Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

26. Januar 2013

„Netzwerk Nationales Naturerbe“: Wildes Deutschland

 Von 
Natur pur: das Naturschutzgebiet Herbslebener Teiche. Foto: imago

Im „Netzwerk Nationales Naturerbe“ setzen sich unterschiedliche Umweltorganisationen dafür ein, in der Bundesrepublik mehr Wildnis-Gebiete zu schaffen - auf zwei Prozent des Bundesgebietes soll sich die Natur ungestört entwickeln. Die bisher zersplitterte Naturschutz-Bewegung will ihre Kräfte bündeln.

Drucken per Mail

Im „Netzwerk Nationales Naturerbe“ setzen sich unterschiedliche Umweltorganisationen dafür ein, in der Bundesrepublik mehr Wildnis-Gebiete zu schaffen - auf zwei Prozent des Bundesgebietes soll sich die Natur ungestört entwickeln. Die bisher zersplitterte Naturschutz-Bewegung will ihre Kräfte bündeln.

Der Naturschutz soll in Deutschland stärker in den Fokus rücken. Mehr als 40 öffentliche und private Eigentümer von geschützten Flächen haben sich in einem neuen „Netzwerk Nationales Naturerbe“ zusammengeschlossen. Vorbild für den neuen Verbund sind Organisationen wie der britische „National Trust“, die für Schutz von gefährdeten Ökosystemen, Pflanzen und Tieren in den jeweiligen Ländern verantwortlich sind. Das neue Netzwerk will unter anderem dazu beitragen, dass zwei Prozent des Bundesgebietes „Wildnis-Gebiete“ werden, in denen sich die Natur ungestört entwickeln kann.

Das Netzwerk geht zurück auf eine Initiative der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und des Deutschen Naturschutzrings (DNR), der seit 1999 an dem Konzept gearbeitet hat. „Der Umgang mit unserem Natur-Erbe muss unbedingt verbessert werden“, sagte DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde der FR. Ziel des neuen Netzwerks sei es, durch bessere Zusammenarbeit und Wissens- und Erfahrungsaustausch „den Umfang, die Qualität und die Nachhaltigkeit von Flächenschutz in Deutschland zu steigern“. Das biete die Möglichkeit, die Bedeutung der Naturschutz-Flächen in der Öffentlichkeit besser zu vermitteln.

Teil einer größeren Bewegung

Dank des Netzwerks könnten „dessen Mitglieder innerhalb und außerhalb Deutschlands als Teil einer größeren Bewegung wahrgenommen werden“, sagte DBU-Chef Brickwedde. Bisher gilt die Naturschutz-Bewegung in Deutschland in der Tat als sehr zersplittert. Die zahlreichen Organisationen – vom „Bayerischen Naturschutzfonds“ bis zum „Zweckverband Presseler Heidewald- und Moorgebiet“ – stimmten sich bisher nur wenig ab und hatten vor allem kein gemeinsames Sprachrohr. Netzwerk-Mitglieder sind unter anderem die Umweltverbände WWF, BUND und Nabu, die Nationalparks Bayerischer Wald und Kellerwald-Edersee, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt und zahlreiche Stiftungen von der Deutschen Wildtier- bis zur Heinz-Sielmann-Stiftung.

Brickwedde erhofft sich, dass das Netzwerk auch politische Schlagkraft bekommt: „Wir entwickeln, moderieren und kommunizieren gemeinsame Positionen unserer Mitglieder und setzen uns dafür ein, in Politik und Gesellschaft Gehör für die Anliegen des Naturschutzes zu finden.“ Ähnliche Netzwerke gibt es bereits in einer Reihe von Ländern, neben Großbritannien etwa in den USA, Südamerika, Australien, in den Niederlanden und Belgien.

