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FR-Interview mit Gesine Lötzsch: „Wir brauchen keine Denkverbote“

Linken-Chefin Gesine Lötzsch reagiert im FR-Interview auf die heftige Kritik über ihre Aussagen zum Kommunismus und spricht über das Erbe Rosa Luxemburgs.

Stramm links: Lötzsch vor einem Afghanistan-Plakat.
Stramm links: Lötzsch vor einem Afghanistan-Plakat.
Foto: ddp

Frau Lötzsch, klären Sie uns auf: Sind Sie Kommunistin?

Ich bin demokratische Sozialistin, keine Kommunistin.

Wieso empfehlen Sie dann öffentlich, sich auf den Weg zum Kommunismus zu machen, wenn Sie da gar nicht hinwollen?

Ich habe einen Debattenbeitrag für die Rosa-Luxemburg-Konferenz geschrieben, in dem ich zu dem Schluss komme, dass dem demokratischen Sozialismus die Zukunft gehört.

Sie schreiben aber auch: „Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung.“

Das ist richtig zitiert. Ich bin von den Veranstaltern der Konferenz gebeten worden, über Wege zum Kommunismus nachzudenken. Und dieser Bitte bin ich nachgekommen. Allerdings ist klar, dass das Ziel der Linken der demokratische Sozialismus bleibt.

Zur Person

Gesine Lötzsch ist seit Mai 2010 gemeinsam mit Klaus Ernst Vorsitzende der Partei Die Linke. Die 49-jährige Sprachwissenschaftlerin aus Berlin ist seit 2002 Abgeordnete des Bundestages.

Die Linkenpolitikerin war von 1984 bis 1990 Mitglied der SED, ab 1990 Mitglied der PDS und begann ihre Karriere in der Berliner Lokal- und Landespolitik.

Heftig kritisiert wird Lötzsch, weil sie in einem Debattenbeitrag für die am Samstag stattfindende Rosa-Luxemburg-Konferenz, den die Tageszeitung Junge Welt veröffentlichte, über „Wege zum Kommunismus“ (03.01.2011) schrieb. Lötzsch will auf der Konferenz mit der Ex-RAF-Terroristin Inge Viett und der DKP-Vorsitzenden Bettina Jürgensen diskutieren. FR

Warum sprechen Sie dann mehrfach vom Kommunismus?

Natürlich ist der Begriff belastet. Denn im Namen des Kommunismus sind viele Verbrechen begangen worden. Wir sollten uns aber keine Denkverbote auferlegen lassen. Meine Partei, die ehemalige PDS, hat sich schon auf dem Gründungsparteitag vor 20 Jahren klar und unmissverständlich davon distanziert. Da gibt es also keine Verwechslungsgefahr.

Doch, die gibt es, wenn Sie erst von Kommunismus reden und dann von demokratischem Sozialismus, als seien es austauschbare Begriffe. Halten Sie den Text für gelungen?

Ich beziehe mich darin auf Rosa Luxemburg, die ganz klar gesagt hat, man kann eine neue Gesellschaft nicht aufbauen, ohne die Freiheit des Individuums zu achten. Sie ist daher für uns eine der wichtigsten Bezugspersonen in der Geschichte der Arbeiterbewegung.

Ja, aber Sie sprechen in dem Debattenbeitrag eben auch vom Kommunismus, ohne zu erläutern, was Sie damit meinen. Kann es sein, dass Sie die Sprengkraft des Begriffes unterschätzt haben?

Sie haben Recht, der Begriff ist einer mit Sprengkraft. Ich habe mal im Internet nachgeschaut: Die Verbindung „Obama“ und „Kommunist“ hat 92.600 Einträge. Jetzt frage ich mich, ist Herr Obama ein Kommunist, weil er die Krankenversicherung einführen will?

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Datum:  6 | 1 | 2011
Seiten:  1 2
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