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Volker Kauder im FR-Interview: „Kinder wollen keine homosexuellen Eltern“

Der CDU Fraktionsvorsitzende Volker Kauder spricht im FR-Interview über Präimplantationsdiagnostik, glückliche Familien und darüber, ob seine Partei heute noch christlich genug ist.

Kauder ist nicht nur Fraktionsvorsitzender, sondern auch Bier-Botschafter.
Kauder ist nicht nur Fraktionsvorsitzender, sondern auch Bier-Botschafter.
Foto: dpa

Herr Kauder, die Unionsfraktion hatte neulich eine Weihnachtsfeier, die nicht so genannt werden durfte.

Sie meinen unsere vorweihnachtliche Feier.

Zur Person

Volker Kauder, 61, ist seit November 2005 Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. Abgeordneter im Parlament ist der studierte Jurist seit 1990.
Von 2002 bis 2005 war Kauder 1. Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, von Januar bis Dezember 2005 war er Generalsekretär der CDU.
Der Baden-Württemberger hat als
Generalsekretär der Südwest-CDU (1991–2005) auch Wahlkämpfe für den damaligen Spitzenkandidaten Erwin Teufel organisiert.
Sich selbst bezeichnet Kauder als einen „eher Konservativen“. Er betont immer wieder, dass sich die Union vom „christlichen Menschenbild“ leiten lasse. FR
















Warum diese feine Unterscheidung?

Weihnachten beginnt mit Heiligabend. Alles was davor liegt, ist vorweihnachtlich.

Schärft die Union so ihr C-Profil?

Erst einmal schärfen wir unsere sprachliche Präzision. Wir hatten übrigens auch schon eine Diskussion darüber, welche Lieder bei einer solchen Feier gesungen werden können. Katrin Göring-Eckardt von den Grünen hat uns darauf hingewiesen, dass „O du fröhliche“ ein klassisches Weihnachtslied ist. Das stimmt. Deswegen haben wir dieses Jahr „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ gesungen. Und dann hat noch Chris de Burgh für uns gesungen. Unentgeltlich, übrigens.

Chris de Burgh in der Unionsfraktion. Stephanie zu Guttenberg und Kerner in Afghanistan. Die Union hat etwas übrig für Inszenierung.

Ich finde es völlig in Ordnung, dass der Verteidigungsminister seine Frau nach Afghanistan mitgenommen hat. Sie interessiert sich dafür. Und für die Soldaten war es ein besonderes Zeichen. Journalisten begleiten unsere Minister ohnehin immer.

Nehmen Sie künftig Ihre Frau mit zu Koalitionsrunden, wenn sie sich dafür interessiert?

Nein. Aber bei Veranstaltungen im Wahlkreis wird schon zur Kenntnis genommen, wenn der Ehepartner dabei ist. Unglaublich niveaulos war die Einlassung von SPD-Chef Sigmar Gabriel, der die Frau des Ministers auf eine Stufe mit Frau Katzenberger gestellt hat. Wie tief muss man noch sinken?

Macht Sie der FDP-Streit um Westerwelle auch sprachlos?

Ich würde raten: Bleibt geschlossen. Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um beim Wähler akzeptiert zu werden.

Reden wir über die Union. Die Forderung nach einem Verbot der Präimplantationsdiagnostik, der Gendiagnose bei künstlichen Befruchtungen, sollte die CDU ihrer selbst sicherer machen. Der Parteitag zeigte: Befürworter und Gegner halten sich die Waage. Waren Sie überrascht?

Das hatte ich erwartet. Auch in der evangelischen Kirche gibt es noch keine endgültige Festlegung. Warum sollte das in unserer Partei anders sein?

Es ist also doch kein Thema, mit dem man das christliche Profil der CDU schärfen kann?

Alle in der CDU messen dem Lebensschutz, wie es das christliche Menschenbild nahelegt, einen hohen Stellenwert zu. Aber auf dieser Basis können Christen in solchen Fragen dennoch zu unterschiedlichen Auffassungen kommen. Ich habe eine klare Position: Ich halte die PID mit dem Schutz des Lebens für nicht vereinbar.

Muss man dann nicht auch die Pränataldiagnostik, also die Gendiagnose bei Embryos, verbieten?

Da gibt es qualitative Unterschiede. Die PID öffnet die Tür für die Versuchung zur Selektion und Manipulation von Leben. Meine Erfahrung ist, dass alles, was möglich ist, gemacht wird. Dass es also nicht bei der Feststellung von Erbkrankheiten bleibt. Was ist denn, wenn eine Frau sagt, sie hätte nach drei Söhnen doch gerne eine Tochter?

Bei einem PID-Verbot werden die Betroffenen ins Ausland gedrängt.

Das ist kein Argument, das zieht. Wir haben für unsere Position einzutreten. Ich mache mir schon Sorgen, wie heute über Leben verfügt wird. Außerdem gibt es keinen Anspruch auf ein Kind. Das muss akzeptiert werden, auch wenn dies für die Betroffenen sehr schwer ist.

Wir dachten, die Union wäre so sehr für die glückliche Familie?

Stimmt. Aber zuerst muss die Frage nach dem Kindeswohl gestellt werden. Es kommt nicht so sehr darauf an, ob die Erwachsenen als glückliche Familie leben wollen. Ich glaube nicht, dass sich Kinder wünschen, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsen.

Noch ein emotionales Thema: Stuttgart 21. Sie haben gesagt, Gewinner ist die Demokratie. Was heißt das?

Das bedeutet, dass demokratische Entscheidungen, die durch Gerichte bestätigt wurden, jetzt umgesetzt werden. Wir haben aber auch gelernt, dass Politik und Bauherren Projekte nicht nur beschließen, sondern auch bis zur Fertigstellung immer wieder erklären müssen. Es muss neue Formen der Rückkoppelung geben.

Bedeutet es auch, dass Sie für Volksentscheide sind?

Nein. Gerade komplexe Sachverhalte eignen sich nicht für Bürgerentscheide. Schauen Sie sich die Schweiz an: Da gibt es Entscheide über den Rausschmiss von Asylbewerbern. Das kann man doch Deutschland gar nicht wünschen. Im Übrigen haben wir Mitentscheidungsmöglichkeiten auf Kommunal- und Landesebene.

Sollte man nicht zu Themen wie der Standortsuche für ein Atommüll-Endlager die Bürger befragen?

Wen soll man da entscheiden lassen? Bei nationalen Aufgaben könnte man aber auch nicht nur die unmittelbar Betroffenen befragen.

Wenn wir schon über Demokratie reden: Können Sie begründen, warum künftig alle Bürgerinitiativen ihre Extremismusferne belegen müssen?

Von allen Bürgerinitiativen kann kaum die Rede sein. Die Familienministerin fordert eine belegbare Distanzierung nach meinen Informationen nur, wenn Gruppen Geld aus einem Anti-Extremismus-Programm in Anspruch nehmen.

Befürchten Sie nicht, dass bürgerschaftliches Engagement behindert wird, wenn die betroffenen Gruppen unter einen Generalverdacht gestellt werden?

Rechtsextremismus darf nicht durch Linksextremismus bekämpft werden. Extremismus sollte generell keine Chance haben.

Interview: Katja Tichomirowa und Daniela Vates

Datum:  19 | 12 | 2010
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