Weil sie nicht genügend über den Tod von Machthaber Kim Jong Il getrauert haben, werden Nordkoreaner für mindestens sechs Monate in Arbeits- oder Umerziehungslager gesteckt. Selbst ganze Familien von Beschuldigten würden in abgelegene Gebiete verbannt.
Seoul –
Nordkorea verhängt nach einem Medienbericht monatelange Lagerhaftstrafen gegen Bürger, die angeblich im Dezember nicht genügend um den Tod von Machthaber Kim Jong Il getrauert haben. Die Behörden würden die Beschuldigten für mindestens sechs Monate in Arbeitslager schicken, berichtet am Freitag die in Seoul produzierte Internetzeitung „Daily NK“. Sie beruft sich dabei auf ihrer Website auf einen Informanten in der Provinz Nord-Hamkyung im Nordosten des kommunistischen Landes.
Den Betroffenen werde vorgeworfen, sich nicht an den organisierten Trauerveranstaltungen beteiligt oder trotz ihrer Teilnahme nicht geweint oder den Eindruck erweckt zu haben, ihre Trauer sei nicht echt gewesen, hieß es. Auch würden Menschen in Umerziehungslager gesteckt, wenn sie beschuldigt werden, Gerüchte mit Kritik am dynastischen Machtwechsel zu verbreiten. Selbst ganze Familien von Beschuldigten würden in abgelegene Gebiete verbannt.
Der Kult um Kim Jong Il
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Eines der seltenen Familienbilder zeigt Kim Jong Il mit Schwester und Kindern. Aufgenommen wurde es angeblich am 19. August 1981, aber so genau weiß das niemand. Veröffentlicht wurde es erst vor einiger Zeit.
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Proteste gegen den Diktator entzünden sich immer wieder im Nachbarland Südkorea, wie hier in Pusan im Oktober 2004. Damals richtete sich der Protest auch gegen den südkoreanischen Präsidenten Roh Moo-hyun und dessen zurückhaltenden Kurs gegenüber Nordkorea.
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Mit Triumphmärschen und Militärparaden inszeniert sich die Führung Nordkoreas gerne selbst. Besonders pompös geriet die Feier zum 60. Geburtstag des Landes in Pyongyang im September 2008. Nur Kim Jong Il fehlte - der Beginn der Spekulationen um seinen Gesundheitszustand.
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Eine südkoreanische Frau trauert auf dem Nationalfriedhof von Seoul am Grab eines Gefallenen aus dem Korea-Krieg. Als sich im Jahr 2000 erstmals nach fast 50 Jahren wieder die Staatschef von Nord und Süd treffen, keimt Hoffnung auf eine Annäherung. Sie bleibt bis heute vergebens.
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Auch im Juni 2007 protestieren in Seoul anlässlich des 57. Jahrestages des Korea-Krieges wieder Tausende gegen die Diktatur im Nachbarland. Formell befinden sich beide Länder nach wie vor im Krieg, weil die Kampfhandlungen 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand endeten, nicht mit einem Friedensvertrag.
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Auf der anderen Seite der Grenze präsentiert Nordkorea derweil weiter seine vermeintliche militärische Macht. 25000 Menschen halten im Oktober 2000 in Pyongyang exakt choreografiert Karten in die Höhe, als die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright das Land besucht.
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Abseits der Machtdemonstrationen versinkt das Land in bitterer Armut. Wie hier auf den Feldern nahe der Baekdu-Berge ist die Landbevölkerung auf landwirtschaftliche Erträge angewiesen, für deren Produktion allerdings nur vollkommen veraltete Geräte zur Verfügung stehen.
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Den Diktator störte das alles nicht. Kim Jong Il (Mitte) trotzte, auch sinnbildlich auf offiziellen Aufnahmen wie dieser vom November 2009, allen Widrigkeiten. Verlassen konnte er sich dabei vor allem auf den Verbündeten China, der (auf dem Bild links neben Kim vertreten von Verteidigungsminister Liang Guanglie) fest an Nordkoreas Seite steht.
