Es ist paradox, Auschwitz und Deutschland positiv miteinander in Verbindung zu bringen. Dieses Mal aber scheint es erlaubt: Berlin überweist der Gedenkstätte des einstigen NS-Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau 60 Millionen Euro. Finanziert wird die Summe zur Hälfte von Bund und Ländern. Das Geld soll das Museum vor dem drohenden Verfall retten.
"Deutschlands Entscheidung ist ein Beleg seiner Verantwortung für die Geschichte, ein Zeugnis der Vertrauensgemeinschaft und Ausdruck des Glaubens an eine gemeinsame Zukunft", würdigte der Stiftungsgründer, der frühere polnische Außenminister und Auschwitz-Überlebende Wladyslaw Bartoszewski die deutsche Entscheidung. Während der NS-Herrschaft starben in Auschwitz-Birkenau rund 1,1 Millionen Menschen. Die meisten von ihnen wurden in den Gaskammern ermordet.
Anfang des Jahres hatte die polnische Regierung mehrere Staaten gebeten, bei der Rettung der Gedenkstätte zu helfen. Vier bis fünf Millionen Euro jährlich sind zu deren Unterhalt nötig. Das Geld stammt bislang überwiegend vom polnischen Staat sowie aus dem Erlös von Publikationen und Führungen. Doch die Jahrzehnte sind nicht spurlos an dem 190 Hektar messenden Gebäudekomplex vorübergegangen, der schon 1947 zu einem Museum umgebaut worden war. An den Ruinen der Gaskammern und den Baracken nagen Regen, Frost und Wind. Vor allem das Grundwasser setzt den Gebäuden zu. In Birkenau stehen die Fundamente der dort 45 Baracken im ständig feuchten Untergrund. Einige der Baracken des von den Nationalsozialisten errichteten Vernichtungslagers mussten aus Sicherheitsgründen bereits geschlossen werden. Zudem greifen Überschwemmungen die Bausubstanz immer wieder an. Die Erhöhung und Verlängerung des Dammes zur nahen Weichsel ist seit Jahren geplant, scheiterte bisher allerdings vor allem an der Finanzierung.
Aus diesem Grund hatte der Stiftungsrat die Bildung eines Fonds in Höhe von 120 Millionen Euro vorgeschlagen. Zum Erstaunen der polnischen Seite, war die Bereitschaft der internationalen Staatengemeinschaft, sich zu beteiligen, eher von Zurückhaltung geprägt. Deshalb reagierte der Leiter der Stiftung Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski, geradezu euphorisch auf die Millionenzusage aus Berlin. "Das ist ein großer Tag", sagte er. Nun werde aus dem Plan des langfristigen Erhalts der Gedenkstätte Realität. Und auch Bartoszewski hofft, "dass dieser Schritt auch andere Staaten zur Unterstützung der Stiftung bewegt".
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