Mehr als 200 Tote und Tausende Vertriebene, das ist die Bilanz nach drei Tagen gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Christen und Moslems in der in Zentralostnigeria gelegenen Stadt Jos. Das Universitätskrankenhaus von Jos musste Verletzte wegen Überlastung fortschicken. "Neunzig Prozent der Fälle hatten Schussverletzungen, einige hatten auch Wunden von Messern und Pfeil und Bogen", sagt der Arzt Dabit Joseph.
Hilfsorganisationen sprechen davon, dass es kaum Wasser gebe und dass auch Lebensmittel knapp seien. Der Leiter des Roten Kreuzes in Jos, Awwalu Mohammed, sagte, dass die fünf provisorisch errichteten Lager für aus ihren Häusern Vertriebene, zum Bersten voll seien und dass sie Schwierigkeiten hätten alle zu versorgen. Die Regierung hat eine 24-Stunden-Ausgangssperre verhängt und zusätzliche Soldaten nach Jos geschickt, nachdem sich die Berichte gehäuft hatten, dass auf offener Straße geschossen wird und Gebäude und Autos in Brand gesteckt wurden.
Unklar ist, was genau die neuerliche Gewaltwelle ausgelöst hat. Einige Beobachter sprechen davon, dass es zu Auseinandersetzungen über den Bau einer Moschee in einem vorwiegend christlichen Stadtteil gekommen sei. Andere sagen, dass ein Nachbarschaftsstreit zwischen Moslems und Christen um den Wiederaufbau von Häusern, die bei Unruhen vor zwei Jahren zerstört wurden, eskaliert sei. In Jos hat es in den vergangenen zehn Jahren immer wieder Ausschreitungen gegeben.
Im November 2008 starben rund 700 Menschen. Nach den Kommunalwahlen warfen Anhänger christlicher und islamischer Parteien sich gegenseitig Wahlbetrug vor und gerieten aneinander. Bei einem ähnlichen Vorfall im September 2001 starben mehr als 1000 Menschen. Seit Ende der Militärherrschaft 1999 sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Nigeria rund 13500 Menschen Opfer von religiös oder ethnisch motivierten Kämpfen geworden. "Die meisten Täter werden nicht bestraft. Es ist schockierend, wie die Regierung versagt, irgendjemand zur Verantwortung zu ziehen", sagt Mitarbeiterin Corinne Dufka.
Der erkrankte Präsident Umaru Yar´Adua hat sich zu den Ausschreitungen bislang nicht geäußert. Sein Vize Goodluck Jonathan hat Hunderte Soldaten entsandt, um die Situation in Jos nicht weiter eskalieren zu lassen. Ein Armeesprecher teilte mit, dass die Situation unter Kontrolle und ruhig sei. Unterdessen berichtet BBC von Kämpfen in der 100 Kilometer entfernten Stadt Pankshin.
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