Ein winziges "Volksheer" hält Paraguay in Atem. Es finanziert sich durch Entführungen, und wird von der kolumbianischen Farc unterstützt. Damit es nicht zu einer ähnlichen Bedrohung wird wie die linksgerichtete Guerilla, schickt Kolumbien Antiterror-Experten und Waffen.
Das Volksheer, abgekürzt EPP, trägt einen großen Namen - doch die Truppe ist offenbar winzig klein, von 15 Kämpfern ist die Rede. Doch die mysteriösen Guerilleros haben Paraguay in eine seit Monaten dauernde Krise gestürzt. Trotz Festnahmen haben Polizei und Militär die Organisation nicht zerschlagen können. Im Gegenteil: Im Februar tauchten einige der Gesuchten in einem entlegenen Dorf auf und sahen sich in aller Ruhe ein Fußballspiel an.
Entführungen und Morde
Die EPP, von einer linksextremen Partei abgespalten, existiert formell seit 2008. Aber bereits die Entführung von Cecilia Cubas, Tochter eines früheren Präsidenten, ging 2004 auf das Konto ihrer späteren Kämpfer. Die 32-Jährige wurde Anfang 2005 in einem unterirdischen Verlies tot aufgefunden - erstickt durch Klebeband um ihr Gesicht. Das Verbrechen bewegt die Öffentlichkeit bis heute. Es folgten drei spektakuläre Entführungen. Erst im Januar kam der Farmer Fidel Zavala nach 94 Tagen Gefangenschaft frei. Seine Familie zahlte 550000 Dollar Lösegeld.
Bettelarme Bauern in entlegenen Landstrichen, ein kaum präsenter Staat, eine schwache Regierung, für Drogen und Waffen durchlässige Grenzen - Paraguay könnte zum Fokus eines weiteren, durch Kokain und Erpressung finanzierten Guerilla-Krieges in Südamerika werden. Deshalb löst die EPP-Drohung Besorgnis aus, den Kampf mit Bombenattentaten in die Städte zu tragen.
Ein ehemaliger Farc-Mann berichtete jetzt dem spanischen Untersuchungsrichter Eloy Velasco von den Beziehungen, die die Guerilla in den 90ern ausweitete: zur baskischen ETA, zum peruanischen Leuchtenden Pfad und eben zur EPP. Velasco ermittelt wegen früherer Farc-Pläne, zwei kolumbianische Präsidenten zu ermorden. Der Zeuge bestätigte, dass der Farc-"Außenminister" Rodrigo Granda die Entführer laufend beriet.
Bereits bei der Freilassung des Farmers Zavala hatten kolumbianische Antiterror-Experten die Hand im Spiel; Zavala will sich daher bei Präsident Álvaro Uribe bedanken. Dessen Außenminister hat nun die Zusammenarbeit für die kommenden zwei Jahre formalisiert. Paraguays Polizisten erhalten bereits neue Gewehre kolumbianischer Produktion, Uribe hat eine Gruppe von Antiguerilla-Spezialisten geschickt.
Dem eher linken Präsidenten Fernando Lugo, garantiert die Hilfe des rechtsgerichteten Uribe womöglich das politische Überleben. Dem früheren Bischof und Befreiungstheologen, der 2008 Präsident wurde, unterstellt die Rechte immer wieder, er bekämpfe die EPP nur halbherzig. Das ist zwar offenkundig Unsinn - nichts würde Lugo mehr nützen als ein Sieg über die EPP -, schwächt ihn aber dennoch. Zumal auch viele Linke enttäuscht sind, vor allem darüber, dass die Agrarreform nicht entschieden angegangen wurde.
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