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22. April 2013

Abtreibung in Irland: Schwanger bis zum Exitus

 Von 
Nie wieder: Der Protest, wie hier im November 2012, geht weiter.  Foto: AP

Einer jungen Frau in Irland wird trotz starker Schmerzen eine Abtreibung verweigert. Sie stirbt. Nun stellt eine Kommission offiziell fest: Ihr Tod war ein medizinischer Unfall. Das Urteil löst eine neue Welle von Protesten aus.

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Belfast –  

Der Tod einer schwangeren Frau, der in einem Krankenhaus in der streng katholischen Republik Irland eine Abtreibung verweigert wurde, hat weltweit für Fassungslosigkeit gesorgt. Mit dem Abschluss der richterlichen Untersuchung in der Stadt Galway hat sich die Empörung nicht gelegt. Die Jury ist einstimmig zu dem Schluss gelangt, dass es sich um einen medizinischen Unfall handelte. Der Witwer der verstorbenen Savita Halappanavar gelangte zu einem anderen Urteil: „Abscheulich, barbarisch, unmenschlich.“

        

Savita Halappanavar starb mit 31 Jahren an einer Blutvergiftung.
Savita Halappanavar starb mit 31 Jahren an einer Blutvergiftung.

Savita Halappanavar, eine 31 Jahre alte Zahnärztin indischer Abstammung, war in der 17. Schwangerschaftswoche, als sie im Oktober 2012 mit Schmerzen in die Universitätsklinik der Stadt Galway im Westen der Insel eingeliefert wurde. Eine Untersuchung ergab, dass das Kind nicht überleben würde. Den mehrmals geäußerten Wunsch der Eltern nach einer Not-Abtreibung lehnte das medizinische Personal ab. Erst als der Herzschlag des Fötus am dritten Tag aufhörte, nahm die Klinik eine Ausschabung vor. Die junge Frau starb vier Tage später an einer Blutvergiftung.

Systematische Mängel der Behandlung

„Sie erhielt nicht mehr Pflege, als wenn sie zu Hause geblieben wäre“, erklärte ihr Mann Praveen Halappanavar nach der Verkündung des Urteil der richterlichen Untersuchung: „Wenn sie gewusst hätte, dass sie sich in Lebensgefahr befand, wäre sie aus dem Bett gesprungen und hätte ein anderes Krankenhaus aufgesucht. Aber man hat uns im Dunkeln gelassen.“

Die elfköpfige Jury in Galway erkannte zwar systematische Mängel bei der Behandlung. Aber diese haben laut Urteil nicht den Tod der schwangeren Zahnärztin ausgelöst. Die Untersuchung, ein sogenannter Inquest, soll lediglich die Todesumstände klären, Strafen werden bei diesem Verfahren nicht verhängt. Der Richter sprach jedoch eine Reihe von Empfehlungen aus: Die wichtigste lautet, dass die irische Ärztekammer endlich bis ins Detail klären muss, unter welchen Umständen Mediziner eine Abtreibung vornehmen können, um Leben zu retten.

Den Ärzten fehlen Richtlinien

Irland – zumindest die südliche Hälfte der Insel – sei katholischer als der Vatikan, haben Kritiker in der Vergangenheit oft behauptet; Irlands Anti-Abtreibungsgesetze spiegeln diese Sicht noch heute: Schwangerschaftsabbrüche sind in der Republik verboten. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs von 1992 darf allerdings eine Abtreibung eingeleitet werden, wenn unmittelbare Gefahr für das Leben der Mutter besteht. Doch für den klinischen Alltag wurden diese Richtlinien nie ausreichend präzisiert. „Es gibt keine Richtlinien. Ärzte arbeiten in einem rechtlichen Vakuum“, sagte ein medizinischer Gutachter bei der Untersuchung. Im Fall der verstorbenen Zahnärztin hätte dies bedeutet: An den Tagen, an denen noch keine akute Lebensgefahr bestand, hätte ein Schwangerschaftsbruch ihr Leben retten können. Danach war es zu spät.


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Irlands Gesundheitsminister James Reilly versprach, dass Lehren aus dem Fall gezogen würden: Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Untersuchung würden in die neue Gesetzesvorlage einfließen, die die Regierung am Dienstag in Dublin vorstellen will. Richter Ciaran MacLoughlin sprach dem Witwer unterdessen sein Beileid im Namen des Landes aus. „Ganz Irland hat an Ihrem Schicksal Anteil genommen.“

Praveen Halappanavar erwägt laut der Zeitung Irish Times, den Fall vor den Europäischen Menschengerichtshof zu bringen.

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