In der Ankündigung Ihres neuen Romans heißt es, dies sei Ihr persönlichstes Buch. Erzählen Sie darin also Ihre Geschichte?
Der Peter, der im Roman spricht, bin nicht ich, Annika ist nicht meine Tochter. Aber es stimmt, es ist ein Thema, das mich selbst jahrelang sehr intensiv beschäftigt hat. Dieses Buch ist für mich der befreiende Abschluss einer langen Entwicklung. Mehr möchte ich zum persönlichen Hintergrund des Romans nicht sagen.
Thomas Hettche erzählt in seinem neuen Roman von einem Vater und seiner Tochter, für die er nicht über das Sorgerecht verfügt. Bei einem Urlaub auf Sylt kommt es zu einer schweren Belastungsprobe der ohnehin fragilen Beziehung. Das Buch „Die Liebe der Väter“ erscheint in zwei Wochen im Verlag Kiepenheuer & Witsch. FR
Väter, die um das Sorgerecht für ihre Kinder kämpfen, hatten in den vergangenen Jahren viel Medienpräsenz durch Demonstrationen und Talkshow-Auftritte. Werden Sie sich da einreihen?
Nein, denn „Die Liebe der Väter“ ist kein Pamphlet, sondern ein Roman. Mir kam es auf das an, was in dem Vater vorgeht, seine Verletzungen und Sehnsüchte. Dazu gehören die atmosphärischen Verdichtungen, dazu gehört die Landschaft, in der die Geschichte spielt. Das Thema ist, wenn Sie so wollen, der sichtbare Teil des Eisbergs. Ich würde mir wünschen, dass die Leser etwas von den verborgenen Lasten spüren.
Als Pamphlet taugt der Roman nicht. Doch liest es sich für eine Frau seltsam, wenn ein Mann findet, es müsste ein neues Wort für Kind geben, das beschreibt, ob der Vater von seinem Nachwuchs spricht oder die Mutter.
Warum? Mir scheint, die Perspektive auf das Verhältnis von Eltern zu ihren Kindern ist in unserer Gesellschaft – verständlicherweise – vor allem eine weibliche. Das erlebt jeder Vater, der in Kontakt mit dem Jugendamt kommt. Und diese Prädominanz zeigt sich auch in dem bisherigen Sorgerecht, das sich ja nun ändern soll.
So poetisch das Buch auch ist, es bezieht Stellung in einer politischen Debatte. Waren Sie sich dessen beim Schreiben bewusst?
Ein wichtiger Schreibanlass war sicherlich die verblüffende und befreiende Erfahrung, dass sehr viele Väter ganz ähnliche Erfahrungen machen und an den immer selben Machtkonstellationen leiden, die bisher juristisch begründet und gesellschaftlich zementiert waren.
Ich als Frau höre oft von Müttern, dass die Väter sich nicht kümmern. Wie werden solche Leserinnen Ihr Buch aufnehmen?
Wie gesagt, „Die Liebe der Väter“ ist kein Pamphlet. Ich denke, jeder, der sich auf diesen Roman einlässt, wird spüren, dass es mir um die ehrliche und durchaus schonungslose Schilderung dessen zu tun ist, was in diesem Vater vorgeht. Natürlich sorgt man sich als Autor darum, wie eine solche Ungeschütztheit aufgenommen wird, aber die ersten Reaktionen gerade von Leserinnen sind eigentlich sehr positiv.
Interview: Cornelia Geißler
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