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19. Januar 2013

Abschiebung: McAllister soll Flüchtling zurückholen

 Von Steven Geyer
Schahnas Naso hofft auf ein Einsehen.Foto: change.org

Schahnas Naso appelliert an Niedersachsens Ministerpräsidenten David McAllister, ihrem abgeschobenen Bruder eine Rückkehrerlaubnis nach Deutschland zu gewähren.

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Als sie ihrem Bruder per Internet-Telefon von ihrem Erfolg berichtete, konnte der es vor Freude kaum fassen: Im Kampf um das Schicksal ihres Bruder Anuar hat die 20-jährige Niedersächsin Schahnas Naso es geschafft, dass Ministerpräsident David McAllister (CDU) sie empfangen und sich am Freitag die ganze Leidensgeschichte angehört hat – die die Behörden seines Landes angerichtet haben.

Die Geschichte beginnt, als Anuar Naso, damals knapp 16 Jahre alt, im Februar 2011 nachts von Polizisten aus seinem Bett gezerrt wird. Mit Vater und Mutter soll er in deren Heimat Syrien abgeschoben werden – obwohl da bereits der Bürgerkrieg tobt. Die Eltern waren zehn Jahre zuvor mit ihren Kindern geflohen, weil sie als staatenlose Kurden verfolgt wurden.

In Deutschland erhielten sie kein Asyl, aber eine Aufenthaltsgenehmigung. Anuar und Schahnas sprechen bald nur noch Deutsch, er spielt im Fußballverein und steht kurz vor dem Hauptschulabschluss, als die Ausländerbehörde in Hildesheim noch schnell ein paar Syrier abschieben will, ehe der Bund wegen des Kriegs einen Abschiebestopp verhängt. Der gilt seit 2011, zu spät für Anuar.

Negativ-Aussicht recherchiert

Die meisten seiner Geschwister sind heute erwachsen, haben Jobs und Familien in Deutschland. Auch gegen Schahnas liegt nichts vor, was gegen eine positive Integrationsprognose spricht. Doch für Anuar recherchiert das Amt eine Negativ-Aussicht zusammen: schlechte Noten in Geografie; eine unbewiesene, von ihm bestrittene Anschuldigung, er habe bei einem Handy-Klau Schmiere gestanden; fragwürdige Papiere mit widersprüchlichen Angaben der syrischen Botschaft. Mit Anuar selbst spricht niemand; dass er viel besser Deutsch als Kurdisch und gar kein Arabisch spricht und fast nur deutsche Freunde hat, ist egal; das Lob eines Betriebes für ein Praktikum wird ignoriert.

Als seine Mutter bei der Abschiebung zusammenbricht, darf auch sie bleiben – Anuar und sein Vater, werden nach Damaskus geflogen. Dort trennen die Behörden sie sofort und stecken sie ins Gefängnis. „Anuar wurde dort gefoltert und misshandelt“, sagt seine Schwester mit brüchiger Stimme.

Nach einem Monat kommen Vater und Sohn frei, fliehen in den Kriegswirren nach Sofia; dort warten sie in einem Zimmer seit Monaten auf eine Rückkehrerlaubnis nach Deutschland. Weil die Behörden die verweigern, hat Schahnas Naso Anfang Januar eine Petition auf der Plattform Change.org gestartet, in der sie McAllister bittet, einzulenken (change.org/anuarsschicksal).

Bis jetzt erreichte sie fast 12.700 Unterschriften – und die Einladung zu McAllister. Er sei sehr nett gewesen, erzählt sie danach, und habe versprochen, sich den Fall anzusehen. „Jetzt habe ich endlich wieder etwas Hoffnung, und mein Bruder sieht ein Licht am Horizont.“

Niedersachsens Staatskanzlei wollte sich am Freitag auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern.

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