Ein Bündnis aus vier Anti-Korruptions-Organisationen läuft Sturm gegen Pläne des Bundestags, Nebeneinkünfte der Abgeordneten zu „verschleiern“. So nennt jedenfalls Jochen Bäumel, Vorstand von Transparency International, was am Donnerstag im Geschäftsordnungsausschuss besprochen wird.
Mitte April hatte sich der Ältestenrat auf eine Neuregelung der Offenlegungspflicht geeinigt. Einkünfte, die die Abgeordneten zusätzlich zu Diäten erhalten, sollen nicht mehr in drei Stufen veröffentlicht werden. Bisher mussten nur Einkünfte unter 1000 Euro im Monat oder einmalig 10.000 Euro gar nicht offengelegt werden. Nebeneinkünfte zwischen 1000 und 3500 Euro müssen als Stufe 1 angezeigt werden, bis 7000 Euro als Stufe 2, alles darüber als Stufe 3. Weil so unklar bleibt, ob knapp über 7000, eher 70.000 oder 700.000 Euro eingenommen wurden, soll nun ein siebenstufiges Modell kommen, das zugleich auf jährliche Erfassung „vereinheitlicht“ würde: Stufe 1 beginnt mit Einkommen von 10.000 Euro pro Jahr, Stufe 7 beginnt bei 150.000 Euro pro Jahr.
Dass oberhalb 7000 Euro genauer hingesehen wird, begrüße man zwar, sagte Bäumel. Er sehe aber nicht ein, wieso die Abgeordneten nicht alles wie in England „auf Heller und Pfennig genau“ angeben. Schwarz-Gelb fürchtet, dadurch würden Freiberufler als Abgeordnete verschreckt.
Die Hauptkritik von Campact, Lobby-Control, Transparency und Mehr Demokratie richtet sich aber gegen die Abschaffung der monatlichen Meldegrenze. Wenn Einkünfte unter 10.000 Euro künftig gar nicht mehr angezeigt würden, werde es etwa möglich, zehn Honorare à 9000 Euro aus einer Branche zu beziehen – so lange stets verschiedene Firmen zahlen, kritisierte Nina Katzemich von Lobby-Control. „Hoch dotierte Vorträge oder Beraterjobs sind bereits ein beliebtes Lobbyinstrument.“ Eine Lücke unter 10.000 Euro erleichtere Abgeordneten, engen Kontakt zu bestimmten Branchen zu verschleiern.
Die Grünen teilen die Kritik und wollen nachverhandeln. „Entweder muss wieder eine monatliche Bagatellgrenze her – oder die jährliche Grenze muss deutlich gesenkt werden“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, der Frankfurter Rundschau. Vorstellbar sei etwa eine Untergrenze von 5000 Euro pro Jahr. Die vier Organisationen fordern, Nebeneinkünfte weiter ab 1000 Euro im Monat offenzulegen.
Unter www.wer-bezahlt.de sammeln sie Unterschriften für die Forderung.
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