Mit dem Portal „Nazi-Leaks" erklären die Hacker von Anonymous deutschen Neonazis den Krieg. Auf der Seite findet sich eine Liste von NPD-Parteispendern, aber auch die Abonnenten einer nur scheinbar bürgerlichen Zeitung.
Die Hacker-Gruppe Anonymus stellt Neonazis an den Pranger.
Unter dem Motto „Operation Blitzkrieg“ ging vor einigen Tagen das Internet-Portal „Nazi-Leaks“ in Betrieb, auf dem sich unter anderem eine gehackte Liste von NPD-Spendern befindet.
Sympathisanten legen Scientology-Websites durch gezielte massenhafte Anfragen lahm, demonstrieren aber auch auf der Straße. Später...
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...attackieren Anonymous-Sympathisanten die Seiten von Mastercard und Paypal. Der Grund für den Angriff: Die Firmen hatten ihre Bezahlservice für Wikileaks-Spender gesperrt.
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Spätestens nach diesem Angriff ist Anonymous eine Massenbewegung, die so ziemlich überall auf der Welt aktiv ist - unter anderem gegen das Regime in Simbabwe...
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...und 2011 als Unterstützer der arabischen Widerstandsbewegung (im Hintergrund: Foto des tunesischen Ex-Diktators Ben Ali).
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Als die mexikanische Drogenmafia einen Anonymous-Aktivisten entführt, stellen die Hacker ein Ultimatum: Wenn ihr "Freund" nicht freigelassen werde, würden sie eine Liste mit den Klarnamen von Mafiosi veröffentlichen.
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Angeblich ließ ein mexikanisches Kartell die Geisel deshalb wieder frei - was Anonymous nicht daran hindert, den Kartellen wenig später den Krieg zu erklären.
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Ein Vorbild für "Nazi Leaks" war eine Attacke Ende 2011, die vermeintliche Kinderporno-Besitzer outete. Allerdings war schon damals fraglich, ob die Daten echt sind - es gibt immerhin die Möglichkeit, dass Kriminelle sich im Internet die Identitäten von Anderen zu eigen machen.
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Für Kritik sorgte auch der Angriff auf das US-Sicherheitsunternehmen Stratfor. Aktivisten legten die Seite nicht nur lahm, sondern klauten Kreditkartendaten und buchten davon unfreiwillige "Spenden" für wohltätige Zwecke ab. So ein Vorgehen sei kriminell, kritisiert der Vorsitzende der Piratenpartei, Sebastian Nerz. (Quellen: FR, Wikipedia).
Angeblich schaffte Anonymous es, innerhalb von wenigen Tagen 15 NPD-Seiten durch Computerattacken lahmzulegen. Am Montag war außerdem die deutsche Version der Nazi-Plattform Altermedia zeitweise offline.
"Allen Nazis einen guten Start ins neue Jahr"
Nachdem Anonymous zu Attacken aufgerufen hatte, erhielten Nutzer beim Ansteuern der Seite eine Fehlermeldung. Die Hacker wünschten per Twitter-Meldung „allen Nazis und vor allem Altermedia einen guten Start ins neue Jahr“.
Altermedia Deutschland wurde bislang aus Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern betrieben. Der Administrator Axel Möller sitzt seit Anfang Dezember 2011 wegen Volksverhetzung, Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole, Beleidigung, Aufruf zu Straftaten und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener in Haft.
Eine Reaktion ließ nicht auf sich warten: Wie linke Websites berichten, befindet sich auf Altermedia ein Kommentar, "daß Hinweise auf die Identität der Pseudo-Anonymus-Zecken dankend entgegen genommen werden und gerne mit Prämien wie z.B. abgeschnittenen Fingern belohnt werden". Ob der Kommentar authentisch ist, ließ sich nicht nachprüfen, da Altermedia zum Zeitpunkt der Recherche offline war.
Auf „Nazi-Leaks“ befinden sich inzwischen außerdem Listen mit den Namen und Adressen von Kunden der bei Rechten beliebten Marke Thor Steinar.
Auch die "Junge Freiheit" gehört zu den Zielen
Ebenfalls an den Pranger gestellt werden Autoren der „Jungen Freiheit“, einer bieder-deutschnationalen Zeitung, die auch Beiträge von Rechtsextremen veröffentlicht.
