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"Bombodrom": Die Luftnummer

Um das "Bombodrom" im Norden Brandenburgs wird schon wieder prozessiert - ein Ende ist nicht abzusehen.

Klarer Blick. Klare Botschaft.
Klarer Blick. Klare Botschaft.
Foto: ddp

Das muss man der Bundeswehr lassen: So schnell gibt sie einen Kampf nicht verloren. Seit 15 Jahren prozessiert die Truppe gegen eine wachsende Zahl von Bürgern an, um im Norden Brandenburgs endlich den Bombenkrieg üben zu dürfen. Rund zwei Dutzend Urteile sind bereits ergangen, aber im "Bombodrom" in der Kyritzer Heide herrscht weiter Ruhe. Am Donnerstag saßen sich die Kombattanten mal wieder gegenüber, diesmal im überfüllten Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Egal, wie dessen Urteil lauten mag - es wird wohl nicht das letzte gewesen sein.

Die aktuellen Gegner der Bundeswehr sind ein Hotelier, ein Putenzüchter und die Gemeinde Lärz, Landkreis Müritz, mit 558 Einwohnern. In drei Musterklagen hatten sie sich 2007 gegen die Betriebserlaubnis für den größten Bombenabwurfplatz Deutschlands gewandt und vom Verwaltungsgericht Potsdam Recht bekommen. Die Richter rügten, die Truppe habe die drohende Lärmbelästigung fehlerhaft ermittelt. Die Landesverteidiger sahen das naturgemäß anders und bemühten die nächste Instanz.

1700 Tiefflüge im Jahr

In Berlin wurden nun am Donnerstag sattsam bekannte Argumente erneut ausgetauscht. Der Anwalt des Verteidigungsministeriums, Thomas Kunze, rechnete vor, angesichts von geplanten 1700 Tiefflügen im Jahr könne man nur von einer "bescheidenen fliegerischen Nutzung" reden. Auch gefährdeten die Tornados, die rund 150 Meter über der Heide rasend ihre Treffsicherheit testen sollen, nicht die Gesundheit der Branden- und Mecklenburger.

Der Vertreter der Bürgerinitiativen, Reiner Geulen, versteht dagegen nicht, wieso die Bundeswehr im Jahr 2009 überhaupt noch einen 12 000 Hektar großen Luft-Boden-Schießplatz benötigt. Seit 15 Jahren werde weltweit immer seltener mit "dummen Bomben" geübt. Längst operierten High-Tech-Armeen mit Lenkraketen aus großer Höhe. Es sei merkwürdig, dass die Bundeswehr ihre Übungen in der Ödnis Kanadas fast eingestellt habe, aber unbedingt weiter in der Kyritzer Heide mit ihren nahen Naturschutzgebieten bomben wolle. "Das Militär", ächzt Geulen, "ist unbelehrbar."

Hilfe versprechen sich die Gegner des Bombodroms von der Politik. Am heutigen Freitag wollen sie sich mit SPD-Generalsekretär Hubertus Heil treffen. Dessen Partei hat sich inzwischen auch für eine "friedliche Nutzung" der Heide ausgesprochen - mit Linken und Grünen gäbe es somit eine theoretische Mehrheit im Bundestag.

Auch die Ministerpräsidenten von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bemühten sich unlängst, auf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einzuwirken. Die aber wollte nicht reden, sondern erst das Ende des Rechtsstreits abwarten. Das kann dauern.

Autor:  JÖRG SCHINDLER
Datum:  27 | 3 | 2009
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