Frau Sow, deutsche Medien bezeichnen den demokratischen Kandidaten Barack Obama oft als "Farbigen". Was halten Sie davon?
Privat finde ich es unfreiwillig komisch, weil inzwischen alle mitbekommen haben dürften, dass Obama Schwarz ist. Beruflich, als Medienkritikerin und Rassismusforschende, finde ich es nicht komisch - weil es wieder zeigt, dass die Medien es anscheinend nicht nötig haben, ihr Lippenbekenntnis zu diskriminierungsfreier Berichterstattung auch einzuhalten. "Farbiger" ist ein diskriminierender Begriff. Das muss man als Journalist einfach wissen.
Noah Sow, Autorin, Sprecherin und Musikerin, lebt in Hamburg. Sie arbeitet für Radio und Fernsehen und hat das Buch "Deutschland Schwarz Weiss - der alltägliche Rassismus" (C. Bertelsmann) veröffentlicht.
2001 initiierte sie die Gründung von der braune mob e.V., einer anti-rassistischen Media-Watch-Organisation.
Sow legt Wert darauf, dass in ihren Antworten "schwarz" als politischer Begriff und Selbstbeschreibung großgeschrieben wird. "Weiß" könne man als Adjektiv kleinschreiben, es sei "keine politische Selbstbezeichnung aus einer Widerstandssituation heraus".
Wie erklären Sie sich, dass manche Leute sich scheuen, die korrekte Bezeichnung "Schwarzer" zu benutzen?
Weil sie wohl noch nicht ganz die Rassenlehre aus ihrem Kopf haben. Und nicht wissen, dass "Schwarz" ein politischer Begriff ist. Oder finden, dass sie das Selbstbenennungsrecht Schwarzer Menschen nicht beachten müssen.
Obama hat im Vorwahlkampf eine große Rede zur sogenannten Rassenfrage gehalten. In Deutschland klingt der Begriff schräg. Sollte man den Begriff Rasse meiden?
Das englische "race" ist ebenfalls ein gesellschaftspolitischer Begriff und bedeutet im Deutschen nicht seine wörtliche Übersetzung, wie so viele englische Vokabeln, zum Beispiel "sensible", "sodomy" oder "billion". Unser deutscher Begriff "Rasse" ist dagegen inhärent bereits Teil einer rassistischen Weltanschauung. Verschiedene Menschen-"Rassen" gibt es natürlich nicht. Und deswegen gibt es auch keine "Rassenmischung", "Halbblut", "Farbige" und so'n Quatsch.
Geht Obama mit dem Thema Rassismus zu zurückhaltend um?
In den USA werden Schwarze Konkurrenten gerne präventiv verdächtigt, die "race card" zu spielen und dafür sanktioniert: Sobald sie die Situation Schwarzer thematisieren, heißt es, "jetzt versucht er, damit einen Bonus herauszuholen". Eine gut funktionierende Mundtot-Strategie, um nur ja das Thema Rassismus nicht zuzulassen. Obama hat aber keinesfalls dazu geschwiegen; er war halt nur diplomatisch, was manche vielleicht ärgert. Gegenfrage, die ich gern mal hören würde: Ist Hillary Clinton mit dem Thema Sexismus zu zurückhaltend umgegangen?
Was erwarten Sie von dem ersten schwarzen US-Präsidenten?
Politisch beobachte ich das neutral; die USA sind ja nicht mein Land. Was aber ein Schwarzer US-Präsident für ein Signal sein kann, da freue ich mich schon drauf: Schwarze Kinder wachsen dann mit einer Repräsentation auf, die theoretisch Macht und Möglichkeiten beinhaltet. Für weiße Kinder ist das alltäglich. Schwarze Kinder haben da bisher weniger Glück: Die Medien stellen Schwarze immer noch zu 90 Prozent verarmt, kriminell oder übersexualisiert dar.
Interview: Hans-Hermann Kotte
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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