Khomeini befahl den Abbruch der Beziehungen mit Amerika, doch heute zeigt die zweite Generation der Führer der Islamischen Republik, die Militär- und Geheimdienstkreisen entstammt, ihre Bereitschaft, diese wieder aufzunehmen. Ahmadinedschad, der Barack Obama zu seinem Sieg gratulierte, befürwortet das stärker als jeder bisherige Präsident der Islamischen Republik. Die ideologischen Ziele Khomeinis haben trotz der oft harschen Worte Ahmadinedschads politischem Pragmatismus Platz gemacht.
Pilgerort nahe der Massengräber
Die iranische Führung beansprucht, dass Amerika den Iran als regionale Hegemonialmacht anerkennt. Die Urananreicherung setzt sie fort, um potenziell in der Lage zu sein, die Atombombe zu bauen. Gleichzeitig signalisiert sie ihre Kompromissbereitschaft: in der Haltung zum Friedensprozess im Nahen Osten sowie zur Sicherheitslage im Irak und der erdölreichen Region des Persischen Golfs. Die Kräfte um Ahmadinedschad und den religiösen Führer Khamenei sind bereits drei Mal in Verhandlungen mit Amerika über die Sicherheitslage im Irak getreten, nach Aussage hochrangiger US-Generäle wäre eine Verbesserung der Situation ohne die Hilfe des Iran nicht möglich gewesen. Barack Obama hat seinerseits angekündigt, dass er die Politik des Regime Change von Bush ohne Vorbedingungen ersetzen wird.
30 Jahre nach dem "Flug der Hoffnung" ist das Grabmal Khomeinis gleich neben dem Platz, wo er jene erste Rede hielt, zu einem Pilgerort geworden. Die Massengräber der auf seinen Befehl Hingerichteten befinden sich nur einen Katzensprung entfernt. Mehr als 40 meiner Freunde, die in der Schahzeit die Hafterfahrung teilten und vor 30 Jahren auf den Straßen feierten, warten in den namenlosen Gräbern auf eine Aufarbeitung der Geschichte, die ihnen wohl auf ewig verwehrt bleiben wird.
Aus dem Persischen von Sabine Kalinock
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