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21. Juni 2011

Ärztefehler: Zeitdruck führt zu Medizinerpfusch

2010 wurden erneut tausende Patienten Opfer von Ärztefehlern - trotz aller Bemühungen um mehr Sicherheit in der Medizin. (Archivbild)

Die Gutachterstellen der Ärzteschaft stellten im vergangenen Jahr bei 2199 Patienten falsche Diagnosen oder Behandlungen fest. 87 Patienten starben daran. Die Mediziner rechnen in Zukunft mit mehr Beschwerden - und mehr Fehlern.

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Berlin –  

Falsche Behandlungen, nicht entdeckte Leiden, verkehrte Diagnosen: Pfuschen die Mediziner, haben die Patienten erstmal das Nachsehen. Tausendfach bekommen Patienten bei Ärztefehlern aber auch Recht und Entschädigung.

Allein die Gutachterstellen der Ärzteschaft stellten im vergangenen Jahr bei 2199 Patienten falsche Diagnosen oder Behandlungen fest. 87 Patienten starben daran. Das geht aus der jüngsten Statistik der ärztlichen Gutachterstellen und Schlichtungskommissionen hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Doch insgesamt ist das Problem weit größer.

Mit Ärztepfusch und -fehlern sind nämlich noch andere Gremien befasst. Insgesamt beanstanden Patienten nach Schätzungen jährlich in rund 40.000 Fällen ihre Behandlung bei den Schlichtungsstellen sowie Gerichten, dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen und Haftpflichtversicherern. In jedem vierten Fall bekamen sie Recht, meinte der Vorsitzende der Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzte, Andreas Crusius.

Crusius machte den zunehmenden Druck der Ärzte verantwortlich. «Der Patient muss in immer kürzeren Zeiträumen durchgeschleust werden - und da können Fehler passieren», sagte er.

Am häufigsten wenden sich Patienten an die unabhängigen Gutachterkommissionen mit Verdacht auf falsche Behandlungen von Knie- und Hüftarthrose, von Brüchen und von Brustkrebs. Nervenschäden mit Gehbehinderungen, die nach dem Einsetzen künstlicher Gelenke eine erneute Operation nötig machen, zählten ebenso dazu wie falsch eingesetzte Prothesen oder Prothesenteile, erläuterte der Geschäftsführer der Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammern, Johann Neu. Die meisten Beanstandungen kamen von Patienten im Krankenhaus.

Insgesamt beschwerten sich 11.016 Patienten allein bei den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzte. Im Jahr zuvor waren es 44 weniger. Die Zahl der Beschwerden wird nach Einschätzung der Ärzte noch zunehmen, weil die Bundesregierung die Patientenrechte per Gesetz stärken will. «Ich denke schon, dass eine erhöhte Inanspruchnahme die Folge sein wird», sagte der Ärztliche Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin, Walter Schaffartzik.

Crusius wies aber auch darauf hin, dass die allermeisten Behandlungen lupenrein abliefen. Die Fehler müsse man in Verhältnis setzen zu den immerhin 400 Millionen Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr. (dpa)

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