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Politik
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18. November 2012

Abtreibung verboten: Moral ohne Gnade

 Von Maritta Tkalec
Trauer in Irland um Savita Halappanavar.  Foto: AFP

In Irland sind Abtreibungen selbst bei Lebensgefahr verboten. Der qualvolle Tod einer jungen Frau treibt Tausende Demonstranten auf die Straßen von Dublin. Die Familie der Toten erwägt eine Klage gegen Ärzte und Politiker.

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Es hat die Ärzte im Universitätskrankenhaus der irischen Stadt Galway nicht interessiert, dass das Baby nicht mehr zu retten war, als die Mutter mit einer beginnenden Fehlgeburt und starken Schmerzen eingeliefert wurde; es hat sie nicht interessiert, dass die in der 17. Woche schwangere Savita Halappanavar vier Tage lang vor ihren Augen furchtbare Qualen erlitt; ihnen war gleichgültig, dass die 31-Jährige in Lebensgefahr schwebte.

Zu spät operiert

Sie folgten dem katholischen Dogma, das in Irland Gesetzeskraft hat: Eine Abtreibung ist unter keinen Umständen erlaubt. Erst als es zu spät war, das Kind im Mutterleib längst tot, da nahmen sie eine Operation vor, um den Fötus zu entfernen. Die junge Frau starb in Agonie an Blutvergiftung. Das tödliche Gift eines vermeintlich ethisch wertvollen, in Wahrheit menschen- und lebensfeindlichen Prinzips, brachte sie um.

Dieser furchtbare Fall trieb am Sonntag 10.000 Menschen in der irischen Hauptstadt Dublin auf die Straße. Sie fordern: Abtreibung muss bei Lebensgefahr für die Mutter erlaubt sein. Wenigstens dann. In einer Schweigeminute gedachten sie der jungen Toten.

"Zeigen Sie Menschlichkeit!"

Mit den Fotos der schönen Frau, die aus Indien stammte und eine gute Zukunft als Zahnärztin vor sich hatte, zogen sie vor den Amtssitz von Ministerpräsident Enda Kenny. Der Vater der Toten flehte in einem Interview den Premier an, die Gesetze zu ändern, um künftig das Leben von Frauen zu retten. „Zeigen Sie Menschlichkeit!“, bittet der Hindu. Irische Ärzte müssen mit Strafverfolgung rechnen, wenn sie eine Abtreibung vornehmen, um die Frau zu retten.

Ob nun endlich auch den stock-konservativen Iren der Schreck in die Knochen fährt, ob sie nun endlich auch das Inhumane und die Frauenverachtung ihrer fundamentalistischen Moralregeln erkennen? Noch ist davon nichts zu erkennen, es gab keine Spur des Bedauerns, des Mitgefühls für die Familie der Toten.


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Vizeministerpräsident Eamon Gilmore meldete sich mit Worten, aus denen immerhin Verunsicherung spricht: „Wir brauchen Rechtsklarheit in dieser Sache. Wir brauchen in diesem Land Sicherheit. Es dürfen in einem Krankenhaus in verschiedenen Situationen keine Zweifel aufkommen, die dann das Leben einer Mutter gefährden.“ Das fand der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bereits vor zwei Jahren, als er klare Regeln für den Schwangerschaftsabbruch verlangte. Premier Kenny sagte vage zu, sich des Falls anzunehmen.

Der Witwer und der Vater sind überzeugt, dass Savita Halappanavar noch leben würde, wäre nur der Fötus früher entfernt worden. Die Familie erwägt, die verantwortlichen Ärzte und Politiker zu verklagen.

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