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Ackermann, mal anders gesehen

Christdemokraten-Initiative ehrt Banker - und verärgert Rüttgers

Alle hacken auf Josef Ackermann herum. Nur bei Christdemokraten gilt er noch als preiswürdig. Zumindest in Nordrhein-Westfalen mag ein Verein, in dessen Kuratorium NRW-Landeschef Jürgen Rüttgers (CDU) sitzt, den notorisch umstrittenen Chef der Deutschen Bank. Die "Initiative Forum Zukunft e.V." verleiht dem Prozessgewinner und Victoryzeichen-Zeiger ihren Zukunftspreis 2008. Im November soll der umstrittene Banker mit großem Brimborium in Bonn geehrt werden.

"Gradlinig und offen" sei Ackermann, heißt es in der Begründung. Der Banker habe "besondere soziale Verantwortung" bewiesen. Vielleicht meinten sie die Streichung von 6000 Stellen bei gleichzeitigen Milliardengewinnen. Vielleicht auch seinen großspurig angekündigten Verzicht auf Boni mitten in der Bankenkrise.

Die NRW-CDU will sich nun gar nicht zu dem Preis äußern, denn er sei nicht von ihrer Partei. Auch der Vorstandschef der Initiative, Willi Hausmann, erklärt am Mittwoch offiziell: "Jürgen Rüttgers ist nicht Sprecher des Kuratoriums. Er hält lediglich eine Rede anlässlich dieser Veranstaltung."

Im kleinen Kreis reagierte Rüttgers genervt auf die Preisverleihung. Der Vorstand der Initiative entscheide über die Preisvergabe, nicht das Kuratorium, in dem er sitze, sagte der selbsternannte Sozialrebell der Christdemokraten. Mit dem neoliberalen Schweizer will er nichts zu tun haben.

Tatsächlich ist der veranstaltende Verein eine Auffangorganisation für ehemalige christdemokratische Funktionäre. Lothar Späth sitzt ebenso im Kuratorium wie der frühere Berater von Helmut Kohl, Horst Teltschik. Willi Hausmann, Vorstandschef des Zukunftspreises, erlangte Ende der 1990er Jahre übrigens in der CDU-Spendenaffäre eine gewisse traurige Berühmtheit. Fast täglich musste der damalige Bundesgeschäftsführer neue Hiobsbotschaften über die bis heute unbekannten Parteispenden an Bimbes-Kanzler Helmut Kohl verkünden.

Die Kölner Stiftung möchte mit Entscheidern der Gesellschaft in den Dialog treten. "Um diesen Dialog hat sich Ackermann als herausragende Persönlichkeit verdient gemacht". Meint sie.

Autor:  ANNIKA JOERES
Datum:  23 | 10 | 2008
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