Der in den USA geborene Al-Kaida-Terrorist Anwar al-Aulaqi war wenige Monate nach den Terrorattentaten in den USA am 11. September 2001 im Pentagon eingeladen. Seine Verbindungen zu Al-Kaida waren zwar damals bereits bekannt. Aber das Verteidigungsministerium wollte den „Dialog mit dem Islam“ fördern. Fast genau zehn Jahre später allerdings, am 30. September 2011, wurde al-Aulaqi dann mit einer vom US-Geheimdienst CIA gesteuerten Drohne im Jemen ermordet.
Das Pentagon-Treffen sowie Informationen, wer bei welchem Geheimdienst wann etwas schon gewusst hat, sind in Dokumenten enthalten, die von der US-Organisation Judicial Watch im Rahmen des Freedom of Information Act jetzt eingesehen werden konnten. „Die Dokumente werfen erneut ein Licht auf die Pflichtverletzungen durch unseren Nationalen Sicherheitsapparat“, erklärte Judicial Watch Präsident Tom Fitton.
Laut dieser Dokumente war das FBI zum Beispiel zum Zeitpunkt des Treffens im Pentagon bereits informiert, dass al-Aulaqi Flugtickets für drei der Attentäter von New York gekauft hatte. Zu ihnen gehörte auch der in Hamburg lebende Anführer Mohammed Atta. Für ihn lag ein Ticket von Washington über Las Vegas nach Miami bereit, datiert auf den 13. August 2001 bereit.
New York unter Schock: Kurz vor 9 Uhr Ortszeit rast eine Passagiermaschine der Fluggesellschaft American Airlines in den nördlichen der beiden Türme und setzt die oberen Stockwerke in Brand. In der Fassade klafft ein großes Loch, Rauchwolken steigen in den Himmel. Das Flugzeug mit 92 Menschen an Bord war auf dem Weg von Boston nach Los Angeles entführt worden.
Foto: dapdZwei weitere Attentäter flogen mit von al-Aulaqi gekauften Tickets jeweils im Januar und Juli nach Florida. Dort nahmen die Attentäter Flugstunden, um sich auf die Entführung von Passagiermaschinen vorzubereiten. Am 5. Februar 2002 hatte al-Aulaqi die Einladung zum Dinner im Pentagon erhalten. Am 10. Oktober 2002 war er in den USA sogar wegen Passvergehens festgenommen, nach einiger Zeit allerdings wieder freigelassen worden.
Al-Aulaqi hatte sich danach umgehend in den Jemen abgesetzt, wo er zu einer wichtigen Figur bei Al Kaida wurde. Wegen seines nahezu perfekten Englisch, setzte die von Osama Bin Laden gegründete Organisation den in den USA geborenen Mann gerne für Propagandafilme ein. Diese Filmen richteten sich mit Verlautbarungen an den Westen oder an dort lebende Anhänger. Die USA hatten in den vergangenen Jahren wiederholt versucht, al-Aulaqi zu ermorden. Dieses Ziel wurde jedoch erst im September 2011 mittels einer Drohne erreicht.
Die vorliegenden Dokumente nähren nun den bereits bestehenden Verdacht, dass die US-Behörden besser über Al Kaida Bescheid wussten, als sie es je zugegeben haben. Eine Erklärung dafür, warum der Al-Kaida-Mann in den USA inhaftiert, dann aber entlassen worden war, steht noch aus.
In der Vergangenheit hielten bei den Gedenkfeiern zu den Terroranschläge vom 11. September Würdenträger am Ground Zero eine Rede. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf dem Privaten, dem persönlichen Schmerz, den der Verlust eines geliebten Menschen verursacht.
Foto: AFPEine pakistanische Untersuchungskommission hat unterdessen einen Bericht über den langjährigen Aufenthalt des getöteten Al-Kaida-Chefs Bin Laden der Regierung in Islamabad vorgelegt. Der Vorsitzende des Gremiums, der frühere Richter Javed Iqbal, übergab das Dokument an Premier Raja Pervez Ashraf. Das teilte dessen Büro am Donnerstag mit. Auftrag der Kommission war es herauszufinden, wieso Bin Laden bis zu seinem Tod über Jahre unentdeckt in Pakistan leben konnte.
Ob der Bericht auch veröffentlicht wird, ist noch unklar. Aus pakistanischen Regierungskreisen hieß es, Ashraf werde darüber entscheiden, ob die Untersuchungsergebnisse geheim gehalten werden sollten. Beobachter bezweifelten allerdings, dass die relevanten Teile des Berichts über den früheren Chef des Terrornetzwerks veröffentlicht werden sollten.
Bin Laden war Anfang Mai 2011 von einem US-Sonderkommando in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad getötet worden. Er hatte dort mehrere Jahre unbehelligt in einem Haus gelebt. Kurz nach Bin Ladens Tötung setzte die pakistanische Regierung die fünfköpfige Untersuchungskommission ein. Das Gremium befragte Regierungsmitglieder und Militärangehörige sowie die drei Witwen Bin Ladens.
Osama bin Laden galt bis zu seinem Tod als der meistgesuchte Terrorist der Welt. Am 2.Mai 2011 wurde er von US-Soldaten getötet.
Foto: AFP
Ein Jahr nach dem Kommandoeinsatz zur Tötung von Al-Kaida-Führer Osama bin Laden ist dessen Terrorgruppe nach Einschätzung von US-Geheimdienstmitarbeitern weitgehend erledigt. Es sei kaum vorzustellen, dass das Terrornetzwerk die Ressourcen, das Training und das Geld habe, um noch einmal Anschläge vom Ausmaß des 11. September zu verüben.
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