Ein Internet-Begriff wird geadelt: Der „Shitstorm“ wird zum „Anglizismus 2011“ gekürt. Gemeint ist eine stürmische Entrüstungswelle im Internet, in der sich Kritik mit Beleidigungen mischen. Und da es für den „Shit-storm“ kein entsprechendes deutsches Wort gibt, hielt es eine Jury aus Sprachwissenschaftlern nun für gerechtfertigt, den Begriff auszuzeichnen.
Für alle, die selbst eine solche Welle erzeugen wollen, finden sich im Internet Anleitungen. Wird er künstlich erzeugt, spricht man von einem „kalkulierten Shitstorm“. Zu einem solchen Selbstversuch hat sich jüngst der CDU-Hinterbänkler Ansgar Heveling entschieden. Er folgte der Anweisung eines Blogs und suchte sich „ein populäres, emotionales Thema, was die netzaffine Kundschaft interessiert“, um dann eine konträre oder polarisierende Meinung zu vertreten.
Der CDU-Politiker entschied sich für das Thema Copyright-Gesetze und veröffentlichte im Handelsblatt einen Text, in dem er der „lieben Netzgemeinde“ erklärte: „Ihr werdet den Kampf verlieren.“ Völlig erwartetbar fand sich Heveling dann inmitten eines Entrüstungssturms wieder: Es regnet Hohn und Spott via Twitter und Facebook über seine Thesen – und selbst die Website des Abgeordneten wurde dank eines viel zu einfachen Passwortes schnell geknackt.
Wie man eine solche Attacke überlebt
Die unbeabsichtigte Entrüstungswelle ist dagegen für Unternehmen zu einer echten Imagebedrohung werden. Nestlé löste etwa mit dem Löschen eines Greenpeace-Videos von YouTube eine solche aus. In dem Video kritisierten die Umweltschützer, dass Nestlé für seinen Schoko-Keks-Riegel Kitkat Palmöl aus nicht nachhaltiger Produktion verwende und sich somit der Zerstörung der Lebensräume von Orang Utans mit schuldig mache. Die Empörung über das Löschen verschaffte dem Video erst weltweite Aufmerksamkeit.
Bei vielen Unternehmen ist daher längst ein Soziale-Medien-Krisen-Plan Teil ihrer Krisen-PR. Der beinhaltet eigene suchoptimierte Twitter-, Facebook- und YouTube-Kanäle und ein Expertenteam, bestehend aus Community-Managern und Beobachtern, die die sozialen Netzwerke im Blick behalten.
Im Notfall können sie dann auch berechtigte Kritik in eine Entrüstungswelle verwandeln, sagt Blogger und Shitstorm-Experte Sascha Lobo, der bereits 2010 mehr als fünfzig Minuten darüber referierte, wie man eine solche Attacke überlebt. Sascha Lobos Kalkül: Am Ende weiß meist niemand mehr, worum es eigentlich ging.
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