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Mehr als eine Million Menschen versammeln sich am 11. Januar 2003 auf dem Kim Il Sung Platz in Pyongyang, nachdem Nordkoreas Führung den Ausstieg aus dem Atomwaffensperrvertrag bekannt gegeben hat. Die Entscheidung markiert einen Höhepunkt der Isolierung des Landes und schürt den Konflikt mit den USA.
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Nach dem Tod Kim Jong Ils wurde dessen jüngster Sohn Kim Jong Un zum neuen Machthaber ausgerufen. Sein Vater war nach offizieller Darstellung am 17. Dezember an einem Herzinfarkt im Alter von 69 Jahren gestorben.
Gleich nach dem Ende der offiziellen Trauerzeit hätten die Beschäftigten in Fabriken und Unternehmen zu Kritiksitzungen antreten müssen, berichtet „Daily NK“. Nach dem Ende der Sitzungen hätten die Behörden mit den Bestrafungen begonnen. Diese Sitzungen „sorgten für eine böse Atmosphäre der Angst, die dazu führte, dass die Menschen den „jungen Emporkömmling“ (Kim Jong Un) beschuldigen, die Menschen zu quälen“, wurde der Informant zitiert. Zugleich sei die Propaganda zur Vergötterung Kim Jong Uns verstärkt worden.
„Daily NK“ besteht seit Ende 2004. Die Zeitung beschäftigt unter anderen Nordkoreaner, die aus ihrer abgeschotteten Heimat geflüchtet sind und dem Regime in Pjöngjang gegenüber kritisch sind. In Nordkorea lässt sich angesichts der strikten Kontrolle der Behörden über die Bürger keine sichtbare Opposition ausmachen.(dpa)
Nordkorea trauert um Machthaber Kim Jong Il
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Nordkorea trauert um Machthaber Kim Jong Il
Nordkoreas machthaber Kim Jong Il (M) zeigt sich mit seinem potentiellen nachfolger, seinem Sohn Kim Jon Un (R) bei einem besuch der Luftwaffe. Foto: Yon Hap
Der nordkoreanische Militärmachthaber Kim Jong Il ist tot. Foto: stf
Der gesundheitlich angeschlagene Machthaber Kim Jong Il (Im Vordergrund) hatte zuletzt die Übertragung der Macht an seinen Sohn Kim Jong Un (2.v.l.) vorangetrieben. Foto: North Korean News Agency KCNA
Menschen in Südkoreas Hauptstadt Seoul verfolgen die Nachricht von Kim Il Jongs Tod auf dem Bildschirm. Foto: Yonhab
Chinesische Nachrichtenmagazine zeigen am 07.12.2010 das Bild von Kim Jong Un. Foto: Adrian Bradshaw
Nordkoreas Machthaber Kim Il Jong bei einem Besuch der Volksarmee. Foto: North Korean agency KCNA
Nordkoreas Machthaber trifft Chinas Präsident Hu Jintao im Mai 2010 in China. Foto: Korean Central News Agency (KCNA)
Seltener Staatsbesuch: Noch im August 2011 besuchte Kim Jong Il Russlands Präsidenten Medwedew. Foto: Dimitry Astakovh
Über Pjöngjang ragt der Turm des 105 Stockwerke hohen Ryugyong-Hotels. Vorn fließt der Taedong-Fluss. Foto: Ulrike John
Vorne hui - hinten ...: Ein seltenes Foto von einem Wohngebiet in der Hauptstadt Pjöngjang. Foto Ulrike John
Alltag in Nordkorea: Bauern schieben einen Karren an einer Autofabrik außerhalb von Nampo vorbei. Foto: Adrian Bradshaw
Zackig: Nordkoreanische Soldatinnen feiern den 65. Jahrestag der Gründung der Arbeiterpartei im Oktober 2010. Foto: Toran/Archiv
Angehörige der nordkoreanischen Botschaft in Peking setzen die Nationalflagge auf Halbmast. Foto: Yonhap
Tränen: Die Menschen in Pjöngjang beweinen den Tod des Machthabers Kim Jong Il. Foto: Kyodo
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