verfahren, eine Art „gläsernes Bergwerk“. Ich schlage vor, eine Begleitgruppe einzurichten, in der auch die Pro- und Kontra-Bürgerinitiativen und Wissenschafter vertreten sind.

Warum führen Sie die Erkundung nicht einfach nach den Vorschriften des Atomrechts durch? Dann ist eine Öffentlichkeitsbeteiligung zwingend.

Das geht gar nicht. Die Sache ist vom Bundesverwaltungsgericht abschließend geklärt worden. Solange es rein um geologische Fragen geht, ist Bergrecht anzuwenden. Erst wenn die Eignung erwiesen wäre, würde es nach Atomrecht weitergehen.

Und was, wenn Gorleben nicht geeignet ist?

Dann muss eine neue Suche beginnen – und zwar in allen Bundesländern, in denen es geologisch geeignete Standorte gibt. Also auch in Bayern und Baden-Württemberg – nicht nur in Niedersachsen. Denn fest steht, dass für die Entsorgung der Bund zuständig ist, nicht Niedersachsen.

Bundesumweltminister Röttgen hat nun angekündigt, Gorleben zu besuchen.

Ja, der Dialogprozess mit der Region muss jetzt endlich in Gang gesetzt werden, dazu habe ich Bundesumweltminister Röttgen mehrmals dringlich aufgefordert. Besser wäre es gewesen, wenn er das Konzept zur Öffentlichkeitsbeteiligung für die Gorleben-Weitererkundung schon im Sommer vorgestellt hätte. Ich bin sicher: Das hätte viel Druck aus dem Kessel genommen. Ich hoffe, dass der Besuch nun zeitnah erfolgt.

Interview: Joachim Wille

Bilanz Gorleben 2010

Längster Castor-Transport aller Zeiten: Als die elf Atommüll-Behälter aus der Wiederaufarbeitung deutscher Reaktorbrennstäbe im französischen La Hague am Dienstag ankamen, hatten sie eine gut eintägige Verspätung. Insgesamt dauerte der Transport über die 1000 Kilometer lange Strecke rund 92 Stunden – die längste Castor-Fahrt überhaupt.

Datum:  9 | 11 | 2010
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