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04. Januar 2013

11. September World Trade Center: Neue Dokumente zu 9/11 aufgetaucht

 Von Willi Germund
Blick auf das brennende World Trade Center in New York nach dem Anschlag am 11.9.2001. Foto: picture-alliance / dpa

Kurz nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 lud das Pentagon den Al-Kaida-Terroristen Anwar al-Aulaqi zum "Dialog" ein. Zehn Jahre später wird der Terrorist von einer US-Drohne getötet. Dies offenbaren neue Dokumente.

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Der in den USA geborene Al-Kaida-Terrorist Anwar al-Aulaqi war wenige Monate nach den Terrorattentaten in den USA am 11. September 2001 im Pentagon eingeladen. Seine Verbindungen zu Al-Kaida waren zwar damals bereits bekannt. Aber das Verteidigungsministerium wollte den „Dialog mit dem Islam“ fördern. Fast genau zehn Jahre später allerdings, am 30. September 2011, wurde al-Aulaqi dann mit einer vom US-Geheimdienst CIA gesteuerten Drohne im Jemen ermordet.

Das Pentagon-Treffen sowie Informationen, wer bei welchem Geheimdienst wann etwas schon gewusst hat, sind in Dokumenten enthalten, die von der US-Organisation Judicial Watch im Rahmen des Freedom of Information Act jetzt eingesehen werden konnten. „Die Dokumente werfen erneut ein Licht auf die Pflichtverletzungen durch unseren Nationalen Sicherheitsapparat“, erklärte Judicial Watch Präsident Tom Fitton.

Englisch gut für Propaganda

Laut dieser Dokumente war das FBI zum Beispiel zum Zeitpunkt des Treffens im Pentagon bereits informiert, dass al-Aulaqi Flugtickets für drei der Attentäter von New York gekauft hatte. Zu ihnen gehörte auch der in Hamburg lebende Anführer Mohammed Atta. Für ihn lag ein Ticket von Washington über Las Vegas nach Miami bereit, datiert auf den 13. August 2001 bereit.

Zwei weitere Attentäter flogen mit von al-Aulaqi gekauften Tickets jeweils im Januar und Juli nach Florida. Dort nahmen die Attentäter Flugstunden, um sich auf die Entführung von Passagiermaschinen vorzubereiten. Am 5. Februar 2002 hatte al-Aulaqi die Einladung zum Dinner im Pentagon erhalten. Am 10. Oktober 2002 war er in den USA sogar wegen Passvergehens festgenommen, nach einiger Zeit allerdings wieder freigelassen worden.

Al-Aulaqi hatte sich danach umgehend in den Jemen abgesetzt, wo er zu einer wichtigen Figur bei Al Kaida wurde. Wegen seines nahezu perfekten Englisch, setzte die von Osama Bin Laden gegründete Organisation den in den USA geborenen Mann gerne für Propagandafilme ein. Diese Filmen richteten sich mit Verlautbarungen an den Westen oder an dort lebende Anhänger. Die USA hatten in den vergangenen Jahren wiederholt versucht, al-Aulaqi zu ermorden. Dieses Ziel wurde jedoch erst im September 2011 mittels einer Drohne erreicht.

Bericht über Bin-Laden-Fall

Die vorliegenden Dokumente nähren nun den bereits bestehenden Verdacht, dass die US-Behörden besser über Al Kaida Bescheid wussten, als sie es je zugegeben haben. Eine Erklärung dafür, warum der Al-Kaida-Mann in den USA inhaftiert, dann aber entlassen worden war, steht noch aus.

Eine pakistanische Untersuchungskommission hat unterdessen einen Bericht über den langjährigen Aufenthalt des getöteten Al-Kaida-Chefs Bin Laden der Regierung in Islamabad vorgelegt. Der Vorsitzende des Gremiums, der frühere Richter Javed Iqbal, übergab das Dokument an Premier Raja Pervez Ashraf. Das teilte dessen Büro am Donnerstag mit. Auftrag der Kommission war es herauszufinden, wieso Bin Laden bis zu seinem Tod über Jahre unentdeckt in Pakistan leben konnte.
Ob der Bericht auch veröffentlicht wird, ist noch unklar. Aus pakistanischen Regierungskreisen hieß es, Ashraf werde darüber entscheiden, ob die Untersuchungsergebnisse geheim gehalten werden sollten. Beobachter bezweifelten allerdings, dass die relevanten Teile des Berichts über den früheren Chef des Terrornetzwerks veröffentlicht werden sollten.

Bin Laden war Anfang Mai 2011 von einem US-Sonderkommando in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad getötet worden. Er hatte dort mehrere Jahre unbehelligt in einem Haus gelebt. Kurz nach Bin Ladens Tötung setzte die pakistanische Regierung die fünfköpfige Untersuchungskommission ein. Das Gremium befragte Regierungsmitglieder und Militärangehörige sowie die drei Witwen Bin Ladens.

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