kalaydo.de Anzeigen

Interview mit Abel Barrera Hernández: „Der Staat hat abgedankt“

Amnesty-Menschenrechtspreis: Abel Barrera Hernández setzt sich für die Rechte der mexikanischen Ureinwohner ein. Im FR-Interview erklärt er, wie der Staat ihre Lage noch verschlimmert.

Abel Barrera Hernández setzt sich für die Rechte mexikanischer Ureinwohner ein.
Abel Barrera Hernández setzt sich für die Rechte mexikanischer Ureinwohner ein.
Foto: Ricardo Ramirez Arriola

Herr Barrera, was ist die Aufgabe des Menschenrechtszentrums Tlachinollan?

Das Unsichtbare sichtbar zu machen. Wir kümmern uns um diejenigen, die in Vergessenheit leben. In einer Region, die zu den ärmsten Mexikos gehört, verhelfen wir den Ureinwohnern in den Bergen von Guerrero zu ihrem Recht.

zur person

Abel Barrera Hernández stammt aus dem mexikanischen Tlapa (Bundesstaat Guerrero) und ist Gründer und Chef des Menschenrechtszentrums Tlachinollan.

Der heute 50-Jährige absolvierte eine Priester-Ausbildung, beschäftigte sich mit der Befreiungstheologie und studierte schließlich Anthropologie. keh

Was sind die besonderen Probleme, denen sich die Ureinwohner hier gegenübersehen?

Hier zu leben, heißt krank geboren zu werden, mit Hunger und in der Dunkelheit zu leben, die der Analphabetismus bedeutet. Darum ringen wir mit den Behörden um Lehrer, Ärzte, Nahrungsmittel. Auch die Justiz ist unerreichbar für die indigenen Völker. Sie müssen drei Stunden aus den Bergen kommen, sie müssen Spanisch sprechen, was nur wenige können, sie brauchen einen Anwalt, den sie nicht bezahlen können. Wir eröffnen ihnen Zugang zur Justiz, stellen Übersetzer.

Aufgaben, die eigentlich dem Staat zufallen …

Der Staat hat abgedankt. Das Vakuum müssen wir füllen. Tlachinollan ist längst mehr als eine Organisation, die Menschenrechte schützt. Wir sind Vermittler zwischen Bürgern, die beim Staat mit ihren Anliegen kein Gehör finden.

Aber der Staat tritt zudem auch noch als Aggressor auf.

Der Krieg gegen die Drogenbanden ist ein Krieg gegen die Armen geworden. Und in dem Kontext hat sich die Region militarisiert – vor allem die Indigenen sind Folter, Verschleppungen und Hausdurchsuchungen ausgesetzt. Armut wird zum Straftatbestand. Wir Menschenrechtsverteidiger sind unerwünschte Personen für die Regierung, weil wir angesichts der Missstände die Stimme erheben. Dafür werden wir als Handlanger der Drogenbanden beschimpft. Aber wir haben in 17 Jahren gezeigt, dass wir nur den Ureinwohnern verpflichtet sind.

Also ist das Verhältnis zu den Behörden schlecht?

Sagen wir, es ist kompliziert. Wir sind ein unangenehmer Akteur. Aber wir haben bewiesen, dass eine Nichtregierungsorganisation den Menschen helfen kann, ohne dass sie dafür bezahlen oder gar ein Schmiergeld auf den Tisch legen müssen. Wir haben soziales und ethisches Kapital, das uns auf nationaler und regionaler Ebene Respekt einbringt.

Was bedeutet für Sie der Menschenrechtspreis von Amnesty International?

Mir ist es fast ein bisschen unangenehm. Die wahren Helden sind die vergessenen Menschen, für die wir uns einsetzen. Diejenigen, die Drohungen und Missbrauch ausgesetzt sind, die auf dem Boden schlafen und hungern müssen. Diejenigen, deren Leben oft an einem dünnen Faden hängt. Mit ihnen möchte ich den Preis teilen.

Interview: Klaus Ehringfeld

Datum:  18 | 3 | 2011
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Zeitgeschichte

Deutschland 20 Jahre nach der Wiedervereinigung: Die FR beschreibt das Land anhand der Lebensgeschichten ihrer Einwohner.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!