Unter den genannten Autoren befindet sich Peter Scholl-Latour, der auch als Afghanistan-Experte bekannt ist und eine Zeit lang für das Magazin Stern arbeitete.
Was ist ein Hacker? (1/2) Ursprünglich bezeichnete der Begriff des Hackers eine Person, die ein technisches Gerät oder eine Software analysiert und dabei neue Nutzungsmöglichkeiten erschließt. In dieser Bedeutung tauchte das „Hacking“ laut Wikipedia erstmals in den 50er Jahren bei Funkamateuren auf.
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Was ist ein Hacker? (2/2) Ein Programm zu hacken, bedeutete in diesem Sinne auch die schnelle Entwicklung einer Software für eine bestimmte Aufgabe. Diese Art von Experten entwickelte ihre eigene Hacker-Ethik, wie sie etwa vom Chaos Computer Club (CCC) gepflegt wird.
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Vom Hacker zum Cracker Im öffentlichen Sprachgebrauch werden Hacker jedoch meist mit Crackern gleichgesetzt, die Sicherheitslücken ausnutzen, um - oft aus kriminellen Gründen - in fremde Computer einzudringen.
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Wichtige Akteure: Die Gruppe Anonymous Sie hat keinen Kopf, keine feste Organisation und keine Zentrale: Mit ihrer lockeren Struktur widersetzt sich die Hackergruppe Anonymous allen Versuchen der Behörden, ihre Aktionen dauerhaft zu stoppen.
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Welche Ziele verfolgen Anonymous? Weil es keine klar umrissene Führung gibt, wechseln auch die Ziele der Gruppe. Ihre Angehörigen, unter ihnen auch Aktivisten in Deutschland, verbinden sich ad hoc zu einzelnen „Operationen“. Kleinster gemeinsamer Nenner bei Anonymous ist der Protest gegen „freiheitsfeindliche Organisationen“.
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Woher kommt die Anonymous-Gruppe? Hervorgegangen ist die Gruppe aus dem 2003 gegründeten Internetforum 4Chan. Ihr Wahrzeichen sind Masken, die dem Porträt des britischen Königsgegners Guy Fawkes (1570 - 1606) nachempfunden sind. Ihre Aktionen stellt die Gruppe unter das Motto „We are Anonymous. We are Legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us!“ („Wir sind Anonymous. Wir sind viele. Wir verzeihen nicht. Wir vergessen nicht. Erwartet uns!“).
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Welche Hacks hat Anonymous vorgenommen? Erstmals in Erscheinung trat Anonymous im Januar 2008 mit Protestaktionen gegen die Organisation Scientology. Im Dezember 2010 erlangte die Gruppe weltweite Aufmerksamkeit mit ihrer „Operation Payback“ - Attacken auf die Webseiten von Kreditunternehmen, die Konten der Enthüllungsplattform WikiLeaks gekündigt hatten. Anfang dieses Jahres unterstützte Anonymous die Aufstandsbewegungen in Ägypten und Syrien. Sicherheitsbehörden in den USA und Großbritannien waren unter anderem das Ziel der „Operation AntiSec“, zu der sich Anonymous im Juni mit der Gruppe LulzSec zusammenschloss.
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Wichtige Akteure: Die Gruppe LulzSec Der Name der Gruppe leitet sich ab vom englischen Szenewort „lulz“ (LOL steht für „laugh out loud“, laut lachen) und „Security“ (Sicherheit). Nach spektakulären Attacken auf die Computernetze der CIA, des US-Senats und von Sony löste sich die Gruppe Ende Juni nur 50 Tage nach ihrer Gründung wieder auf.
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Welche Hacks hat LulzSec vorgenommen? LulzSec hatte mit Attacken etwa auf Computer des Elektronik-Giganten Sony oder des US-Geheimdienstes CIA für Aufsehen gesorgt. Zuletzt hatten die Hacker aus Protest gegen das scharfe Einwanderungsrecht in Arizona interne Daten der Sicherheitsbehörde des US-Bundesstaates im Internet veröffentlicht.
