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Politik
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24. Juni 2008

Adresse, Passbild, Religion: Bürgerdaten frei Haus

 Von Matthias Thieme
Im abendlichen Licht zeigt sich ein Teil des sanierten historischen Stadtkanales in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam am Samstag (Archivbild von 2002), im Hintergrund ist die Silhouette der Nikolaikirche sichtbar.  Foto: dpa

Meldeinformationen über 500.000 Menschen waren wegen einer Computer-Panne monatelang frei im Internet zugänglich. Von Matthias Thieme

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Wo genau wohnt eigentlich Günther Jauch und welche Nummer hat sein Personalausweis? Bis zum vergangenen Freitag ist es ein Leichtes gewesen, die Meldedaten von 150 000 Potsdamern zu lesen. Religionszugehörigkeit, Geburtsdatum, Ehepartner - alles stand frei zugänglich im Internet, ein Mausklick genügte.

Auf die Daten in Potsdam haben Unbekannte nach FR-Informationen tatsächlich zugegriffen, ebenso auf das Melderegister der Kommunen Neuhardenberg und Henningsdorf. In weiteren 15 Gemeinden war der Zugriff ungehindert möglich, darunter Rathenow, Plauen und Velbert.

"Es ist bitter, dass es dazu gekommen ist", sagte Sven Kollmorgen, Sprecher der Firma HSH aus Ahrensfelde bei Berlin, der FR. Das Unternehmen betreibt die Internetseite www.meldebehoerde.de und betreut nach eigenen Angaben 2000 Gemeinden bei der elektronischen Verwaltung ihrer Daten. Die Lücke im System sei "der Super-GAU" für das Unternehmen, sagt Kollmorgen. Der Fehler liege aber bei den Kommunen. Weil einige Gemeinden bei der ersten Nutzung des Systems ihr Passwort nicht neu gewählt hätten, seien die Daten dort vom 15. März bis zum 20. Juni lesbar gewesen.

Es sei "erschreckend, dass dies möglich gewesen ist", sagte die Brandenburger Datenschutzbeauftragte Dagmar Hartge der FR. "Das komplette Melderegister der Landeshauptstadt stand offen." Bei missbräuchlicher Nutzung sei vom Adressenhandel bis zur gezielten Suche nach Personen alles denkbar. "Da kann man sich perfide Dinge denken in einer Stadt mit prominenten Bürgern."

Es sei "dramatisch, dass ein kleiner Fehler solch eine große Wirkung haben kann", so Hartge. Beim sogenannten E-Government müssten strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. "Die Kommunen haben in jedem Fall Fehler gemacht. Die System-Administratoren hätten die Passwörter ändern müssen, um den Zugang zu sperren." Doch auch die Firma HSH hätte dies eventuell erzwingen müssen. Mit dem Innenministerium untersuche man den Vorfall. "Wir lassen uns die Verträge vorlegen", sagt Hartge. "Uns geht es um Schadensminimierung und um die Verhinderung solcher Fälle für die Zukunft."

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