100 Soldaten weniger in Afghanistan. Angesichts einer Truppenstärke von knapp 5.300 Mann - in den vergangenen Jahren war die Zahl der deutschen Soldaten hier immer weiter aufgestockt worden - ist das nicht viel. Aber es ist ein Anfang, ein "Zeichen der Trendumkehr", wie es Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) gegenüber der Nachrichtenagentur dapd in Berlin formulierte.
Großer Empfang "unangemessen"
Die Reduzierung wird nach den Worten de Maizières nicht als Abzug einer Einheit erfolgen, sondern im Rahmen des ohnehin anstehenden Kontingentwechsels. Die 100 Soldaten würden also nicht so abgezogen, „dass man sie sozusagen mit großen Bahnhof begrüßen könnte“.
Auch halte er es für „unangemessen“, irgendetwas zu zelebrieren, „um am Flughafen in Köln irgendwie dann aus reiner Symbolik Soldaten zu begrüßen. Das geben die Zahlen nicht her und dafür stehe ich nicht zur Verfügung.“
Abzug wird schwierig
Die Hoffnungen auf einen raschen und kontinuierlichen Truppenabzug hat de Maizière damit erst einmal gedämpft. Deutschland habe die Verantwortung im Norden Afghanistans, und 17 andere Staaten seien von der Bundeswehr abhängig. Deswegen müsse ein solcher Abzug „aus fachlichen Gründen, aber auch aus Bündnisgründen koordiniert werden“.
Hinzu komme, dass sich die Nachschub- und damit faktisch auch die möglichen Abzugswege von der West-Ost-Richtung über Pakistan hin in den deutschen Verantwortungsbereich im Norden verlagerten. Das müsse bei allen Planungen berücksichtigt werden.
Allerdings hält auch der Verteidigungsminister an den Plänen fest, bis Ende 2014 die Kampftruppen nach Hause zu holen - "sollte es die Lage zulassen".
Friedensgespräche auch mit den Taliban
In dem Gespräch beharrte de Maizière auch weiter darauf, mit den Taliban Friedensverhandlungen zu führen. Die afghanische Opposition hatte zuvor gefordert, sich nicht auf Gespräche mit den Taliban einzulassen. Ein Land wie Afghanistan ohne eine zentralstaatliche Tradition könne nicht Frieden finden, wenn nicht „alle relevanten Teilnehmer und Gruppen in irgendeiner Art und Weise daran beteiligt werden“ - und das müsse doch das Ziel von Friedens- und Fortschrittsverhandlungen sein, begründet de Maizière seinen Standpunkt.
Von selbst verstehe sich, dass dabei bestimmte Bedingungen wie Gewaltverzicht und Anerkennung von Rechtsgrundlagen erfüllt werden müssten. Ob das am Beginn oder am Ende solcher Verhandlungen stehe, sollte dem Verhandlungsprozess überlassen werden. „Aber ohne jedenfalls einen Teil dessen, was man gemeinhin als Taliban bezeichnet, wird es nicht dauerhaft Frieden geben.“ (dapd)
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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