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16. Oktober 2015

AfD in Frankfurt: Rassistin im Schafspelz

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Beatrix von Storch (AfD) war bei ihren Frankfurter Kameraden zu Gast und referierte einiges über Flüchtlinge.  Foto: Peter Jülich

Beatrix von Storch wird vom Frankfurter AfD-Kreisverband eingeladen, im Saalbau ihren Beitrag zum Flüchtlingsthema beizusteuern. Das tut sie und lässt dabei keine rechte Phrase aus. Eine Analyse.

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Geht man von den letzten Umfragewerten aus, käme die AfD in Hessen auf keine 5 Prozent. Ganz anders in Thüringen: Dort wären es immerhin zwölf, und auch außerparlamentarisch konnten die Rechtspopulisten in Erfurt kürzlich  8000 Menschen gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung auf die Straße mobilisieren.

Kein Wunder, dass der Frankfurter Kreisverband neidvoll gen Osten blickt und die prominente AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch in die Mainmetropole einlud. Sie sollte ihrer Partei in Sachen Mobilisierung unter die Arme greifen und  die Stimmung gegen Flüchtlinge noch ein bisschen mehr anheizen – ist das doch derzeit das Thema, von dem die Rechte am meisten profitiert. Heiß genug war die Stimmung trotz nass-kalten Wetters schon vor Beginn der Veranstaltung im Gutleut-Viertel: Zirka 80 Gegendemonstranten hatten sich vor dem Saalbau versammelt, um lautstark gegen die AfD und ihren prominenten Gast zu protestieren.

Drinnen fanden sich schließlich um die 100 Anhänger, und nachdem  Kreisvorstand Münch den Abend eröffnet hatte – „die AfD geht einen guten Weg in Richtung 10 Prozent“ - ergriff Beatrix von Storch das Wort.

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Sie fackelte auch gar nicht lange, sondern redete gleich über das Thema, über das sie eigentlich „gar nicht“ reden wollte: Flüchtlinge. Von Storch sprach in rasantem Tempo, jonglierte mit Zahlen, stellte Hochrechnungen an, wie viele Menschen denn tatsächlich kämen - Stichwort Familiennachzug -, und wurde nicht müde, „10.000 täglich“ zu wiederholen. Ihr Publikum blieb anfangs erstaunlich ruhig, doch die promovierte von Storch referierte Zahlen, und die lügen bekanntlich nicht – ganz im Gegensatz zur „Zahlenlüge“ der Bundesregierung und der kriminellen Energie von Kanzlerin Merkel, die in ihrer eigenen Partei laut Insiderinformation sowieso keinen Rückhalt mehr habe: „Merkel hat das Signal gesendet, ihr könnt jetzt alle kommen, packt eure Sachen und kommt jetzt. Deswegen haben wir sie angezeigt“ - Jubel und Applaus, die Zuhörer waren ganz bei ihr.

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Die "Kulturzeit" beschäftigt sich mit dem Thema "Internethetze gegen Flüchtlinge".

Von Storch nahm immer mehr an Fahrt auf: „In Afghanistan sind eine Million Reisepässe ausgestellt worden, sie werden in großen Teilen zu uns kommen. Wir wissen, syrische Pässe kann man bestellen, ... Auch von Afrika,…, werden sie kommen, die Menschenmassen“. Und „wenn 10.000 Menschen am Tag kommen, dann bedeutet das mit Familiennachzug, dann bedeutet es 7 bis 8 Millionen." Obwohl, räumte sie ein, die Syrer eigentlich allen Grund hätten, ihr Land zu verlassen, und „natürlich wollen sie alle nach Deutschland, weil hier das Leben besser ist“. Aber syrische Ärzte seien das alles nicht, von wegen „1,5 Millionen neue Arbeitskräfte“ - Gelächter, die Stimmung im Saal war gut.

Wohlstandsmekka Deutschland

„Bleiben Sie gemäßigt, machen Sie den Leuten keinen Vorwurf, werden Sie nicht ausländerfeindlich“, bat von Storch beschwörend, zeichnete parallel jedoch das Bild vom kriminellen Flüchtling, wie ihn sich die rechte Szene gerne zurechtlegt. Denn den locke einzig das Wohlstandsmekka Deutschland, das er einer Annexion gleich auszupressen und seiner kulturellen Identität zu berauben gedenke - und das alles mithilfe „gefälschter Pässe und einer Anwaltsindustrie“. Dass man trotzdem „nicht vor Asylbewerberheimen demonstrieren“ sollte, war wohl schlicht dem Ziel geschuldet, die Ecke am äußerst rechten Rand scheinbar wieder zu verlassen. Verlassen wurde sie nur kurzzeitig, denn bald darauf behauptete Beatrix von Storch die massenhafte Zwangsprostitution und Vergewaltigung in Flüchtlingsunterkünften, die jeden gestandenen Deutschen zwangsläufig auf die Palme bringen musste. „Das müssen Sie mal aufschreiben“, zischte es von Seiten der AfD-Schaft in Richtung Pressevertreter.

Doppelbödigkeit

Es ist diese Doppelbödigkeit, die die Rede von Beatrix von Storch so gefährlich machte.  Wettern auf der einen Seite untermalt mit einer Zahlenjonglage, die im besten Fall auf Spekulationen beruht, und Abwiegeln auf der anderen, um der pauschalen Abwertung und Kriminalisierung von Menschen einen bürgerlichen Anstrich zu verpassen. Natürlich wäre von Storch nicht die Beatrix, hätte sie nicht hier und da ihren Hass gegenüber dem „Genderwahn“ eingestreut und am Rande beinahe bedauert, dass wenigstens hier die Moslems mal nicht richtig aufräumen.  

Ihre Lösung ist so banal wie naheliegend: „Wir brauchen an der Spitze eine Führung, die das Problem erkennen will. Merkel ist eine Gefahr.“  Für andere ist es vielmehr Beatrix von Storch.

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