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Interview zum Stiftungsboom: „Gut fürs Image“

Eckhard Priller erklärt, was den Stiftungsboom ausgelöst hat und warum Reiche spenden.

        

Eckhard Priller leitet beim Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) die Projektgruppe Zivil-Engagement.
Eckhard Priller leitet beim Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) die Projektgruppe Zivil-Engagement.
Foto: WZB

Spenden Reiche mehr als früher?

Es gibt Anzeichen dafür. Jedes Jahr werden ungefähr 1000 neue Stiftungen gegründet, inzwischen gibt es in Deutschland etwa 17500 solcher Einrichtungen. Weil man bei Stiftungen mindestens 50000 Euro anlegen muss, dürfte das Geld vor allem von Reichen stammen. Es gibt aber auch einige Bürgerstiftungen, bei denen sich mehrere Menschen zusammentun. Oft werden damit lokale Projekte wie Schülernachhilfe unterstützt.

Wie ist der Boom zu erklären?

Das hat mehrere Gründe: Immer mehr Menschen wollen sich mit einer Stiftung selbst verwirklichen. Sie sehen ein Problem und wollen helfen, es zu lindern. Oder sie leben ihre Kunst-Leidenschaft aus. Außerdem ist eine Stiftung gut fürs Image. Dann gibt es noch einen materiellen Grund: Seit 2004 kann man höhere Summen steuerlich geltend machen. Heute kann man bis zu einer Million Euro im Jahr für Stiftungszwecke anrechnen lassen und seine Steuerlast so verringern. Hinzu kommt: Wohlhabende werden sehr oft von Initiativen und Vereinen um Spenden gebeten. Wer eine Stiftung hat, kann sich leichter der Flut von Anfragen erwehren.

Deutsche Milliardäre

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Amerikanische Milliardäre spenden

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Die Reichen sind reicher geworden. Spielt das auch eine Rolle?

Das ist möglich, empirisch nachweisbar ist das aber nicht.

Welche Schattenseite haben Stiftungen?

Bei einer Stiftung entscheidet der Gründer, welchem Zweck sie dient. Oft spielen persönliche Vorlieben oder die persönliche Betroffenheit eine große Rolle. Es gibt zum Beispiel Einrichtungen, die sich der Krebsvorsorge verschrieben haben. Grund ist oft die Erkrankung eines Familienmitglieds. Die Gefahr ist, dass andere Probleme, die vielleicht für die Gesellschaft drängender sind, liegen bleiben. Im kulturellen Bereich können Mäzene das Kunstgeschehen stark prägen: Sie entscheiden, welche Künstler gefördert werden. Sie haben damit auch Einfluss darauf, welche Bilder wir in Museen zu sehen bekommen.

Wäre es besser, wenn die Reichen mehr Steuern zahlen und weniger spenden? Dann könnten gewählte Politiker entscheiden, wofür das Geld ausgegeben wird.

Entscheidend ist die richtige Balance. Stiftungen können keine staatlichen Aufgaben übernehmen, sie können den Staat aber ergänzen. Manchmal sind sie effektiver und können schneller auf Probleme reagieren. In den USA spielen Stiftungen eine viel größere Rolle als in Deutschland, und das kann problematisch werden. Wegen der Finanzkrise können viele Einrichtungen soziale Aufgaben nur noch eingeschränkt übernehmen.

In Deutschland ist vermutlich die Bertelsmann-Stiftung am umstrittensten.

Ja, sie will politisch Einfluss nehmen und vertritt die Position, dass die Gesellschaft wie ein Unternehmen funktionieren soll. Ich finde es richtig, wenn öffentlich diskutiert wird, wie viel Einfluss eine solche private Stiftung nehmen darf.

Welche Projekte fördern Reiche denn besonders gern?

Gut 30 Prozent der Stiftungen dienen sozialen Zwecken. Jeweils 15 Prozent fördern entweder Kunst und Kultur oder Bildungsvorhaben oder Wissenschaft und Forschung. Umweltstiftungen machen nur vier Prozent aus.

Interview: Eva Roth

Datum:  6 | 8 | 2010
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