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19. Oktober 2012

Abitur: Schulen graut vor mehr Durchfallern

 Von Martin Klesmann
Einigung: Ab 2017 soll es ein einheitliches Abitur geben.

Berlin wird 2017 seine Abiturprüfungen in vier Fächern aus einem zentralen Aufgaben-Pool erhalten. Damit werden die Prüfungen moderner und lebensnaher gestaltet

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Vom Jahr 2017 an kann sich Berlin seine Abiturprüfungsaufgaben in Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch aus einem deutschlandweit zentralen Aufgaben-Pool holen. Schon wegen der unterschiedlichen Prüfungstermine und Ferienzeiten werden Berliner Abiturienten aber nicht die gleichen Prüfungen wie die als leistungsstark geltenden bayrischen Abiturienten schreiben. Der Berliner Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) glaubt nicht, dass Abiturienten ab 2017 in größerem Maße an den Abiturprüfungen scheitern als heute. „Einheitlichen Standards bedeuten eine Modernisierung der Prüfungsaufgaben, die Aufgaben werden lebensnaher gestaltet sein“, sagte Rackles. Tatsächlich sollen künftig in Mathe mehr alltagsnahe Aufgaben zum Einsatz kommen. In Englisch soll auch mal eine Gebrauchsanweisung statt einer Shakespeare-Interpretation Stoff sein.

Vereinheitlichung wird zu Niveauverlusten führen

„Aber wir wissen um die Leistungsdifferenzen“, heißt es in der Senatsverwaltung. Man habe in Berlin bestimmte Schülergruppen – Migranten und Kinder aus bildungsfernen Familien –, die es in anderen Bundesländern so nicht gebe. Dennoch legen in Berlin überdurchschnittlich viele Kinder, etwa 40 Prozent eines Jahrgangs, das Abitur ab. An manchen Berliner Sekundarschulen mit gymnasialer Oberstufe befürchtet man eine höhere Durchfaller-Quote, wenn die gemeinsamen Bildungsstandards gelten. Schon jetzt ist der Anteil migrantischer Abiturienten rückläufig. Ralf Treptow vom Gymnasialleiterverband sorgt sich hingegen nicht. „Eine Vereinheitlichung wird immer zu Niveauverlusten führen“, sagt Treptow, Leiter des Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasiums. Nach der Einführung des Zentralabiturs seien seine Schüler bei den zentralen Prüfungen besser als bei dezentralen.

Berliner Abiturienten werden immer besser

Insgesamt setzt sich die Abiturnote ohnehin zu zwei Dritteln aus den Fachleistungen der vergangenen zwei Schuljahre zusammen, nur zu einem Drittel zählen die Abschlussprüfungen, die auch nicht immer zentral sind. Der Notenschnitt der Berliner Abiturienten hat sich stetig verbessert (siehe Grafik). Das liegt neben der unbestrittenen Schülerleistung daran, dass Berlin 2006 eine Präsentationsarbeit als fünfte Prüfungskomponente eingeführt. Darauf kann man sich lange vorbereiten. Zudem wird ein weniger strenges Notenraster angewendet.

Wie schwierig die länderübergreifende Zusammenarbeit ist, zeigt sich beim gemeinsamen Zentralabitur von Berlin und Brandenburg. Denn beide Oberstufensysteme entwickeln sich auseinander. Brandenburg hat Leistungs- und Grundkurse abgeschafft, setzt auf Kernkompetenzfächer mit vier Stunden pro Woche. Berlin hat Leistungskurse mit fünf Stunden die Woche. Da bleibt die Vergleichbarkeit auf der Strecke. Stellt sich angesichts des KMK-Beschlusses die Frage: Wie im Großen funktionieren soll, was im Kleinen schon nicht klappt.

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