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Rentendebatte: "Prekäre Jobs gefährden Sozialsystem"

Armutsrenten und Zynismus: Die Kritiker der Rente ab 67 fahren harte, verbale Geschütze auf. Auch Lob für die Kurskorrektur der SPD ist dabei.

Die IG Metall hat in der Debatte über die Rente ab 67 an die Politik appelliert, die prekäre Beschäftigung in den Blick zu nehmen. Die wachsende Zahl prekärer Jobs führe dazu, dass viele Menschen nur noch Armutsrenten erhielten, sagte der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, FR-online.de. Die Finanzierung des gesamten Sozialsystems werde gefährdet, wenn immer mehr Menschen gebrochene Erwerbsbiografien und unsichere, schlecht bezahlte Jobs hätten. Denn dadurch fließt weniger Geld in die Sozialkassen. Deswegen müsse man alles tun, damit gerade junge Menschen reguläre Arbeit finden.

Es sei „zynisch“, die Rente mit 67 nur mit der höheren Lebenserwartung zu begründen. Man müsse auch fragen, ob die Menschen tatsächlich zwei Jahre länger arbeiten könnten. Manche Beschäftigte könnten dies, für einen Großteil der Arbeitnehmer sei dies jedoch nicht möglich.

Deswegen sei es zwar zu begrüßen, dass die SPD-Spitze ihre Position zur Rente mit 67 deutlich geändert habe. Ihr Vorschlag greife aber zu kurz. Das „starre System Rente mit 67“ sei falsch.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nannte die Kurskorrektur der SPD einen Schritt in die richtige Richtung. „Das reicht aber noch nicht“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske der Frankfurter Rundschau. Die meisten Beschäftigten schafften es schon jetzt kaum, bis zum Rentenalter zu arbeiten.

„Immer mehr Menschen arbeiten zudem im Alter in prekären und nicht sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen, das schönt natürlich die vermeintlich positive Beschäftigungsentwicklung Älterer, mit der die Bundesregierung das späte Rentenalter salonfähig machen will“, betonte Bsirske. Er plädierte deshalb dafür, „sich vollständig von der Rente mit 67 zu verabschieden“.

Die Arbeitgeber kritisierten dagegen den Vorschlag der SPD-Spitze, den Beginn der Rentenreform so lange auszusetzen, bis 50 Prozent der 60- bis 64-Jährigen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. Derzeit liegt die Quote bei 24,8 Prozent. „Die Argumentation mit Blick auf die Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer ist grundsätzlich falsch“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Ulrich Brocker, der FR. „Lange Zeit war es gesellschaftlicher Konsens, über aufwendige Frühverrentung ältere Arbeitnehmer aus den Betrieben zu drängen. Die niedrige Quote ist das Ergebnis dieser Politik“, so Brocker. Das zeige sich auch daran, dass seit dem Ende der Frühverrentungspraxis der Anteil an älteren Arbeitnehmern spürbar steige.

Autor:  Eva Roth
Datum:  19 | 8 | 2010
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