Herr Röttgen, warum wollen Sie Chef der NRW-CDU werden?
Ich kandidiere, weil ich meiner Landespartei in einer schwierigen Situation Führung und Orientierung geben möchte. Ich möchte einen Prozess organisieren, der die NRW-CDU wieder zu einem Ort lebendiger Diskussionen über Grundlagen unserer Politik macht, von der Initiativen und Anstöße ausgehen, die über die Landesgrenzen hinweg wirken. Ich möchte damit neues Selbstbewusstsein und neue Schlagkraft vermitteln.
Wie soll das geschehen?
Die Parteien, auch die CDU, befinden sich in einer kritischen Lage. Gleichzeitig leben wir in einer hochpolitischen Zeit, weil wir wichtige Weichen für die Zukunft stellen müssen. Darum kommt es auf die Fähigkeit der Parteien an, geistige Orientierung anzubieten und der Gesellschaft Halt und Perspektive zu geben. Das erfordert Diskussion. Deshalb steht im Zentrum meines Programms, die CDU wieder zu einem Ort der Diskussion über Politik zu machen. Die Partei muss wieder politischer werden.
Für mehr mehr Diskussionen können Sie doch auch im CDU-Bundesvorstand oder als Bundesminister sorgen ...
Es geht um das Selbstverständnis des größten Landesverbandes der CDU. Wir brauchen wieder mehr Willensbildung in der Partei, wieder mehr Wert- und Grundlagenvermittlung von politischen Entscheidungen. Darin würde ich als Landesvorsitzender meine Aufgabe sehen. Wenn Parteien sich darin erschöpfen, nach Macht zu suchen, dann erfüllen sie nicht ihre erste Bringschuld, Menschen Antworten auf ihre Ängste und Unsicherheiten zu geben.
Wertebasis für CDU-Politik ist das christliche Menschenbild. Was heißt das konkret?
Es bedeutet, dass das Wohl des Einzelnen, aber auch die Chancen künftiger Generationen im Zentrum unserer Wirtschaftsweise stehen muss. Wir können eine Wirtschaftsweise, die auf schonungslosen Ressourcenverbrauch setzt, nicht endlos weiter fortsetzen, wenn wir auch in Zukunft breiten Wohlstand in Deutschland haben wollen. Wir müssen Politik mit den Augen unserer Kinder machen. Wirtschaftliche Modernisierung und christliches Wertedenken fließen ineinander.
Die CDU hat die Wahl verloren, weil Stammwähler zu Hause geblieben sind. Wie wollen Sie die zurückgewinnen?
Ich glaube dass wir Wähler nur dadurch gewinnen, dass wir den Menschen vermitteln, dass wir in der Lage sind, ihre Probleme auf der Grundlage von Werten zu lösen. Wenn wir den Menschen als Machttaktiker begegnen, wenden sie sich ab. Das würde ich nicht auf ein Gruppe von Wählern reduzieren.
Haben die CDU-Mitglieder eigentlich eine echte Wahl? Sie und Herr Laschet vertretend doch das gleiche Spektrum der CDU?
Sicher gibt es viele Gemeinsamkeiten, wir haben aber in den letzten Jahren unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Armin Laschet in der Gesellschafts- und Integrationspolitik, ich in Fragen der Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik, der Globalisierung, der Umwelt- und Energiepolitik.
Die Mehrheit der Bezirksvorsitzenden ist für eine Landeslösung im Vorsitz ...
Alle meine Bezirkskollegen begrüßen, dass es zu einer Mitgliederentscheidung kommen wird. Dass der Landesvorsitzende in der Landespolitik präsent sein muss, ist selbstverständlich. Das werde ich auch sein. Ich glaube aber, dass es viele Vorteile bietet, wenn wir neben einer parlamentarischen Spitze im Landtag auch einen Landesvorsitzenden haben, der die Verantwortung der NRW-CDU auf der Bundesebene deutlich macht. Die Trennung von Landes- und Bundespolitik ist künstlich.
Sie haben kein Landtagsmandat, können also im Landtag nicht mit der Ministerpräsidentin streiten. Ein Nachteil?
Ich glaube, dass wir in NRW nur als Mannschaft erfolgreich sein werden und nicht mit Einzelkämpfer-Veranstaltungen. Ich bin überzeugt davon, dass wir unter meinem Vorsitz in kürzester Zeit eine überzeugende Mannschaft sein werden.
Interview: Günther M. Wiedemann
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