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Warum hat sich LulzSec aufgelöst? In den vergangenen 50 Tagen habe man Unternehmen und Regierungen gestört und bloßgestellt, jetzt sei es an der Zeit, „bon voyage (gute Reise) zu wünschen“, teilte LulzSec in einer „letzten Erklärung“ im Internet mit. Einen konkreten Grund nannte die nach eigenen Angaben sechsköpfige Gruppe nicht, jedoch war in den letzten Tagen der Fahndungsdruck auf die Netzpiraten gestiegen. Auch innerhalb der Szene hatte der Druck auf LulzSec zugenommen. Aktivisten der niederländischen Gruppe TeamPoison legten das Blog eines mutmaßlichen Mitglieds der Gruppe lahm und drohten damit, Namen und Daten von LulzSec-Mitgliedern preiszugeben.
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Wie organisieren sich die internationalen Hackergruppen? Der digitale Untergrund organisiert sich dezentral über das Netz, wobei Kanäle bevorzugt werden, die wie das Chat-Protokoll IRC eine weitgehende Anonymität ermöglichen. Eine Gruppe von Aktivisten bereitet zurzeit unter dem Namen AnonPlus ein eigenes Soziales Netzwerk vor, eine Art Facebook der Hackerszene.
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Die Methoden: Denial-of-Service-Attacken Ein beliebtes Werkzeug gerade unter den Hacktivisten sind Denial-of-Service-Attacken (DDoS). Dabei werden Webseiten mit einer Flut sinnloser Datenanfragen überschwemmt und in die Knie gezwungen. Häufig nutzen die Angreifer dafür ein Botnet - das ist ein Zusammenschluss von vielen Computern, die auf ein gemeinsames Ziel angesetzt werden.
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Die Methoden: Datenklau Schwerer als das Lahmlegen eines Webservers oder ein „Defacement“, also die Umgestaltung einer Webseite, wiegt der Diebstahl von Daten wie bei kürzlich Sony und jetzt beim Einzelhandelskonzern Rewe. Im aktuellen Fall sind mehrere zehntausend Sammler von Tierbildchen betroffen, an deren Namen, Passwörter und E-Mail-Adressen die Täter gelangt sind. Bei einem kriminellen Hintergrund ist da der Missbrauch zum Einkaufen unter falscher Identität oder für den Versand von Spam-Mails zu befürchten.
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Die Methoden: Angriff auf staatliche Institutionen Staatliche Stellen werden gleich von zwei Seiten attackiert – von Hacktivisten ebenso wie von rivalisierenden Staaten. Erst am vergangenen Freitag (15.07.) wurde der bislang wohl schwerste Angriff auf das Pentagon bekannt, bei dem 24.000 Dokumente gestohlen wurden und ein ausländischer Geheimdienst als Täter vermutet wird.
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Wie schützt sich Deutschland vor Hackern? In Bonn wurde nach den Angriffen auf Zoll und Bundespolizei das in diesem Jahr eingerichtete Cyber-Abwehrzentrum aktiv. „Wir können jetzt schneller zu einer umfassenden Lageeinschätzung gelangen und auch schneller Gegenmaßnahmen ergreifen“, sagte der Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Matthias Gärtner, dessen Behörde in dem Abwehrzentrum die Federführung hat. „In der Prävention von Angriffen bleibt aber noch viel zu tun.“
Kein Tag ohne Angriffe aus dem digitalen Untergrund. Ob Pentagon oder Zoll, Sony oder Rewe - niemand scheint sicher vor Hackern. Die Szene ist vielfältig und kaum fassbar. Versuch einer Einordnung.
Anonymous machte in letzter Zeit immer wieder mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam. Unter anderem erklärten die Internet-Piraten der mexikanischen Drogenmafia den Krieg - Angeblich schafften sie es sogar, einen von der Mafia entführten Sympathisanten freizupressen. Kürzlich griff die Gruppe außerdem das US-Sicherheitsunternehmen Stratfor an, klaute Kreditkartendaten und überwies über eine Million Euro an "freiwilligen Spenden" an Bedürftige.
Bei Anonymous handelt es sich um eine lose Verbindung von Internet-Nutzern, die sich in Foren treffen, ohne erkennbar hierarchisch organisiert zu sein. Im Vergleich zu traditionellen Hackern benötigen sie keine besonders guten Computerkenntnisse, um bei Attacken mitzumachen. Typisch sind Angriffe mit sogenannten DDoS-Attacken: Dabei wird ein Web-Server von vielen Computern gleichzeitig mit sinnlosen Datenanfragen überhäuft, so dass er nicht mehr antworten kann. (jon, dpa, dapd)
Damir Fras ist unser US-Korrespondent Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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