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08. März 2010

8. März - Pro & Contra: "Abschaffen!"

Alle Jahre wieder am 8. März stellt sich die Frage: Ist der Frauentag überflüssig? Bei der Gleichberechtigung hapert es noch immer. Alice Schwarzer plädiert für die Abschaffung des Frauentags, Caroline Korneliy dagegen. Ein Pro und Contra.

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Alice Schwarzer (geb. 1942) ist eine der bekanntesten Vertreterinnen der neuen deutschen Frauenbewegung. Sie ist Gründerin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma. Zur Zeit macht sie mit ihrer Kritik über die differenzierte Berichterstattung zum Fall Jörg Kachelmann Schlagzeilen.

Caroline Korneli (geb. 1982) ist Moderatorin im Fernsehen und im Radio sowie Schauspielerin. Außerdem macht sie Einspieler in der Harald-Schmidt-Show. Zusammen mit Markus Kavka hat sie das Buch "Mach mir mal ´ne Nudelsuppe, bevor ich Dich besudel, Puppe!" verfasst, in dem es um das heutige Rollenverständnis von Frau und Mann geht. Korneli hat zwei Kinder.

Contra 8. März

Von Alice Schwarzer

Auch in diesem Jahr wird am 8. März vieles passieren, was mir Freude macht: Die Iranerinnen in Deutschland gehen für die Menschenrechte in ihrer Heimat auf die Straße; die Frauen in Wittenberg klettern auf die Kirchturmspitze und flaggen: Mehr Frauen an die Spitze!; in der ganzen Welt marschieren Frauen, wie jedes Jahr, mit beim Marche Mondiale für mehr Frauenrechte - und last but not least präsentiert Emma an diesem 8. März ihre frisch relaunchte neue Homepage.

Ja, und dann sind da noch all die Politiker und Politikerinnen, die an diesem Tag den Frauen in ihren guten Stuben einen Sekt ausgeben; und das in Vorwahlzeiten besonders gerne in Anwesenheit der Medien. Nicht zu vergessen die Zeitungen, die entweder beflissen die Frauenevents zum 8. März melden oder aber mal wieder ihre Glossenschreiber antreten lassen.

Wir haben uns also längst daran gewöhnt, dass der 8. März der "Frauentag" ist. Nur: Woher kommt der eigentlich?

Von der Frauenbewegung auf jeden Fall nicht. In den 1970er Jahren kannten wir keinen 8. März. Es muss so Anfang der 80er Jahre gewesen sein, als der auftauchte. Im Westen. Im Osten war er wohlbekannt.

Denn in der DDR war der 8. März seit Staatsgründung so etwas wie ein "sozialistischer Muttertag". Muttern bekam das Frühstück gemacht, bevor sie in die Brigade eilte; Vatern überreichte der Seinen rote Nelken; im Betrieb gab´s Kaffee und Kuchen. Und der Staatsratsvorsitzende empfing die allerverdientesten Genossinnen zum Sektempfang.

Und in manchen sozialistischen Ländern amüsierten sich übermütige Genossen an diesem Tag damit, die dreifach belasteten Frauen (Betrieb, Einkaufsschlange, Kinder) mit Parfüm zu bespritzen, mit billigem Parfüm. Eine Handlung, die vom symbolischen Gehalt des karnevalesken Krawattenabschneidens der Frauen an Weiberfastnacht in nichts nachsteht Kurzum: Der 8. März ist eine sozialistische Erfindung, die auf einen Streik von tapferen Textilarbeiterinnen zurück geht und 1910 auf der 2. Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen in aller Form beschlossen wurde. "Genossinnen! Arbeitende Frauen und Mädchen!" schrieb Clara Zetkin 1911 in der Gleichheit, "der 19. März (der später zum 8. März wurde, Anm. d. Red.) ist euer Tag. Er gilt eurem Recht!"

Doch gerade die Frauenbewegung entstand bekanntermaßen Anfang der 1970er Jahre im Westen nicht zuletzt aus Protest gegen die Linke. Eine Linke, die zwar noch die letzten bolivianischen Bauern befreien wollte, die eigenen Frauen und Freundinnen aber weiter Kaffee kochen, Flugblätter tippen und Kinder versorgen ließ. Und die realsozialistischen Länder waren in den obersten Etagen bekanntermaßen auch frauenfrei. Unter diesen Vorzeichen ist die Übernahme des sozialistischen Muttertags als "unser Frauentag" für Feministinnen, gelinde gesagt, der reinste Hohn.

Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, wie die Moderatorin Caroline Korneli Alice Schwarzer contert.

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