Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flucht und Zuwanderung | USA nach der Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

21. Februar 2016

92. Geburtstag von Robert Mugabe: Machtkampf um Mugabes Nachfolge

 Von 
Möchte bis zu seinem Tod der Präsident von Simbabwe bleiben: Robert Mugabe.  Foto: AFP

Auch mit 92 Jahren denkt der Staatschef von Simbabwe, Robert Mugabe, nicht an ein Ende seiner politischen Karriere. 2018 will er erneut antreten. Dabei toben schon im Vorfeld von Mugabes Geburtstag Straßenschlachten in der Hauptstadt Harare.

Drucken per Mail

Der Mann tut einem zunehmend leid. Statt seinen 92. Geburtstag im Kreis seiner Familie zu Hause im Lehnstuhl feiern zu können, muss sich der simbabwische Staatschef Robert Mugabe selbst an seinem Ehrentag am gestrigen 21. Februar mit beispiellosen Kämpfen innerhalb seiner Partei, der Zanu/PF, um seine Nachfolge herumschlagen.

Am Freitag lieferten sich in der Hauptstadt Harare die Kriegsveteranen mit der Polizei regelrechte Straßenschlachten: Während die ausgedienten Befreiungskämpfer Mugabes Stellvertreter Emmerson Mnangagwa in den Schuhen des bisher einzigen Regierungschefs des 1980 unabhängig gewordenen Staats sehen wollen, steht die Polizei hinter Mugabes Ehefrau Grace.

Dabei dürfte es den Streit um die Nachfolge gar nicht geben. Der seit 36 Jahren amtierende Regierungschef sicherte sich im vergangenen Jahr noch eine weitere Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2018: Würde der alte Mann den Urnengang mit Hilfe seiner erfahrenen Manipulationsbrigaden wie immer gewinnen, wäre er zum Ende der nächsten Amtszeit immerhin 99 Jahre alt. Beim Gipfel der Afrikanischen Union (AU) im Januar versicherte Mugabe seinen stehend applaudierenden Kollegen, auf seinem Posten zu bleiben, „bis Gott mich zu ihm ruft“. Und seine Ehefrau kündigte an, ihren Mann „notfalls mit der Schubkarre ins Amt“ zu rollen.

Dazu fehlt nicht mehr viel. Im vergangenen Jahr fiel der Tattergreis bereits vom Podium, las eine Rede zweimal vor und nickte selbst während Kabinettsitzungen ein. Kürzlich kursierten wieder mal Gerüchte, dass der Staatschef ernsthaft erkrankt sei: Dieses Mal solle er einen Herzinfarkt erlitten haben. Auch wenn sie trotzig seine Unverwüstbarkeit preisen, wissen selbst Mugabes treueste Verehrer, dass die Jahre des simbabwischen Gründervaters gezählt sind.

Zumindest verdeckt tobt der Kampf um die Nachfolge deshalb schon lange. Anfang vergangenen Jahres wurde Vizepräsidentin Joyce Mujuru auf unsanfte Weise aus ihrem Amt und der Partei gedrängt. Mugabe warf ihr vor, ihn umbringen zu wollen. Stattdessen brachte der Präsident seine vierzig Jahre jüngere Frau als Galionsfigur einer im Volksmund „G 40“ (Generation 40) genannten Gruppierung in Position. Sie liefert sich seitdem zunehmend heftige Kämpfe mit dem „Lacoste Team“ des „Krokodils“ Emmerson Mnangagwa: Ein Hardliner, der Mugabe schon seit dem Befreiungskampf begleitet und mindestens so viele Leichen wie der Autokrat selbst im Schrank hat.

Offensichtlich traut ihm Mugabe nicht, wenn es um die posthume Bewahrung seines – auch wirtschaftlichen – Familienimperiums geht. Umgekehrt zweifeln selbst Zanu/PF-Mitglieder an den intellektuellen Fähigkeiten der Präsidentenfrau, deren kometenhafte Karriere als Sekretärin im Amt des Regierungschefs begann. Grabbin‘ Grace, die grabschende Grace, gilt in Simbabwe als geldgierige Aufsteigerin.

Beobachter halten es für möglich, dass der inzwischen offene Machtkampf das ohnehin schwer gebeutelte Land in einen weiteren blutigen Konflikt stürzen könnte. Mugabe musste wegen der anhaltenden Dürre in der vergangenen Woche bereits den Notstand ausrufen. Zur Ernährung der Bevölkerung seien mindestens 1,4 Milliarden Dollar aus dem Ausland nötig, hieß es.


Die politischen Analysen und Kommentare der FR -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

Das hindert Mugabe nicht, seinen Geburtstag am kommenden Sonntag mit einer eine Million Dollar teuren Party zu feiern. Die Attraktion soll eine 92 Kilogramm schwere Torte werden. Da fühlt sich mancher an die enthaupteten französischen Monarchin Marie Antoinette erinnert. Sie soll gesagt haben: „Wenn das Volk kein Brot hat, dann lasst es doch Kuchen essen!“

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

EU-Parlamentspräsident

Ausgerechnet Tajani

Von  |
Im EU-Parlament umstritten: Antonio Tajani

Ließ sich unter den 751 Europaabgeordneten kein besserer Kandidat finden? Das ist traurig. Ebenso wie die Aussicht, dass das Straßburger Plenum in Selbstreflexion zu versinken droht. Der Leitartikel. Mehr...

Leitartikel

Angriff auf den Wohlstand

BMW-Produktion in Dingolfing (Bayern).

Mit ihrer Abschottungspolitik gefährden Theresa May und Donald Trump die internationale Kooperation und den wirtschaftlichen Erfolg hiesiger Firmen. Mehr...

 

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung