Gori. Die russischen Soldaten, die an diesem heißen Augusttag den Eingang zur Stadt Gori sperren, hätten nichts dagegen, wenn sie endlich den Befehl zum Rückzug erhalten würden. "Doch bisher ist davon keine Rede", sagt einer der Soldaten. Statt sich Richtung Norden erst nach Südossetien zurück- und dann weiter nach Russland abzuziehen, fahren russische Schützenpanzer den ganzen Tag aus Gori in die andere Richtung - auf der in die georgische Hauptstadt Tiflis führenden Hauptstraße.
An Bushaltestellen und aufgegebenen Tankstellen haben die Russen alle paar Kilometer einen Kontrollpunkt errichtet. Neben der Straße sind Schützenpanzer eingegraben. Während Agenturen erste Zeichen der Entspannung erkennen wollten, sah der Korrespondent der FR am Dienstag am Stadtrand von Gori, wie schwere Militärlaster und Baufahrzeuge der Armee Richtung Tiflis fuhren, um russische Stellungen abseits der Straße zu befestigen.
Am vordersten russischen Posten, auf halber Strecke zwischen Gori und Tiflis im Dorf Igoeti, stehen auf der einen Seite des Flusses Letschura Russen mit Schützenpanzern. Auf der anderen, hundert Meter entfernt, stehen Georgier - keine Soldaten, ein paar Dutzend Polizisten vertreten die georgische Staatsmacht. Am Montag rempelte ein russischer Panzer einfach hindurch, als die Polizisten sich weigerten, mit ihren Autos die Straße freizugeben.
Am Dienstag immerhin kam es an dieser erstarrten Front zu einer friedlichen Begegnung. Neben der Straße wirbelte Staub auf, als zwei russische Militärhubschrauber landeten und gefangene und verletzte georgische Soldaten ausluden. Fünfzehn Georgier wurden gegen zwölf Russen ausgetauscht.
Kein Zutritt für Westpresse - Russen filmen "ruhmreiche Wiederaufbauarbeit"
Nach Gori hinein durften nur humanitäre Konvois der Vereinten Nationen, des Roten Kreuzes und des World Food Programs. Westliche Journalisten ließen die Soldaten nicht in die Stadt; einige russische Journalisten reisten dagegen am Mittag in Begleitung russischer Militärs aus der südossetischen Hauptstadt Zchinwali nach Gori. In Zchinwali "durften wir in den letzten Tagen die ruhmreiche Wiederaufbauarbeit der russischen Armee filmen", sagte einer der russischen Journalisten.
In Gori sollten die von den Militärs streng bewachten Journalisten "den Beginn des russischen Abzugs drehen", sagte ein französischer Fernsehkorrespondent, der einzige Ausländer in der Gruppe. Ihnen wurden vier Schützenpanzer und drei Panzer vorgeführt, die aus Gori abfuhren und angeblich den Beginn des Abzugs bildeten.
Desinformation und gespielter Abzug
In Zchinwali habe er keine Anzeichen für einen Abzug aus dem georgischen Kerngebiet gesehen, sagte der Franzose. Im Gegenteil seien noch am Dienstagmorgen "viele ossetische Milizangehörige aus Zchinwali nach Gori abgezogen. Das durften wir natürlich nicht drehen".
An den russischen Kontrollpunkten zwischen Tiflis und Gori trugen am Dienstag viele Soldaten, die noch tags zuvor in normalen Uniformen gesteckt hatten, brandneue Montur mit dem runden, blau-gelben Aufnäher "MC"- der russischen Abkürzung für "Friedenstruppen".
Einer der aus Zchinwali kommenden Journalisten berichtete: "Die lassen uns jetzt ein paar Einheiten filmen, die angeblich abziehen, dann ziehen sie sich die neue Uniform an und tauchen als ,Friedenstruppen' wieder auf."
Legitimation für neue Stützpunkte neun Jahre alt
Am Montag brachte Russland ein Dokument von 1999 ins Spiel: ein Protokoll der aus Russen, Osseten und Georgiern gebildeten Internationalen Kontrollkommission, das Friedenstruppen Zutritt zu georgischem Gebiet bis zum Dorf Karaleti gestattet, sechs Kilometer nördlich von Gori. Dort begann das russische Militär am Dienstag mit dem Bau neuer befestigter Kontrollpunkte, wie ein Reporter der New York Times sah.
In der georgischen Stadt Poti, weit weg von den umstrittenen Gebieten Südossetien und Abchasien, blockierten russische Soldaten mit Schützenpanzern den Zugang zum Hafen. Ein Reporter der Agentur ap hörte Explosionen und war Zeuge, wie die Soldaten 22 Georgier festnahmen, die die Blockade verhindern wollten.
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