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16. März 2016

"Weisse Wölfe Terrorcrew": De Maizière verbietet Neonazi-Verein

 Von Andreas Förster
Nazis von dem Verein "Weisse Wölfe Terrorcrew" demonstrierten im brandenburgischen Wittstock.  Foto: imago/Christian Ditsch

Bundesinnenminister de Maiziere (CDU) verbietet die rechtsextreme "Weisse Wölfe Terrorcrew". Seit Mittwochmorgen werden in zehn Bundesländern Durchsuchungsmaßnahmen gegen führende Mitglieder durchgeführt.

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Das Bundesinnenministerium hat den rechtsextremistischen Verein „Weiße Wölfe Terrorcrew“ (WWT) verboten. Zeitgleich mit dem Verbot fanden in zehn Bundesländern Razzien statt, die sich gegen insgesamt 16 Personen sowie 15 Wohnungen oder Gebäude richteten. Dabei wurden auch Waffen sichergestellt.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière begründete das Verbot damit, dass sich die WWT in der Vergangenheit offen zu den Werten des Nationalsozialismus bekannt und Gewalt auf die Straße getragen habe. Diese Gewalt sei gegen politische Gegner, Zuwanderer, Flüchtlinge und gegen die Polizei gerichtet. „Wir können noch nicht von einem Rechtsterrorismus sprechen, aber wir werden jeden Ansatz dazu unterbinden“, sagte der Minister.

Die WWT hatte sich um 2008 herum in Hamburg gegründet. Ihre Mitglieder waren Fans der aus Nordrhein-Westfalen stammenden Nazirock-Gruppe „Weiße Wölfe“, die Songs mit volksverhetzenden Inhalten und Aufrufen zur Gewalt gegen Ausländer veröffentlichte.

Beschränkten sich die WWT-Aktivisten anfangs auf Alkoholexzesse und gelegentliche Schlägereien mit Linken und der Polizei, wurde ab 2011 eine zunehmende Politisierung der Gruppe registriert: Die Neonazis veranstalteten Demonstrationen und Kundgebungen und begannen damit, eigene politische Texte und Videos unter ihrem Vereinslogo im Internet zu verbreiten. Im Juni 2012 organisierten sie zusammen mit der NPD einen „Tag der deutschen Zukunft“ in Hamburg, zu dem mehrere Hundert Neonazis anreisten. In der Folgezeit wurden die Beziehungen der „Terrorcrew“ zur NPD enger. Einzelne WWT-Mitglieder halfen bei Wahlkampfveranstaltungen und sicherten Veranstaltungen der rechtsextremen Partei.

De Maiziere verbietet rechtsextremistische Vereinigung

Der Verein, der sich zeitweilig mit einer Nazi-Kameradschaft aus Hamburgs Umland zusammengeschlossen hatte, versteht sich als „völkisch, autonom, konservativ, sozialistisch und revolutionär“. Er tritt laut Hamburger Verfassungsschutz im Vergleich zu anderen Neonazis der Hansestadt ungewöhnlich offensiv und aggressiv auf. Ende Februar sollen einige von ihnen an einem Überfall auf Linke am Hamburger Hauptbahnhof beteiligt gewesen sein. Der harte Kern der WWT umfasst etwa 25 Personen.

Verbindung zu den Bandidos

Seit ihrer Gründung hat die Terrorcrew ihren Aktionsradius inzwischen deutlich über Norddeutschland hinaus ausgeweitet: „Sektionen“ der WWT gibt es heute in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg. Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes sollen auch Verbindungen des Vereins zu den Bandidos-MC-Rockern im Brandenburger Perleberg bestehen.

2012 waren einzelne WWT-Mitglieder ins Visier der Bundesanwaltschaft geraten. Dabei ging es um eine mutmaßliche Terrorzelle „Werwolf-Kommando“. Das Ermittlungsverfahren, das sich gegen Neonazis aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden richtete, wurde allerdings zwei Jahre später ergebnislos eingestellt. Einer der damaligen Hauptbeschuldigten, ein verurteilter Schweizer, unterhielt Kontakte zur Hamburger WWT.

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