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Machtwechsel in Nordkorea: „Dicker Bär“ fühlt sich übergangen

Diktator-Sohn rügt Machtwechsel: Kaum hat Nordkoreas Diktator Kim Jong Il seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un bei einer pompösen Militärparade als Machterben präsentiert, kritisiert sein Ältester die dynastische Herrschaftsfolge.

Kim Jong Nam, 38, ältester Sohn des „Geliebten Führers“, fiel bei seinem Vater in Ungnade.
Kim Jong Nam, 38, ältester Sohn des „Geliebten Führers“, fiel bei seinem Vater in Ungnade.
Foto: afp
Peking –  

Kaum hat Nordkoreas Diktator Kim Jong Il seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un bei einer pompösen Militärparade als Machterben präsentiert, kritisiert sein Ältester die dynastische Herrschaftsfolge. Kim Jong Nam, der seit Jahren in Peking und Macao lebt, sagte dem japanischen Fernsehsender TV Asahi, er sei persönlich dagegen, dass Nordkorea in dritter Generation von seiner Familie geführt werde.

„Aber ich denke, es gibt einen internen Grund dafür“, erklärte der 38 Jahre alte Enkel von Staatsgründer Kim Il Sung. „Wenn das so ist, müssen wir es wohl befolgen.“ Das Interview wurde am Samstag in Chinas Hauptstadt Peking aufgezeichnet.

Vor rund zwei Wochen war Kim Jong Un in die Parteiführung aufgenommen und zum Vier-Sterne-General ernannt worden. Dies gilt als sicheres Zeichen dafür, dass der durch Krankheit geschwächte 68 Jahre alte Kim Jong Il seinem Sohn den Weg zur Nachfolge ebnet.

Die ungewohnte Kritik gibt Nordkorea-Beobachtern nun Rätsel auf: Will Kim Jong Nam sich öffentlich vom Regime seiner Familie distanzieren – möglicherweise aus Ärger, dass er bei der Erbfolge übergangen wurde? Oder geht nach der Beförderung des schätzungsweise 27-jährigen Kim Jong Un ein tiefer Bruch durch die nordkoreanische Machtelite?

In jedem Fall ist es nicht das erste Mal, dass Kim Jong Nam seinen Vater blamiert. Im Jahr 2001 wurde er am Flughafen in Tokio mit einem gefälschten Pass der Dominikanischen Republik festgenommen. Er habe mit seinem Sohn und zwei Begleiterinnen Disneyland besuchen wollen, gab er zu Protokoll. Bei seinem Vater fiel er daraufhin in Ungnade und wurde in den Folgejahren immer wieder im Ausland gesichtet: ein runder Mann in teurer Designerkleidung, der gut Englisch spricht und mit chinesischem Pass unter dem Namen „Pang Xiong“ reist – „Dicker Bär“.

Sein Hauptwohnsitz scheint die südchinesische Glücksspiel-Hochburg Macao zu sein, wo er eine Villa sowie ein Stadtappartement besitzt und außerdem häufig in Luxushotels übernachtet. Auch in Peking hat er ein Haus. In Japan, Thailand und Europa soll er sich ebenfalls regelmäßig aufhalten.

Das Geld für sein Leben stamme aus Nordkorea, heißt es. Angeblich überweist ihm sein Vater jährlich eine Million US-Dollar. In seinem abgeschotteten und verarmten Heimatland soll Kim Jong Nam zuletzt vor drei Jahren gewesen sein, zum 65. Geburtstag seines Vaters. Dass er seitdem im Exil lebe und nicht mehr nach Hause dürfe, hat er jedoch stets bestritten.

Trotzdem machte er deutlich, dass er keine Absicht habe, nach Nordkorea zurückzukehren. Er hoffe, dass sein jüngerer Halbbruder Kim Jong Un sich Mühe geben werde, das Leben der Nordkoreaner zu verbessern, erklärte er. „Wenn er Hilfe aus dem Ausland braucht, werde ich ihm gerne helfen.“ (mit afp)

Autor:  Bernhard Bartsch
Datum:  12 | 10 | 2010
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