Berlin. Bei einem Bürgerfest in Berlin haben am Samstag 625.000 Menschen den 60. Jahrestag der Bundesrepublik gefeiert.
Zum Höhepunkt spielte die Staatskapelle Berlin unter Leitung von Daniel Barenboim Beethovens Neunte Symphonie. Das wollten sich auch der wiedergewählte Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht entgehen lassen.
Zusammen mit Köhlers Frau Eva Luise, Merkels Mann Joachim Sauer, mehreren Mitgliedern des Bundeskabinetts und Länder-Ministerpräsidenten sowie zehntausenden Bürgern verfolgten sie die Aufführung unter freiem Himmel direkt neben dem Brandenburger Tor.
Seit den Vormittagsstunden flanierten Zehntausende über die Feiermeile und informierten sich an den Ständen der Bundesländer, Ministerien, Parteien, Verbände und Kirchen. Die Rockband PUR sorgte für Stimmung, ebenso das Swing Dance Orchestra von Andrej Hermlin und die Bigband der Bundeswehr.
Sächsische Kartoffelpfannen, bayerischer Leberkäse und Bremer Lachsfilet sorgten dafür, dass niemand hungrig über das Fest schlendern musste. Auch zahlreiche Politiker zeigten sich nach Köhlers Wiederwahl.
Etwa zwei Kilometer entfernt demonstrierten am Abend etwa 2000 Linksradikale gegen den Staat und den 60. Jahrestag der Gründung der Bundesrepublik. Die Polizei war mit einem Großaufgebot präsent, um mögliche Krawalle wie am 1. Mai zu verhindern.
Die Erwartungen des Bundespresseamtes, das erst mit 250.000 und dann mit 500.000 Besuchern gerechnet hatte, wurden weit übertroffen. "Das Bürgerfest hat einen sensationellen Anklang gefunden. Es war das fröhliche Fest, wie wir es uns immer gewünscht haben", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Abend.
Nach der erneuten Wahl Köhlers ließen sich unter anderem der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Handball- Nationaltrainer Heiner Brand sehen. Außenminister und SPD- Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD) gab ausführlich Autogramme.
Vor allem an den Ständen der Landesvertretungen drängten sich die Besucher. Bayern zeigte in einer Ausstellung die Geschichte des Verfassungskonvents von Herrenchiemsee. Dort war vor 60 Jahren das Grundgesetz erarbeitet worden.
Den Besuchern gefiel offensichtlich die Mischung aus Information und regionalen Spezialitäten. Es sei wichtig, das Grundgesetz zu feiern und auch zu schützen, sagte ein junger Mann aus Frankfurt am Main.
Auf einer Bühne interviewte Moderatorin Sandra Maischberger prominente Gäste. Auf die Frage, was Heimat bedeute, antwortete etwa die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer: "Schwarzbrot, Leberwurst und Rhein. Das habe ich aber auch erst erkannt, nachdem ich zehn Jahre in Frankreich gelebt habe."
Kleine Präsente wie Luftballons und Tüten mit Informationsmaterial fanden reißenden Absatz. Großer Andrang herrschte im Zelt des Bundestages. Dort konnte die Wahl des Staatsoberhauptes auf Bildschirmen verfolgt werden. Den Besuchern wurde bis zum späten Abend ein buntes Unterhaltungsprogramm geboten.
Am Abend sollten auf einer Party der Sänger Udo Jürgens, Komiker Otto Waalkes sowie die Bands BossHoss und 17 Hippies auftreten. Das Grundgesetz trat am 23. Mai 1949 in Kraft. Dieses Datum gilt als Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland. (dpa)
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