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10 Jahre Militärgefängnis Guantánamo: Guantánamo - Obamas gebrochenes Versprechen

Guantanamo: Auch nach zehn Jahren eine offene Wunde.
Guantanamo: Auch nach zehn Jahren eine offene Wunde.
Foto: afp

Es ist eine offene Wunde im politischen Amerika: Das US-Straflager Guantánamo Bay auf Kuba, vor zehn Jahren vom damaligen Präsidenten Bush errichtet, empört die Welt - bis heute. Warum Nachfolger Obama bislang an seinem Versprechen scheitert, das berüchtigte Gefängnis zu schließen.

Seine Tierliebe wurde bitter bestraft. Murat Kurnaz hatte sich, als er in seiner Zelle im US-Gefangenenlager Guantánamo saß, immer mal wieder einige Stückchen Brot vom Mund abgespart, um die Leguane zu füttern, die an die Gitterstäbe kamen. „Als die Wachen das entdeckten, wurde ich mit 30 Tagen Einzelhaft in Dunkelhaft bestraft“, schrieb Kurnaz jetzt in einem Beitrag für die New York Times.

Das Beispiel des Bremers türkischer Herkunft, der zwischen Februar 2002 und August 2006 in Guantánamo inhaftiert war, ist nur eines von vielen, das belegt, dass die US-Behörden im selbst ausgerufenen „Krieg gegen den Terror“ jeglichen Maßstab verloren haben. Guantanamo ist ein Synonym geworden für Unrecht, für Willkür, für das Kujonieren von Gefangenen.

Guantanamo und kein Ende

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Und das geht schon seit zehn Jahren so. Die ersten Häftlinge trafen am 11. Januar 2002 in dem Internierungslager ein. Sie waren an Händen und Füßen gefesselt, die Augen waren verbunden. Die Männer mussten orangefarbene Overalls tragen und in Käfigen knien. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush hatte einen Flecken Erde gesucht, wo sie ungestraft Terrorverdächtige unterbringen und ohne Gerichtsverhandlungen unbegrenzt festhalten konnte – und fand ihn an der Südostspitze Kubas.

Es war schnell klar, dass nur ein Machtwechsel in Washington dem Lager ein Ende bereiten könnte. Proteste von Regierungen und internationalen Menschenrechtsorganisationen liefen ins Leere. Bush, sein Vizepräsident Dick Cheney und US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld scherten sich einfach nicht um die weltweite Kritik.

Stützpunkt, Gefängnis, Folterkammer
Marinebasis

Guantanamo liegt im Südosten Kubas. Der größte natürliche Hafen auf dieser Seite der Insel beheimatet eine US-Marinebasis, auf der 9.500 Seeleute und Soldaten stationiert sind. Die Marinebasis geht zurück auf den spanisch-amerikanischen Krieg – ausgelöst durch die US-Intervention im kubanischen Befreiungskrieg 1898. Im Gegenzug für die Unterstützung ließen sich die USA weitreichende Sonderrechte einräumen, unter anderem eben die unbefristete Hoheit über Guantanamo Bay.

Als Bushs Nachfolger Barack Obama Anfang 2009 ins Weiße Haus einzog, kam etwas Hoffnung auf. Obama hatte schließlich im Wahlkampf das Lager als „trauriges Kapitel in der US-Geschichte“ bezeichnet und für den Fall seines Wahlsieges die Schließung angekündigt.

Dieses Versprechen hat Obama bis heute nicht eingelöst. 171 Menschen sitzen noch in Guantánamo – nicht mehr in Käfigen, aber immer noch unter mehr als fragwürdigen Bedingungen. Mehr als die Hälfte von ihnen sind seit Jahren für die Freilassung bestimmt. Aber die Freiheit ist ihnen nur eine vage Hoffnung geblieben – weil sich Staaten bis heute weigern, Ex-Häftlinge aufzunehmen, und argumentieren, diese könnten ja eine Gefahr darstellen, da sie in ihrer Haftzeit zu Terroristen geworden sein könnten. Vage bleibt die Hoffnung auf Freiheit auch, weil den Gefangenen in ihren Heimatländern erst recht Folter droht. Und weil das US-Parlament selbst, Demokraten ebenso wie Republikaner, die Schließung des Lagers blockiert. Und das Hin und Her geht auch schon seit Jahren so.

