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Politik
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23. Februar 2015

AfD: Lachen mit Lucke

 Von Tom Schimmeck
AfD-Chef Lucker beim Politischen Aschermittwoch in Osterhofen, Bayern.  Foto: dpa

Wenn der oberste AfDler versucht, lustig zu sein, wird es unheimlich. Zum Beispiel kürzlich in seiner Aschermittwochsrede.

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Er leckt sich die Lippen, der Herr Lucke, und wagt ein Lächeln. Ich starre ungläubig auf den Monitor. Gebannt. Den falschen Knopf gedrückt, bei Phoenix gelandet. Ich gucke nie Phoenix, das ist was für Masochisten. Auf Phoenix laufen Sendungen wie „Ist Griechenland noch zu retten?“ Dabei lautet die Frage: Ist Deutschland noch zu retten? Die Antwort heißt: Nein. Wir werden ersticken an unserer grandiosen Exportvizeweltmeister-Selbstgerechtigkeit und unseren klitzekleinen Korinthenkacker-Lebenslügen. Schon bald.

Jeder, der dem Volkswirt beim Witzeln zuhört, müsste dies eigentlich auf der Stelle begreifen. Es ist unheimlich, wenn der Spießer Lucke lustig wird, seine „zarte Spitzbübigkeit“ („Frankfurter Allgemeine Zeitung“) zeigt. Achtung! Jetzt nimmt er sich die Sexualpädagogik im rot-rot-grünen Thüringen vor: „Thüringens Schüler lernen also demnächst die ganze Vielfalt kennen, vielleicht vom Sadismus bis zur Sodomie. Dafür lernen sie in Zukunft noch weniger über den Unrechtsstaat DDR. Man muss eben Prioritäten setzen.“ Er presst die Lippen zusammen. Er nickt. Witz erledigt. Und man hört tatsächlich Lachen, Beifall im niederbayerischen Osterhofen. Die Phoenix-Kamera schwenkt nicht in den Saal. Vielleicht aus Barmherzigkeit? Der Professor Lucke wirkt sonst ja immer so artig, so emsig, so diszipliniert. Selbst wenn er gegen „die Griechen“ geifert. Wobei – er geifert nicht. Er presst das Stimmchen nur noch ein bisschen höher. Er ist sich so sicher. Er hat das alles ganz genau ausgerechnet. Sein Strebergrinsen sagt: Ich habe Recht. Mit 14 trat Little Lucke der Jungen Union bei. Weil Willy Brandt ihm zu weich war.

Rhetorische Resterampe

Der politische Aschermittwoch, vor Jahrhunderten auf dem Viehmarkt von Vilshofen entstanden, ist heute eine rhetorische Resterampe; der Scherzchensperrmüll aller Parteien. Der Tag, da jeder seine ranzigsten Sprüche raushauen darf. Sogar Lucke – der Calvinist, der kein Bier trinkt. Er schimpft auf die „Gleichmacher“ und die „politisch Korrekten“, lästert über Mindestlohn, Mietpreisbremse, „Gender-Ideologie“. Und, immer wieder, über die Energiewende, diese „Ersatzreligion“. „Vielleicht sollte man deshalb an jedem Windrad eine Art Gebetsraum anbauen. An einem Opferaltar kann man dann die EEG-Umlage gleich vor Ort entrichten.“ Das ist so lustig wie Erich Honecker.

Der Herr Seehofer, sagt der Herr Lucke, leide „oft unter Söder-Brennen“. Sigmar Gabriel sei ein „Schwergewicht im Bundeskabinett“ und SPD-Generalsekretärin Fahimi „politischer Autismus im Endstadium“. Das sichere Symptom: Sie hat den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung kritisiert, die sogenannten „Wirtschaftsweisen“. Ja, bei den lieben Kollegen hört der Spaß auf. Die „belegen ihre Kritik mit Zahlen und Fakten“, sagt er, ganz „nüchtern und sachlich“. Das ist seine Welt, sein Geist: Staatliche Investitionen? Pfui. Faire Löhne? Sünde! Professor Lucke, Vater des „Plenums der Ökonomen“, ist ein Marktfundi. Und steht damit fest in der Mitte des deutschen Ökonomen-Mainstreams, der Europa, Politik und irgendwie auch den Staat an sich nicht mag. Allenfalls, wenn der „streng stabilitätsorientiert“ agiert.

Zum Ende seiner launigen Rede gründete Herr Lucke übrigens eine neue Bewegung: „SÜRIZA“. Alle staunen. Er lächelt: „Südländern rate ich zum Austritt!“

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