Militärübungsplätze als Erbe

Den Mitgliedern des Netzwerks gehören zusammengerechnet über 2500 Quadratkilometer Naturschutz-Flächen – das entspricht rund 0,7 Prozent der Fläche der Bundesrepublik beziehungsweise dem Gebiet der Großstädte Berlin, Bremen, Hamburg und München zusammen. Den Kern des Netzwerks bildet das sogenannte Nationale Naturerbe. Dabei handelt es sich meist um frühere Militär-Übungsplätze, die aus dem Eigentum der Bundesrepublik in die Trägerschaft der Länder, der DBU und der Naturschutz-Organisationen übertragen wurden. Den größten einzelnen Anteil steuert die gemeinnützige DBU-Tochter „Naturerbe GmbH“ bei. Sie bringt 33 große Flächen mit zusammen rund 460 Quadratkilometern ein, darunter auch Gebiete wie den „Authausener Wald“ in Sachsen oder die „Glücksburger Heide“ in Sachsen-Anhalt.

Der Geschäftsführer der Heinz-Sielmann-Stiftung, Michael Beier, drückte die Hoffnung aus, das Netzwerk werde die Umsetzung der „nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ kräftig voranbringen. Diese 2007 vom Bund verabschiedete Strategie sieht unter anderem vor, dass sich der Anteil der vom Aussterben bedrohten oder stark gefährdeten Tier- und Pflanzen-Arten deutlich verringert. Bis 2020 soll sich die Gefährdungssituation des größten Teils der sogenannten Rote Liste-Arten um eine Stufe verbessern. Außerdem sollen zwei Prozent der Fläche Deutschlands zur „Wildnis“ werden. Nach Schätzungen beträgt der Anteil von Wildnisgebieten derzeit maximal 0,5 Prozent der Landesfläche. Es handelt sich dabei fast ausschließlich um die Kernzonen der Nationalparks.

Ruhezonen für die Natur

Das Bundesamt für Naturschutz hält zusätzliche großflächige Gebiete, in denen sich die Natur ungestört entwickeln kann, für dringend notwendig. Neben den Kernzonen neuer Nationalparks, wie sie unter anderem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen diskutiert werden, und ausgewählten Waldflächen seien ehemalige Truppenübungsplätze und Tagebau-Landschaften geeignet. Auch Bereiche der Binnengewässer und Auen, der Küsten, der Gebirge und der Moore werden als tauglich eingestuft.

Das Netzwerk Nationales Naturerbe will sich in diesem Sinne besonders engagieren. Brickwedde: „Es wird einen wichtigen Beitrag leisten, um die zwei Prozent zu erreichen.“ Dieses Ziel sei für ein dicht besiedeltes Industrieland wie Deutschland „zwar ambitioniert, aber absolut notwendig, um bedrohten Tieren und Pflanzen einen ungestörten Rückzugsraum zu geben“.

Zur Homepage

Jetzt kommentieren

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Umfrage

Die FR möchte auch nach wissenschaftlichen Maßstäben das Gerechtigkeitsempfinden erforschen. Dabei setzen wir auf Sie, liebe Leserinnen und Leser - und Ihre Beteiligung an einer wissenschaftliche Studie der Universität Köln.

FR-Schwerpunkt

Was ist gerecht?

Was ist gerecht?

WIRKLICH? Wie ungleich darf eine Gesellschaft sein – und was ist eigentlich Gerechtigkeit? Der große Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau.

FR-Online: Ergänzende Informationen und ausgewählte Texte zum Thema im Online-Dossier.

iPad-App: Alle großen Stücke des Schwerpunkts - interaktiv in preisgekrönter Aufbereitung. Informationen und Bestellformular.

Zeitung: Sämtliche Analyen und Interviews im Vorteils-Abonnement - keine Folge verpassen und dabei noch anderen helfen. Das ist gerecht. Bestellformular.

Wie würden Sie Deutschland gerechter machen? Gibt es eine Ungerechtigkeit, der die Frankfurter Rundschau unbedingt nachgehen sollte? Reden Sie mit - auf unserer interaktiven Webseite.

STUDIE! Die FR möchte auch nach wissenschaftlichen Maßstäben das Gerechtigkeitsempfinden erforschen. Nehmen Sie teil an unserer Umfrage!

Videonachrichten Politik
Meinung