Neuanfang: Es gibt ein Leben nach Guantanamo
Ayman S. wagt in Hamburg den kompletten Neuanfang

Acht Jahre saß Ayman Muhammad Ahmad S. in Guantanamo, bis er im September 2010 in Deutschland eintraf. Vorausgegangen waren schwierige deutsch-amerikanische Verhandlungen über seine Aufnahme. Im Juli 2010 stimmte der damalige Innenminister Thomas de Maizière dann zu, den USA den staatenlosen Palästinenser S. und den Syrer Mahmud Salin al-Ali abzunehmen. Beide hatten Deutschland als ihr Wunschziel angegeben, obwohl sie dort über keine persönliche Bindungen verfügten. Rheinland-Pfalz sagte zu, sich um al-Ali zu kümmern, Hamburg wollte S. übernehmen. De Maizière sah damit Deutschlands Verantwortung als erfüllt an.
Der Innensenator der Hansestadt, Heino Vahldieck, sagte, es gebe keinen Hinweis darauf, dass S. in Terroranschläge verwickelt gewesen sei. Der 1975 im saudischen Dschidda geborene S. war 2001 nach Afghanistan gereist, um in den „Heiligen Krieg“ zu ziehen. Wenig später wurde er verhaftet und als einer der Ersten in Guantanamo inhaftiert.
Vahldieck erklärte, der Mann habe den Dschihad aufgegeben. Er wolle nur in Ruhe leben und eine Familie gründen. Mansei aber nicht naiv und wolle ihn „in enge Manndeckung nehmen“. S. erhielt eine mittlerweile verlängerte, Aufenthaltsgenehmigung und wird von einem eigenen Sozialarbeiter betreut. Er hat einen Deutschkurs absolviert und wird bald eine Traumatherapie beginnen. Die Sozialbehörde betrachtet ihn als problemlosen Fall. (prma.)

Obama will sich im aufkommenden Wahlkampf nicht dem Vorwurf der Republikaner aussetzen, er kümmere sich zu wenig um die nationale Sicherheit. Im Endeffekt könnte aber gerade dieses Gesetz eine Schließung von Guantánamo auf Jahre hinweg blockieren. Denn wieso sollten die US-Behörden auf ein seit einem Jahrzehnt genutztes Gefängnis verzichten?

Kombattanten, Kriminelle, Kämpfer außerhalb der Gesetze
Kriegsgefangene

Es hängt am Ende alles an der Uniform. Trägt ein Kombattant Militärkleidung – oder zumindest Abzeichen, die ihn als „offiziell beteiligt“ an Kampfhandlungen markieren – und wird gefangen genommen, gelten für diese Person die Haager Landkriegsordnung von 1907 und die dritte Genfer Konvention von 1949. Sie besagen, dass Kombattanten zu Gefangenen des Gegnerstaates werden, nicht derjenigen Personen, die sie tatsächlich „im Feld“ entwaffnet haben. Damit wird der Willkür Einzelner ein Riegel vorgeschoben.

Indes: Der Irrsinn dürfte weiter gehen. Und auch Murat Kurnaz, der Bremer türkischer Herkunft mit fünf Jahren Hafterfahrung in Guantánamo, dürfte vorerst keine Antwort auf die Frage bekommen, die ihn immer noch umtreibt: „Jetzt, fünf Jahre nach meiner Freilassung, versuche ich die schrecklichen Erinnerungen zu verdrängen. Ich habe wieder geheiratet und habe eine wunderbare kleine Tochter. Es fällt mir aber immer noch schwer, nicht an meine Zeit in Guantánamo zu denken und mich zu wundern, wie es möglich sein kann, dass eine demokratische Regierung Menschen in unwürdigen Verhältnissen einsperrt, ohne ihnen einen fairen Prozess zu machen.“

Autor:  Damir Fras
Datum:  10 | 1 | 2012
Kommentare:  4
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